Gelesen: Jim Butcher – Death Masks (Book 5 of the Dresden Files) / Silberlinge

Worum geht es?

Harry Dresden nimmt an einer Fernsehtalkshow teil, um unauffällig von einem Informanten Informationen über seine verlorene Liebe Susan zu bekommen (die auf halben Weg zur Verwandlung in einen Vampir am Ende von Band 3 aus Chicago geflohen war). Einer der anderen Gäste entpuppt sich als mächtiger Vampir, der Harry zu einem Duell herausfordert, das – im Falle von Harrys Tod – den Krieg zwischen Vampiren und Magiern beenden würde. Ebenfalls vor Ort: ein Gesandter des Vatikan, der Harry damit beauftragt, das gestohlene Leichentuch von Turin wiederzubeschaffen. Als Harry mit seinem Auftraggeber zusammen das Fernsehstudio verlässt, werden sie von Handlangern des Gangsterbosses Marcone mit Gewehrfeuer erwartet. Schließlich ruft ihn sein Polizeikontakt Karen Murphy noch in eine Leichenhalle, in der ein Mann liegt, der an allen nur denkbaren Infektionskrankheiten gleichzeitig gestorben ist. Und auf dem Rückweg von dort, greift ein unvorstellbar mächtiger Dämon Harry in einer Gasse an.

Was gefällt?

Wie man sieht, geht es mal wieder rund im Leben von Harry Dresden. Auch diesmal wieder bekommt der Protagonist kaum eine Verschnaufpause und wird von allen Seiten vor unausweichbare Herausforderungen gestellt. Das unheimliche Tempo reißt einen als Leser mit.

Auch gibt es ein Wiedersehen mit verschiedenen interessanten Figuren aus den letzten Romanen, dazu aber auch wieder ein paar neue Bekanntschaften, die Lust auf mehr machen.

Schön ist auch, dass ein Handlungsfaden aus Band 3 hier endlich wieder aufgegriffen wird – wenn auch nicht unbedingt mit einem (mich) zufriedenstellenden Ergebnis.

Und schließlich schafft es Butcher wieder, ganz neue, in der Serie bislang ungenutzte mythologische Seiten aufzuschlagen, aus denen er sich hier bedient. Diesmal mit biblischem Hintergrund.

Was gefällt nicht?

Wie schon angedeutet, gefällt mir nicht sonderlich, wie einer der Handlungsfäden aufgelöst wird. Aber das ist persönliche Lesersicht. Plottechnisch kann das durchaus sinnvoll sein, mal sehen, was da noch nach kommt. (Obwohl ich wenig Hoffnung auf einen guten Ausgang habe, wenn ich einige Anmerkungen, über die ich im Internet bereits gestolpert bin, richtig deute. Bei einer so alten Serie ist es nicht immer leicht, alle Spoiler zu umgehen.)

Darüber hinaus ist das zwar ein rasantes Abenteuer, das schön an die vorhergehenden anschließt, aber mir fehlt da irgendwie etwas Neues, eine Weiterentwicklung. Das ist Mehr vom Gleichen, ja, und das Gleiche ist gut gemacht, aber beim fünften Mal nicht mehr so befriedigend wie die ersten Male.

Was kann man als Autor lernen?

Wie schon bei Band 3 beschrieben, sind die Dresden-Files-Romane meiner Meinung nach ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man seinem Protagonisten immer das Schlimmste antun sollte, was man sich ausdenken kann. Wenn man eine Figur schafft, die das durchsteht, hat man fast sicher auch eine geschaffen, die es wert ist, dass man Bücher über sie schreibt.

Fazit

Ermüdungserscheinungen? Ich weiß nicht recht. Vielleicht ein wenig bei mir als Leser. Ich glaube nicht, dass man sie dem Autor anlasten kann. Bislang hatte ich nach dem Ende eines Bandes immer gleich den nächsten gekauft, um ihn auf dem Kindle griffbereit zu haben, wenn das Verlangen mich überkommt. Dieses Mal war ich lange der Meinung, dass ich es nicht tun würde. Aber nach dem rasanten Finale habe ich dann doch wieder den Kaufknopf gedrückt. (Zumal ich auch schon gehört habe, dass die Serie sich noch steigern soll. Das will ich dann ja doch nicht verpassen.)

Gelesen: Jim Butcher – Grave Peril / Grabesruhe (The Dresden Files 3)

Nachdem Band 1 und 2 quasi im Doppelschlag verschlungen wurden, hatte ich mir ein wenig Zeit gelassen, bevor ich mich wieder ins magische Chicago der Jetztzeit gestürzt habe.

Worum geht es?

Der Durchgang in das Nevernever, die magische Welt jenseits der unseren, ist brüchig geworden, was dazu führt, dass es vermehrt zu Geistererscheinungen kommt, denen Harry sich – diesmal in Begleitung des Kreuzritters Michael – natürlich entgegenstellt. Doch die Sache wird schnell persönlich, als ein besonders bösartiger Geist beginnt, Freunde und Bekannte von Harry anzugreifen. Liegt die Ursache dafür in einem gemeinsamen Fall in der Vergangenheit?

Doch die Geister sind nicht Harrys einziges Problem: seine (feeische) Patentante besteht darauf, dass Harry endlich seinen Teil einer Abmachung einhält und sich ihr anschließt. Und auch der lokalen Vampirgröße Bianca ist Harry in der Vergangenheit einmal zu oft auf die Füße getreten. Dafür revanchiert sie sich jetzt – mit einer Einladung zur Feier ihrer Beförderung in der Hierarchie der Vampire.

Was gefällt?

Neben dem, was ich bereits zu Band 1 zur Festplatte gebracht hatte (ja, Band 2 steht noch aus, mea culpa), gefällt mir hier gut, dass Butcher beginnt, die Kontinuität der Serie weiter auszubauen, auf alte Elemente zurückzugreifen (Bianca) und neue einzuführen, die sicherlich noch Bedeutung haben werden (Harrys Patentante). Auch hinsichtlich Harrys Mutter werden einige neue Puzzleteile ins Spiel gebracht. Da dürfte noch einiges lauern.

Darüber hinaus werden einige interessante neue Nebenfiguren eingeführt (Michael, Thomas, Justine), von denen ich hoffentlich in Zukunft ebenfalls mehr lesen werde. Das im Gegenzug dazu Murphy recht schnell ruhig gestellt wurde und keine größere Rolle spielte, störte mich überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Das verhinderte das erneute Aufwärmen des Ich-muss-es-ihr-sagen-aber-ich-tue-es-nicht-und-handele-mir-damit-neue-Probleme-ein-Konflikts.

Dafür durfte Susan, wie schon in Band 2, wieder eine größere Rolle spielen. Ich mag Susan.

Jenseits der Figuren gefällt mir, dass Butcher diesmal darauf verzichtet hat, zunächst zwei scheinbar unabhängige Fälle zu präsentieren, die dann doch – ganz „unerwartet“ – zusammenlaufen.

Und alle Lösungen und Vorgehensweisen, die präsentiert werden, ergeben sich schlüssig aus den Möglichkeiten der Figuren und der Welt. Das wirkt schön konsistent und aus einem Guss.

Was gefällt nicht?

Das Buch beginnt in einer Actionszene und präsentiert dann erst in einer kleinen Rückblende, wie es dazu gekommen ist. Das halte ich prinzipiell für Effekthascherei, wird aber leider – auch in Fernsehserien zum Beispiel – in letzter Zeit viel zu häufig benutzt. Liebe Autoren, beginnt die Geschichte dort, wo sie beginnt.

Ferner gibt sich Harry in diesem Band extrem begriffsstutzig. Hätte er ein bisschen besser aufgepasst, wäre ihm viel früher klar geworden, was hinter all diesen Vorfällen steckt. Die Hinweise waren alle da und für den Leser vielleicht zu ersichtlich.

Und schließlich: Susan. Obwohl das natürlich ein super Aufhänger für den nächsten Band ist. (Der deswegen auch schon auf meinem Kindle wartet, aber erst sind noch ein paar andere Sachen dran.) Mehr schreibe ich wegen der Spoilergefahr nicht.

Was kann man als Autor lernen?

Gönne deinen Protagonisten keine Atempause, in der sie Pläne schmieden können. Lasse die Bösen immer einen Schritt voraus sein, so dass sie das Geschehen bestimmen. Dadurch entsteht automatisch in jeder Szene Konflikt. Das wird hier effektiv vorgeführt.

Gib deinem Helden Prinzipien, gegen die er nicht verstoßen kann. Und dann stecke ihn in eine Situation, in der das es das Dümmste ist, was er tun kann, wenn er getreu seiner Prinzipien handelt. Schau zu, was dann passiert.

Fazit

Der Mythos beginnt, sich zu entfalten; die Welt gewinnt an Komplexität; die Figuren sind super. Ich hoffe, Jim Butcher gelingt es, das Niveau weiterhin zu halten.

Gelesen: The Dresden Files – Storm Front (Sturmnacht)

Angeregt hauptsächlich durch die häufige Erwähnung im (nicht nur) Rollenspiel-Podcast Ausgespielt habe ich mir mal den ersten (englischen) Band der Urban-Fantasy-Reihe The Dresden Files zu Gemüte geführt, die es im Original seit 2000, in Deutschland seit 2006 auf über ein Dutzend Bände um den Titelhelden Harry Dresden gebracht hat.

Worum geht es?

Harry Dresden ist der einzige Magier in den gelben Seiten von Chicago und hält sich mit magischen Ermittlungen mehr schlecht als recht über Wasser. Sein Hauptauftraggeber ist eine Spezialeinheit der Chicagoer Polizei, die ihn des Öfteren als Berater engagiert. So auch diesmal, als ein Paar gefunden wird, dem die Herzen aus der Brust geplatzt sind.

Parallel dazu soll Harry auch noch den Ehemann einer Frau finden, der vermutlich in die dunklen Gefilde der Magie abgerutscht ist.

Und er steht unter Beobachtung durch das White Council, die Autorität für alles Magische, da er selbst unter Verdacht illegaler Magieanwendung steht.

Was gefällt?

Die Vermischung klassischer Hard-Boiled-Detektiv-Elemente mit einer übersinnlichen Welt passt gut. Das Buch ist locker geschrieben und lässt sich auch in der englischen Fassung leicht weglesen. Dabei geht es aber teilweise auch heftig zur Sache.

Die Figuren sind mehr oder weniger das, was man in einer solchen Detektivgeschichte erwartet, aber individuell genug, dass sie nicht wie reine Klischees wirken. Ausgefallen ist vor allem ein Geist, der Harry als externes Gedächtnis und Recherchehelfer zur Seite steht, sexsüchtig ist und in einem Totenschädel haust. (Dadurch erinnert er mich immer ein wenig an Planescape Torment).

Was gefällt nicht?

Nicht viel. Was mich ein bisschen störte, war, dass die beiden Handlungsstränge (erwartungsgemäß) am Ende zusammenlaufen mussten. Ich hätte auch mal zwei komplett unabhängige Stränge reizvoll gefunden.

Fazit

Macht Lust auf mehr. Band 2 habe ich gerade begonnen.

Gelesen: Wächter des Morgen

Worum geht es?

Im fünften Band der Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko trifft der hohe Magier Anton von der Moskauer Nachtwache am Flughafen einen kleinen Jungen, der beginnt, ihm etwas zu prophezeien, in das anscheinend auch Antons Tochter Nadja, die mächtigste Magierin aller Zeiten verwickelt ist. Aber die Prophezeiung bricht ab, bevor sie vollendet ist. Nichtsdestotrotz hat sie das Interesse eines mächtigen Wesens geweckt, das als Tiger bezeichnet wird, und das sich auf die Spur des jungen Propheten setzt. Die Nachtwache versucht, den Jungen zu beschützen, doch der Gegner erweist sich als mächtiger als erwartet.

Was gefällt?

Das Setting mit Tag- und Nachtwache, Lichten und Dunklen, Hexen, Magiern und Vampiren in der Jetztzeit ist immer noch interessant. Die Stil leicht zu lesen, so dass die Seiten geradezu fliegen.

Was gefällt nicht?

Die Handlungsarmut. In der mittleren von wie immer drei Teilen passiert fast gar nichts. Anton fliegt durch die Weltgeschichte und besucht Leute. Stattdessen wird seitenlang moralisiert über Verantwortung, Pflicht, Vaterland. Straffer erzählt hätte der ganze Roman als erste Erzählung eines guten Bandes dienen können.

Außerdem fehlt die Interaktion mit der Tagwache, die nur ganz am Rande auftritt, die weitgespannten gegenseitigen Intrigen und Pläne, deren Umfang erst am Ende deutlich wird.

Und wie immer die Musikeinlagen.

Fazit

Die Luft ist raus. Wenn man den Band auslässt, verpasst man eigentlich nichts.