Nach der Lesung ist vor der Veröffentlichung

Jetzt ist es schon fast zwei Wochen her, dass ich meine Lesung im Second Life abgehalten habe. Mein Fazit: Es war großartig.

Rund dreißig Leute waren gekommen und alle Äußerungen, die ich bisher gehört habe, waren überwiegend positiv bis überwältigend. Ich freue mich. Es hat sich somit für mich auf jeden Fall gelohnt, denn es soll nicht verschwiegen werden, dass so eine Lesung, auch wenn sie nur virtuell ist, trotzdem eine recht anstrengende Angelegenheit ist. Danach war ich richtig fertig.

Aber wozu soll ich hier viel schreiben, wenn andere das schon getan haben (und das auch noch mit schönen Fotos von der Lesung dazu), daher hier ein paar Links zu Beiträgen über die Lesungen des Abends. (Nach mir hatte ja noch Sandra Baumgärtner gelesen):

Vielen Dank noch mal an alle, die gekommen sind, um mir zuzuhören, an alle, die sich die Mühe gemacht haben, im Nachhinein darüber zu berichten, an alle, die an der Organisation dieser Lesung und auch des ganzen E-Book-Events beteiligt waren und ganz besonderen Dank an Barlok für das hervorragend auf Grundlage meiner Geschichte gestaltete Bühnenbild. Das hat die Lesungsatmosphäre sicherlich noch mal deutlich gesteigert.

Zwei Anmerkungen noch:
– Wer noch im Rahmen dieses E-Book-Events Second-Life-Lesungen hören möchte, der hat dazu noch bis zum 1. Mai die Gelegenheit, unter anderem mit Anja Bagus oder C.M. Hafen. Alle noch offenen Programmpunkte findet ihr bei den Brennenden Buchstaben.
– Die Anthologie „Ab 18!„, aus der die Geschichte „Ungeziefer“ stammt, ist inzwischen als E-Book vorbestellbar, zum Beispiel bei Amazon. Eine Print-Ausgabe wird voraussichtlich im Sommer bei Saphir im Stahl erscheinen.

Auf den Ohren: S wie Die Schreibdilettanten

Was wäre die Vorstellung von Podcasts in einem von einem Autor betriebenen Blog, ohne Erwähnung der Schreibdilettanten? Richtig, sträflich unvollständig.

Wer macht’s?

Zwei Berliner Autoren mit bewegter Vergangenheit, die sie unter anderem beruflich in Rollenspielläden geführt hat, Marcus Johanus und Axel Hollmann. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich sie auf Twitter kennengelernt und bin so auf ihren Podcast gestoßen. Neben Twitter und dem Podcast betreiben die beiden aber auch noch eigene Blogs, auf denen ihr mehr über sie erfahren könnt. Zum Beispiel dass Axel kürzlich zwei Romane um die Ermittlerin Julia Wagner bei Ullstein Midnight veröffentlicht hat.

Worum geht’s?

Ums Schreiben in allen Facetten, zu denen natürlich auch das Lesen gehört. Hauptsächlich geben Marcus und Axel die Tipps und Erfahrungen weiter, die sich in ihrer Schreibkarriere für sie als funktionierend erwiesen haben. Das fängt an bei der Recherche über den Entwurf und das Schreiben bis hin zu den vielen Überarbeitungen, die so ein Roman im Laufe seines Lebens so über sich ergehen lassen muss. Dabei sind die beiden bekennende Outliner und haben ihren Arbeitsfluss natürlich auch dementsprechend organisiert. Aber auch Autoren, die es weniger mit »erst denken, dann schreiben« halten, werden sicherlich eine Menge guter Tipps erhalten. (Das ist zumindest meine Erfahrung.)

Neben den konkret schreibmethodikzentrierten Episoden gibt es auch immer mal wieder andere dazwischen, zum Beispiel über Lieblingsfilme der beiden aus einem bestimmten Genre oder über einen Lieblingsschriftsteller wie Stephen King oder Sebastian Fitzek und deren Bücher. Dabei soll das kein reines Listenabarbeiten sein, sondern es steht auch immer die Frage im Fokus, was man als Autor aus anderen Filmen und Büchern konkret lernen kann.

Zusätzlich gibt es in der Mitte jeder Sendung noch einen Tipp der Woche. Das ist meist irgendetwas Mediales, also ein Film, eine Serie, ein Buch, ein Comic, eine Webseite oder was auch immer, was einem der beiden gerade besonders gut gefällt.

Wann kommt’s?

Wöchentlich am Freitag. Üblicherweise dauern die Sendungen so 20 bis 25 Minuten, in Ausnahmefällen aber auch mal deutlich länger. Insgesamt haben die beiden schon über 130 Sendungen auf dem Buckel, die seit einiger Zeit auch als Vlog auf youtube zu sehen sind.

Was gefällt?

Wer sich schon ein wenig mit dem Schreiben beschäftigt hat, darf hier keine grundlegend neuen Erkenntnisse erwarten. Aber es ist erstens schön, bekannte Themen wie Stufendiagramm, Prämisse oder Erzählperspektive noch mal in einem anderen Medium als dem üblichen Schreibratgeber oder dem herkömmlichen Blogartikel serviert zu bekommen. Und zweitens (und vermutlich noch entscheidender) wird deutlich, dass Axel und Marcus hier nicht rein theoretisch über ein Thema plaudern, sondern schon ihre eigenen Erfahrung damit gemacht haben, an denen sie die Hörer teilnehmen lassen. Das ist auf jeden Fall ein eindeutiger Mehrwert gegenüber der manchmal doch recht abstrakten Darlegung in Büchern.

Was nicht so?

Eine Zeitlang war die Audioqualität recht wechselhaft, aber das ist jetzt schon seit längerem erfreulich konstant im Griff. Und dann gab es da noch diese gewisse Phase, in der der Versuch lief, den sympathischen Wasserglasanschlagton, der den Tipp der Woche einleitet, durch einen High-Tech-Audio-Effekt zu ersetzen. Breiten wir den metaphorischen Mantel des Schreibens darüber.

Und manchmal stellt sich bei mir tatsächlich ein wenig das Gefühl ein, dass da nur noch selten etwas Neues kommt. Das ist aber nach über 130 Episoden über ein doch recht klar umrissenes Thema verständlich, und wird, wie ich versucht habe darzustellen, durch die persönliche Reflexion auf jeden Fall wett gemacht. Auf der anderen Seite ist der Podcast dadurch aber auch gut geeignet für Neueinsteiger, ohne dass die sich erst durch die gesamte Backlist hören müssten.

Highlight-Episoden

Die Highlights sind für mich auf jeden Fall die Episoden, in denen Marcus und Axel vor laufenden Mikrofonen Romane brainstormen und plotten, sei es ein Western, eine Romanze oder eine Horror-Geschichte. Es macht Spaß, den kreativen Prozess so hautnah mitzuerleben, und so manches Mal möchte ich dann »Ach, wieso macht ihr das nicht so und so!« in mein Telefon brüllen.

Auf jeden Fall zeigen diese Beispiele deutlich, dass auch die vermeintlich einsame Tätigkeit eines Autors gewinnen kann, wenn man zumindest bestimmte Teile davon auch in der (Klein-)Gruppe durchführt.

Woher krieg ich’s?

Unter www.dieschreibdilettanten.de gibt es den Podcast und weitere Informationen und auf Youtube gibt es das Vlog. Und auch die Schreibedilettanten haben einen gemeinsamen Twitteraccount.

Ein Gruß an die Macher

Viel Spaß und Erfolg beim Schreiben und vergesst uns nicht, wenn ihr die Bestsellerlisten erklimmt!

Und jetzt: surfet hin und ladet euch einen Podcast!

Zum Stand der Schreibdinge XVIII

Der Offenbarungseid von letzter Woche hat geholfen: seitdem habe ich tatsächlich wieder jeden Tag geschrieben. Auch wenn es teilweise nur 10 Minuten am Tag waren, so sind insgesamt doch rund 15.000 Zeichen zusammengekommen und haben die Geschichte, an der ich arbeite, damit über die 200.000-Zeichen-Grenze gehoben. Damit nähere ich mich dann langsam aber sicher dem dritten Akt, in dem … etwas passiert, was ich jetzt noch nicht verrate 😛

Daneben habe ich noch an Ideen für zwei weitere Geschichten gearbeitet. Mal sehen, was daraus wird.

Auf jeden Fall besteht noch Hoffnung für mich 🙂

Wenn die Figuren nicht zum Plot passen – Lehren aus dem Finale von »How I Met Your Mother«

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, das umstrittene How-I-Met-Your-Mother-Finale zu schauen, und um es gleich vorweg zu nehmen, ich gehöre zu den Enttäuschten. Mit der Zeit steigerte sich die Enttäuschung gar zu richtigem Ärger. Das nahm ich zum Anlass, mal einen Schritt zurückzutreten und zu überlegen, was mich denn so sehr stört. Ich habe dabei drei Aspekte erkannt, die ich für Fehler der Produzenten halte und aus denen ich hoffentlich etwas für mein eigenes Schreiben lernen kann.

1) Respektiere die Genrekonventionen

Das vielleicht schwächste Vergehen, das – wie die anderen auch – natürlich im Auge des Betrachters liegt. Was mich hier stört, mag anderen gefallen haben. Aber ich möchte am Ende von neun Jahren, die ich mit einer Reihe von Figuren verbracht habe, nicht eine Stunde lang zusehen, wie der Zusammenhalt der Gruppe auseinanderbricht, nicht in einer Sitcom. Ich will ein Ende, bei dem alle zusammen die Wohnung verlassen und für Joey das Zimmer über der Garage eingerichtet haben. Ich will, dass die Illusion der heilen Welt zumindest in meiner Phantasie weiterbestehen kann. Wenn ich eine Gruppe von Freunden auseinanderbrechen sehen will, gucke ich mir The Shield an.

Natürlich hat How I Met Your Mother viele Konventionen gebrochen und war damit oft erfolgreich, alleine schon bei der für Sitcoms untypischen verschachtelten Erzählstruktur, die sonst wegen der Aufnahme vor Studiopublikum nicht zu erreichen ist. Aber hier, finde ich, war es keine gute Idee.

2) Erfülle geweckte Erwartungen

Hier hat das Finale gleich doppelt versagt und zwei Erwartungen enttäuscht: zum einen die über die ganze Serie, insbesondere aber in der letzten Staffel aufgebaute Spannung darauf, dass Ted und die Mutter sich endlich treffen und dies die Erfüllung aller romantischen Träume Teds werden würde. Alles war darauf ausgelegt, und als es dann endlich so weit ist, wird die Mutter zur Nebenfigur und muss sogar bei ihrer eigenen Hochzeit die Fotos machen. Vielleicht waren die Produzenten der Meinung, hier so große Erwartungen geweckt zu haben, dass sie ihnen nicht gerecht werden könnten und haben sich deshalb dazu entschieden, anstatt es zu versuchen lieber eine 180-Grad-Wendung einzubauen. (Dabei war das, was von der Mutter und Ted zu sehen war, absolut hinreißend in meinen Augen.) Doch nochmals: nach neun Jahren Investition will ich auch die Rendite haben. Ein Film oder Buch können mit einem gekonnten Twist am Ende alles auf den Kopf stellen, aber das führt nur dazu, dass ich die letzten zwei Stunden oder zwei Wochen noch mal in neuem Licht reflektieren muss. Doch nach neun Staffeln einer Fernsehserie gesagt zu bekommen »Hey, es ging gar nicht um das, wovon wir 200 Folgen lang behauptet haben, dass es darum ginge«, das grenzt doch an Verarschung. (Wobei den Produzenten zu Gute zu halten ist, dass sie dieses Faktum ironisch brechen, indem sie die Kinder genau darauf hinweisen lassen, dass es in der Serie ja gar nicht um die Mutter ging.)

Und dann gibt es noch das zweite Versprechen, dass die ganze neunte Staffel über gemacht wurde, und das gebrochen wurde: das Happy-End für Robin und Barney. Besonders unplausibel fand ich dabei, wie Barney mit einer ungesehenen Frau und einem ungeplanten Kind abgespeist wurde. Das fühlte sich wie ein Trostpreis an, der gewährt wurde, da der Plot verlangte, dass Robin für Ted frei ist. Und damit wäre ich auch schon beim letzten und wichtigsten Punkt.

3) Sorge dafür, dass Plot und Figuren zusammenpassen

Wenn man sich den Plot der gesamten Serie anschaut, dann ist der durchaus geschickt konstruiert, Anfang und Ende bilden lehrbuchartig eine Klammer um die gesamte Serie und es gibt durchaus Zeitpunkte, an denen das Ende für die Serie gut funktioniert hätte, nämlich zu einem Zeitpunkt als das Verhältnis von Ted und Robin (noch) im Vordergrund gestanden hat. Aber in den acht, neun Jahren, die vergangen sind, seitdem sich die Produzenten das Ende ausgedacht hatten – und dass es schon so lange geplant war, zeigt ja die Szene mit den Kindern, die offensichtlich schon am Anfang der Serie gedreht wurde (vermutlich mit weiteren alternativen Enden) – ist etwas passiert, das am Ende ignoriert wurde: die Figuren haben sich weiterentwickelt. Ted war schon lange nicht mehr die Hauptfigur und das Verhältnis von Ted und Robin schon lange nicht mehr das Hauptthema. Und deswegen passte das Ende nicht mehr zu den Figuren. Durch das punktuelle Durchwandern der nächsten Jahre der Charakterentwicklung wurde anscheinend noch versucht, die Figuren wieder so zu positionieren, dass das Ende doch noch passen würde. Aber das wirkte bemüht und unglaubwürdig. Zehn Jahre in dreißig Minuten Schnelldurchlauf können einfach nicht die gleiche Verbundenheit zu einer Figurenkonstellation herstellen wie die neun Jahre zuvor, denen man mehr oder weniger in Echtzeit folgen konnte, in denen uns tatsächlich gezeigt wurde, was passierte und welche Konsequenzen es hatte. Demgegenüber wirkte das Ende wie ein rein erzählender Epilog, der nicht die gleiche emotionale Resonanz erzeugen konnte.

Es mag ein mutiger Versuch gewesen sein, How I Met Your Mother ein Ende zu verpassen, dass den Erwartungen zuwiderlauft. Aber in meinen Augen ist er grandios gescheitert und lässt damit die gesamte Serie mit einem bitteren Beigeschmack zurück. Ich hoffe auf das alternative Ende, das gerüchteweise für die DVD-Veröffentlichung geplant ist.