Gelesen: Jim Butcher – Grave Peril / Grabesruhe (The Dresden Files 3)

Nachdem Band 1 und 2 quasi im Doppelschlag verschlungen wurden, hatte ich mir ein wenig Zeit gelassen, bevor ich mich wieder ins magische Chicago der Jetztzeit gestürzt habe.

Worum geht es?

Der Durchgang in das Nevernever, die magische Welt jenseits der unseren, ist brüchig geworden, was dazu führt, dass es vermehrt zu Geistererscheinungen kommt, denen Harry sich – diesmal in Begleitung des Kreuzritters Michael – natürlich entgegenstellt. Doch die Sache wird schnell persönlich, als ein besonders bösartiger Geist beginnt, Freunde und Bekannte von Harry anzugreifen. Liegt die Ursache dafür in einem gemeinsamen Fall in der Vergangenheit?

Doch die Geister sind nicht Harrys einziges Problem: seine (feeische) Patentante besteht darauf, dass Harry endlich seinen Teil einer Abmachung einhält und sich ihr anschließt. Und auch der lokalen Vampirgröße Bianca ist Harry in der Vergangenheit einmal zu oft auf die Füße getreten. Dafür revanchiert sie sich jetzt – mit einer Einladung zur Feier ihrer Beförderung in der Hierarchie der Vampire.

Was gefällt?

Neben dem, was ich bereits zu Band 1 zur Festplatte gebracht hatte (ja, Band 2 steht noch aus, mea culpa), gefällt mir hier gut, dass Butcher beginnt, die Kontinuität der Serie weiter auszubauen, auf alte Elemente zurückzugreifen (Bianca) und neue einzuführen, die sicherlich noch Bedeutung haben werden (Harrys Patentante). Auch hinsichtlich Harrys Mutter werden einige neue Puzzleteile ins Spiel gebracht. Da dürfte noch einiges lauern.

Darüber hinaus werden einige interessante neue Nebenfiguren eingeführt (Michael, Thomas, Justine), von denen ich hoffentlich in Zukunft ebenfalls mehr lesen werde. Das im Gegenzug dazu Murphy recht schnell ruhig gestellt wurde und keine größere Rolle spielte, störte mich überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Das verhinderte das erneute Aufwärmen des Ich-muss-es-ihr-sagen-aber-ich-tue-es-nicht-und-handele-mir-damit-neue-Probleme-ein-Konflikts.

Dafür durfte Susan, wie schon in Band 2, wieder eine größere Rolle spielen. Ich mag Susan.

Jenseits der Figuren gefällt mir, dass Butcher diesmal darauf verzichtet hat, zunächst zwei scheinbar unabhängige Fälle zu präsentieren, die dann doch – ganz „unerwartet“ – zusammenlaufen.

Und alle Lösungen und Vorgehensweisen, die präsentiert werden, ergeben sich schlüssig aus den Möglichkeiten der Figuren und der Welt. Das wirkt schön konsistent und aus einem Guss.

Was gefällt nicht?

Das Buch beginnt in einer Actionszene und präsentiert dann erst in einer kleinen Rückblende, wie es dazu gekommen ist. Das halte ich prinzipiell für Effekthascherei, wird aber leider – auch in Fernsehserien zum Beispiel – in letzter Zeit viel zu häufig benutzt. Liebe Autoren, beginnt die Geschichte dort, wo sie beginnt.

Ferner gibt sich Harry in diesem Band extrem begriffsstutzig. Hätte er ein bisschen besser aufgepasst, wäre ihm viel früher klar geworden, was hinter all diesen Vorfällen steckt. Die Hinweise waren alle da und für den Leser vielleicht zu ersichtlich.

Und schließlich: Susan. Obwohl das natürlich ein super Aufhänger für den nächsten Band ist. (Der deswegen auch schon auf meinem Kindle wartet, aber erst sind noch ein paar andere Sachen dran.) Mehr schreibe ich wegen der Spoilergefahr nicht.

Was kann man als Autor lernen?

Gönne deinen Protagonisten keine Atempause, in der sie Pläne schmieden können. Lasse die Bösen immer einen Schritt voraus sein, so dass sie das Geschehen bestimmen. Dadurch entsteht automatisch in jeder Szene Konflikt. Das wird hier effektiv vorgeführt.

Gib deinem Helden Prinzipien, gegen die er nicht verstoßen kann. Und dann stecke ihn in eine Situation, in der das es das Dümmste ist, was er tun kann, wenn er getreu seiner Prinzipien handelt. Schau zu, was dann passiert.

Fazit

Der Mythos beginnt, sich zu entfalten; die Welt gewinnt an Komplexität; die Figuren sind super. Ich hoffe, Jim Butcher gelingt es, das Niveau weiterhin zu halten.

Gelesen: The Dresden Files – Storm Front (Sturmnacht)

Angeregt hauptsächlich durch die häufige Erwähnung im (nicht nur) Rollenspiel-Podcast Ausgespielt habe ich mir mal den ersten (englischen) Band der Urban-Fantasy-Reihe The Dresden Files zu Gemüte geführt, die es im Original seit 2000, in Deutschland seit 2006 auf über ein Dutzend Bände um den Titelhelden Harry Dresden gebracht hat.

Worum geht es?

Harry Dresden ist der einzige Magier in den gelben Seiten von Chicago und hält sich mit magischen Ermittlungen mehr schlecht als recht über Wasser. Sein Hauptauftraggeber ist eine Spezialeinheit der Chicagoer Polizei, die ihn des Öfteren als Berater engagiert. So auch diesmal, als ein Paar gefunden wird, dem die Herzen aus der Brust geplatzt sind.

Parallel dazu soll Harry auch noch den Ehemann einer Frau finden, der vermutlich in die dunklen Gefilde der Magie abgerutscht ist.

Und er steht unter Beobachtung durch das White Council, die Autorität für alles Magische, da er selbst unter Verdacht illegaler Magieanwendung steht.

Was gefällt?

Die Vermischung klassischer Hard-Boiled-Detektiv-Elemente mit einer übersinnlichen Welt passt gut. Das Buch ist locker geschrieben und lässt sich auch in der englischen Fassung leicht weglesen. Dabei geht es aber teilweise auch heftig zur Sache.

Die Figuren sind mehr oder weniger das, was man in einer solchen Detektivgeschichte erwartet, aber individuell genug, dass sie nicht wie reine Klischees wirken. Ausgefallen ist vor allem ein Geist, der Harry als externes Gedächtnis und Recherchehelfer zur Seite steht, sexsüchtig ist und in einem Totenschädel haust. (Dadurch erinnert er mich immer ein wenig an Planescape Torment).

Was gefällt nicht?

Nicht viel. Was mich ein bisschen störte, war, dass die beiden Handlungsstränge (erwartungsgemäß) am Ende zusammenlaufen mussten. Ich hätte auch mal zwei komplett unabhängige Stränge reizvoll gefunden.

Fazit

Macht Lust auf mehr. Band 2 habe ich gerade begonnen.

Gelesen: Wächter des Morgen

Worum geht es?

Im fünften Band der Wächter-Reihe von Sergej Lukianenko trifft der hohe Magier Anton von der Moskauer Nachtwache am Flughafen einen kleinen Jungen, der beginnt, ihm etwas zu prophezeien, in das anscheinend auch Antons Tochter Nadja, die mächtigste Magierin aller Zeiten verwickelt ist. Aber die Prophezeiung bricht ab, bevor sie vollendet ist. Nichtsdestotrotz hat sie das Interesse eines mächtigen Wesens geweckt, das als Tiger bezeichnet wird, und das sich auf die Spur des jungen Propheten setzt. Die Nachtwache versucht, den Jungen zu beschützen, doch der Gegner erweist sich als mächtiger als erwartet.

Was gefällt?

Das Setting mit Tag- und Nachtwache, Lichten und Dunklen, Hexen, Magiern und Vampiren in der Jetztzeit ist immer noch interessant. Die Stil leicht zu lesen, so dass die Seiten geradezu fliegen.

Was gefällt nicht?

Die Handlungsarmut. In der mittleren von wie immer drei Teilen passiert fast gar nichts. Anton fliegt durch die Weltgeschichte und besucht Leute. Stattdessen wird seitenlang moralisiert über Verantwortung, Pflicht, Vaterland. Straffer erzählt hätte der ganze Roman als erste Erzählung eines guten Bandes dienen können.

Außerdem fehlt die Interaktion mit der Tagwache, die nur ganz am Rande auftritt, die weitgespannten gegenseitigen Intrigen und Pläne, deren Umfang erst am Ende deutlich wird.

Und wie immer die Musikeinlagen.

Fazit

Die Luft ist raus. Wenn man den Band auslässt, verpasst man eigentlich nichts.