Gelesen: Lois McMaster Bujold – Die Klingen des Lichts

Wer diesem Blog oder meinem Twitter-Account schon länger folgt, wird eventuell mitbekommen haben, dass ich ein großer Fan des Barrayar-Zyklus von Lois McMaster Bujold bin. Neben diesen Science-Fiction-Büchern hat die Autorin aber auch noch einige Fantasy-Reihen und -Romane geschrieben, von denen zumindest die auf Deutsch erschienen Bände schon seit längerem ungelesen in meinem Regal stehen, seit es sie vor einiger Zeit mal günstig im Abverkauf gab.

Anfang des Jahres war es dann mal wieder Zeit, ein neues Buch aufzuschlagen. Dabei kam mir Reise-durch-die-Genres-Challenge vom Gerngelesen-Blog in den Sinn, über die ich zufällig – vermutlich auf Twitter – gestolpert war. Es geht darum, in jedem Monat des Jahres 2018 ein Buch aus einem anderen, vorgegebenen Genre zu lesen und darüber eine Rezension zu verfassen. Ich fand diese Herausforderung aus zwei Gründen attraktiv. Zum einen fördert sie den Blick über den Tellerrand des Lieblingsgenres hinaus, was sowieso nicht schadet und zum anderen könnte sie dazu beitragen, einen kontinuierlichen Fluss an Blogartikeln beizubehalten. Die Frequenz von einem Buch pro Monat erschien mir auch machbar, so dass ich mich – ohne mich auch nur mental schon zur Teilnahme an der Challenge zu verpflichten – dazu entschied, mich zumindest an dem Januar-Genre zu orientieren. Nun habe ich im Bereich der Fantasy durchaus noch einige ungelesene Bücher herumstehen, aber ich griff zum ersten Band des vierbändigen Sharing-Knife-Zyklus von Lois McMaster Bujold mit dem Titel „Die Klingen des Lichts“.

Als ich mich nach dem Lesen ein wenig mit den Rezensionen auf Goodreads und Amazon beschäftigte, stellte ich fest, dass diese sehr polarisiert ausfallen. Und ich kann durchaus verstehen, dass einige enttäuscht sind, dass sie nicht das bekommen haben, was sie anhand des Klappentexts und der allgemeinen genre-üblichen Konventionen erwartet haben. Es handelt sich hier keinesfalls um eine epische Fantasy-Saga, in der Gut gegen Böse kämpft, Schlachten geschlagen und Länder erobert werden. Vielmehr handelt es sich um eine recht gradlinige Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Welt mit durchaus epischem Potenzial.

Die ungewollt schwangere Bauerntochter Fawn verlässt ihr Heimatdorf, um den anderweitig verlobten Kindsvater zu vergessen und sich in der Stadt einen Beruf zu suchen, mit dem sie ihr Kind durchbringen kann. Unterwegs wird sie von den Handlangern eines Landzehrer oder Übel genannten bösen Wesens gefangen genommen, dem sie das Ungeborene Opfern wollen, damit es mehr weltliche Gestalt in der Realität annehmen kann.

Doch der einhändige Striefenreiter Dag vom magisch begabten Volk der Seenläufer, der mit seiner Patrouille gegen die Übel kämpft, kann sie befreien und Fawn selbst gelingt es sogar, mit dem Dolch von Dag das Übel zu töten. Dabei wird der Knochendolch anscheinend geprägt, was eigentlich nur geschehen sollte, wenn ein Streifenreiter selbst sein Leben opfert, um seine Lebenskraft in den Dolch fließen zu lassen. Dieses Mysterium möchte Dag mit Fawns Hilfe bei seinem eigenen Volk aufklären.

Und damit ist der Action-Teil des Buches nach dem ersten Drittel auch abgeschlossen. Der Rest handelt nun davon, wie sich Dag und Fawn ihrer Liebe füreinander bewusst werden und wie sie zunächst die Hindernisse, die ihnen in Dags Patrouillen-Verband und später dann in Fawns Familie entgegenstehen, überwinden.

Das passt sicherlich nicht jedem Fantasy-Leser. Mir hingegen hat es sehr gut gefallen. Die ganz große Dramatik bleibt dabei aus und eigentlich gibt es auch während des Lesens keinen Zweifel daran, dass die beiden die eher kleinen Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, auch meistern können. Die aus entsprechenden Liebesfilmen bekannte Krise zwischen den Liebenden bleibt – für mich positiverweise – auf der Strecke. Gleichzeitig kann das Buch dadurch aber auch auf der personalen Ebene ein wenig konfliktarm wirken, was gewöhnungsbedürftig ist und vermutlich auch eine Rolle dabei gespielt hat, dass Fawn sich in einigen Rezensionen dem Vorwurf stellen muss, eine Mary Sue zu sein. Das ist vermutlich ein Vorwurf, den jede einigermaßen starke Frauenfigur heutzutage über sich ergehen lassen muss. Natürlich ist Fawn eine liebenswerte Identifikationsfigur, die die Stärke besitzt, über die Personen in ihrem Umfeld – in angemessenem Maße, wohlgemerkt – hinauszuwachsen. Aber meine Güte, das ist die Definition eines Protagonisten und wer es nicht ertragen kann, dass auch Frauen zu so etwas in der Lage sind, der soll sich gefälligst einen anderen Planeten suchen.

Für mich war dieses Buch auf jeden Fall ein Glückstreffer. Auch ich habe nicht das bekommen, was ich anhand des Klappentextes erwartet habe, aber das bewerte ich in diesem Fall sehr positiv. Wer also Lust hat, eine Romanze in einem fantastischen Setting zu lesen, von deren drei Fortsetzungen jedoch nur noch eine auf Deutsch erschienen ist, der darf ruhig einmal einen Blick riskieren. Ich werde sicherlich in Zukunft mal schauen, wie die Geschichte weiter geht und was es mit dem mysteriösen Dolch auf sich hat.

Erschienen: »Traumhaus in idyllischer Lage«

Letzte Woche erschien in der Reihe »Phantastische Miniaturen« der Phantastischen Bibliothek Wetzlar unter der Herausgeberschaft von Thomas Le Blanc der neunte Band mit Kürzestgeschichten. Diesmal geht es um den Lebensmittelpunkt intelligenzbefähigter Lebewesen, das Haus. Oder wie der Titel des Heftes in Anlehnung an das altbekannte Sprichwoft lautet: »Home wicked home«.

Nach einer Pause im vorhergehenden Band bin ich diesmal auch wieder mit einem Beitrag vertreten. Allerdings würde ich »Traumhaus in idyllischer Lage« nicht tatsächlich als Kurzgeschichte bezeichnen. Eher als zynischen Epilog zu einem der bekanntesten und brutalste Stoffe der Phantastik.

Wer einen Blick hinter diese und 34 weitere Haustüren riskieren will, kann die Sammlung zum Preis von 3 Euro (plus Porto) direkt bei der Phantastischen Bibliothek Wetzlar bestellen.

Viel Vergnügen.

Aktuelle Ausschreibungen für phantastische Kurzgeschichten

Vielleicht möchte der oder die eine oder andere ja den Schwung aus dem NaNoWriMo nutzen und weiß noch nicht so recht, was er im Anschluss schreiben soll. Wie wäre es mal mit einer phantastischen Kurzgeschichte? Und damit die nicht so völlig in den luftleeren Raum hinein entstehen muss, folgen an dieser Stelle die Ausschreibungen, die ich zur Zeit so im Hinterkopf habe, wenn ich mir über Kurzgeschichten Gedanken mache, sortiert nach Einsendeschluss. Vielleicht ist ja für euch etwas dabei. Für Details folgt bitte jeweils dem Link.

2014-12-31: Ab 18

Hier geht’s gar nicht unbedingt um die Phantastik, aber auch nicht um Splatter und Porno, wie das Thema vermuten lassen könnte. Lest selbst: http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/16910-ausschreibung-2014-12-31-ab-18/#entry290251

2015-01-01: Neustart

Thema des Monats des E-Book-Magazins Corona. http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/2659-kgs-themenvorgabe-im-corona-magazine-wieder-da/page-3#entry297639

2015-02-22: Cyberpunk Now

Wie ist der Status Quo des Cyberpunks in unserer gegenwärtigen Realität? Was steht uns nächstes Jahr bevor? http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/17215-ausschreibung-marburg-award-2015-cyberpunk-now/#entry298965

2015-03-01: Wer bin ich?

Thema des Monats des E-Book-Magazins Corona. http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/2659-kgs-themenvorgabe-im-corona-magazine-wieder-da/page-3#entry297639

2015-03-31: Parasitengeflüster

Hierbei soll es um die Kommunikation zwischen Wirt und Parasit gehen. http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/17089-ausschreibung-2015-03-31-parasitengefl%C3%BCster/#entry296136

2015-04-30: Schattenfeuer / Sternenfeuer

Einmal Fantasy, einmal Science-Fiction aus einem neuen Verlag(s-Imprint): http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/17250-ausschreibung-2015-04-30-fantastik-preis-des-drachenstern-verlags/#entry299575

2015-05-01: Nichts als Ärger

Hierbei soll es um die Kommunikation zwischen Wirt und Parasit gehen. http://www.scifinet.org/scifinetboard/index.php/topic/2659-kgs-themenvorgabe-im-corona-magazine-wieder-da/page-3#entry297639

Falls ihr teilnehmt: viel Erfolg! Und vielleicht teilen wir uns ja mal den Platz zwischen zwei Buchdeckeln 🙂 .

Zum Stand der Schreibdinge XIX

Seit dem letzten Mal habe ich weiter gemacht und damit insgesamt 30 Tage am Stück jeden Tag geschrieben, bis die Strähne dann in dieser Woche von einem Abend in geselliger Runde unterbrochen wurde, aber das muss auch mal sein. Der Autor lebt nicht vom Wort allein.

Auch wenn es meistens nur so zwischen tausend und zweitausend Zeichen waren, ist das wichtige für mich die Konsistenz. Und trotz des geringen Umfangs habe ich in der Zeit einiges geschafft:

  • Der Fokus lag auf der Fortsetzung der Arbeit an meinem derzeitigen (und ersten) Langwerk, dass wohl inzwischen ein komplettes Buch werden wird. (Mehr dazu weiter unten.)
  • Daneben habe ich ein Kürzestmärchenepilog für den neunten Band der phantastischen Miniaturen der phantastischen Bibliothek Wetzler geschrieben.
  • Außerdem habe ich eine total un-phantastische Kurzgeschichte begonnen, deren Plot ich schon lange mit mir rumtrage. Diese diente hauptsächlich dazu, auch dann weiter zu schreiben, wenn es bei den anderen beiden Projekten hakte.
  • Wenn es auch bei der Geschichte stockte, dann schreib ich einfach irgendetwas in eine Datei, ähnlich wie beim Warmschreiben, aber noch weniger veröffentlichungswürdig.

Da danach gefragt wurde, möchte ich an dieser Stelle noch einige Worte zu dem Eingangs erwähnten Langwerk anbringen, das derzeit bei knapp 220.000 Zeichen steht. Es handelt sich dabei um ein Kinder-/Jugendbuch aus dem Bereich der Fantasy. Heldin ist die junge Goblin Greeta, die gerne wie die Menschenkinder auch in der Schule Lesen und Rechnen lernen möchte. Aber die Goblins lernen nur das, was sie später für ihre Arbeit als Diener der Menschen können müssen: nähen, kochen, Tiere pflegen und so weiter.

Bei einem Schulausflug zum Kräutersammeln gerät ihr tolpatschiger Mitschüler Knuut in die Fänge einiger Räuber, die merkwürdigerweise in dem Waldgebiet Schlaf-Flieder gesammelt haben. Greeta folgt ihnen und gelangt in ihr Lager. Dort wird sie jedoch erwischt und ist plötzlich auf die Hilfe Knuuts angewiesen. Wird er sie retten können? Werden sie gemeinsam den Räubern das Handwerk legen können? Und was haben die eigentlich vor?

Ich hoffe, dass ich mir diese Fragen in der Rohfassung bis zum Ende des Jahres beantwortet habe. Danach können Greeta, Knuut und der Rest der Tribrücker Goblins und Menschen dann erst mal ein paar Monate Winterschlaf halten, bevor ich mich daran mache, ihre Abenteuer zu überarbeiten. Und was danach aus ihnen wird, darüber habe ich mir noch keine weiteren Gedanken gemacht. Das wird sich dann zeigen. Vielleicht könnt ihr das Buch ja nächstes Jahr euren Kindern zu Weihnachten schenken 🙂

Gelesen: Jim Butcher – Death Masks (Book 5 of the Dresden Files) / Silberlinge

Worum geht es?

Harry Dresden nimmt an einer Fernsehtalkshow teil, um unauffällig von einem Informanten Informationen über seine verlorene Liebe Susan zu bekommen (die auf halben Weg zur Verwandlung in einen Vampir am Ende von Band 3 aus Chicago geflohen war). Einer der anderen Gäste entpuppt sich als mächtiger Vampir, der Harry zu einem Duell herausfordert, das – im Falle von Harrys Tod – den Krieg zwischen Vampiren und Magiern beenden würde. Ebenfalls vor Ort: ein Gesandter des Vatikan, der Harry damit beauftragt, das gestohlene Leichentuch von Turin wiederzubeschaffen. Als Harry mit seinem Auftraggeber zusammen das Fernsehstudio verlässt, werden sie von Handlangern des Gangsterbosses Marcone mit Gewehrfeuer erwartet. Schließlich ruft ihn sein Polizeikontakt Karen Murphy noch in eine Leichenhalle, in der ein Mann liegt, der an allen nur denkbaren Infektionskrankheiten gleichzeitig gestorben ist. Und auf dem Rückweg von dort, greift ein unvorstellbar mächtiger Dämon Harry in einer Gasse an.

Was gefällt?

Wie man sieht, geht es mal wieder rund im Leben von Harry Dresden. Auch diesmal wieder bekommt der Protagonist kaum eine Verschnaufpause und wird von allen Seiten vor unausweichbare Herausforderungen gestellt. Das unheimliche Tempo reißt einen als Leser mit.

Auch gibt es ein Wiedersehen mit verschiedenen interessanten Figuren aus den letzten Romanen, dazu aber auch wieder ein paar neue Bekanntschaften, die Lust auf mehr machen.

Schön ist auch, dass ein Handlungsfaden aus Band 3 hier endlich wieder aufgegriffen wird – wenn auch nicht unbedingt mit einem (mich) zufriedenstellenden Ergebnis.

Und schließlich schafft es Butcher wieder, ganz neue, in der Serie bislang ungenutzte mythologische Seiten aufzuschlagen, aus denen er sich hier bedient. Diesmal mit biblischem Hintergrund.

Was gefällt nicht?

Wie schon angedeutet, gefällt mir nicht sonderlich, wie einer der Handlungsfäden aufgelöst wird. Aber das ist persönliche Lesersicht. Plottechnisch kann das durchaus sinnvoll sein, mal sehen, was da noch nach kommt. (Obwohl ich wenig Hoffnung auf einen guten Ausgang habe, wenn ich einige Anmerkungen, über die ich im Internet bereits gestolpert bin, richtig deute. Bei einer so alten Serie ist es nicht immer leicht, alle Spoiler zu umgehen.)

Darüber hinaus ist das zwar ein rasantes Abenteuer, das schön an die vorhergehenden anschließt, aber mir fehlt da irgendwie etwas Neues, eine Weiterentwicklung. Das ist Mehr vom Gleichen, ja, und das Gleiche ist gut gemacht, aber beim fünften Mal nicht mehr so befriedigend wie die ersten Male.

Was kann man als Autor lernen?

Wie schon bei Band 3 beschrieben, sind die Dresden-Files-Romane meiner Meinung nach ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man seinem Protagonisten immer das Schlimmste antun sollte, was man sich ausdenken kann. Wenn man eine Figur schafft, die das durchsteht, hat man fast sicher auch eine geschaffen, die es wert ist, dass man Bücher über sie schreibt.

Fazit

Ermüdungserscheinungen? Ich weiß nicht recht. Vielleicht ein wenig bei mir als Leser. Ich glaube nicht, dass man sie dem Autor anlasten kann. Bislang hatte ich nach dem Ende eines Bandes immer gleich den nächsten gekauft, um ihn auf dem Kindle griffbereit zu haben, wenn das Verlangen mich überkommt. Dieses Mal war ich lange der Meinung, dass ich es nicht tun würde. Aber nach dem rasanten Finale habe ich dann doch wieder den Kaufknopf gedrückt. (Zumal ich auch schon gehört habe, dass die Serie sich noch steigern soll. Das will ich dann ja doch nicht verpassen.)