Zum Stand der Schreibdinge XIV

Was soll ich sagen? Ich bin immer noch fleißig.

Mein durchschnittliches Tagespensum hat sich auf viereinhalbtausend Zeichen erhöht, in den letzten Tagen liege ich meist über fünftausend.

Ich schreibe immer noch an der Geschichte, die ich letztes Mal erwähnte. Hatte ich sie ursprünglich auf vielleicht 70 – 80.000 Zeichen geschätzt, liege ich jetzt schon bei 170.000 und habe bislang gefühlt die Hälfte bis zwei Drittel der Geschichte abgefasst. Das ist wohl definitiv keine Kurzgeschichte mehr, und selbst mit intensiver Überarbeitung mache ich daraus keine mehr. (Was ganz neue Fragen der Verwertung der Geschichte aufwirft, aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn ich sie fertig habe.)

Zwischendurch habe ich aber auch noch eine Kurzgeschichte geschrieben, die jetzt noch auf Überarbeitung wartet. Von der Länge her ist die genau das Gegenteil: knapp über 5000 Zeichen. Trotzdem muss ich sehen, dass ich sie noch kürze, damit sie in die Vorgaben der Ausschreibung passt. Aber da bin ich zuversichtlich.

Warmschreiben 5

04.01.2014

Das gottverdammt Dämlichste, was man wohl machen kann, wenn man sich vorgenommen hat, die Geschichte, an der man arbeitet, an diesem Wochenende über die 100.000-Zeichen-Marke zu hieven, ist wohl, am Samstagabend bis nach Mitternacht vorm Nicht-Schreib-Computer zu sitzen, laufend Twitter zu aktualisieren und zu hoffen, dass der nächste Tweet es wert sein werde, seine Vorsätze aufzugeben. (Zur Info: er war es nicht, aber das dürfte kaum überraschen.)

Aber auch wenn ich den 100k-Vorsatz fürs Wochenende mehr oder weniger aufgegeben habe (ich glaube halt nicht daran, dass mir alleine morgen rund 17k gelingen – obwohl es natürlich nicht ausgeschlossen ist), so gebe ich meinen 3kPerDay- bzw. inzwischen 3.5kPerDay-Vorsatz nicht auf. Aber da ich zu müde bin, um etwas wirklich Sinnvolles von mir zu geben, gibt es mal wieder einen Warmschreibetag.

Allerdings vermeide ich es, das kleine Teufelchen ins Spiel zu bringen. Er soll nicht wissen, dass ich seine Hilfe benötige, um meine Ziele einzuhalten. Wenn er es wüsste, würde er es mich immer spüren lassen, dass ich ohne ihn nicht klar gekommen bin. Soll er doch in seinem Verzeichnis vergammeln.

Stattdessen schreibe ich jetzt hier einfach so vor mich hin. Als ich das das letzte Mal gemacht habe (letztes Jahr übrigens 😉 ) hat es mir immerhin geholfen, den Faden meiner eigentlichen Geschichte wiederzufinden und weiterzuspinnen. (Deswegen wird Warmschreiben 4 auch nicht im Blog auftauchen, bevor nicht die Geschichte, die daraus entstanden ist, veröffentlicht ist. Wegen der Verderber und so. Verzeihung.) So ganz verkehrt ist es also nicht gewesen. Vielleicht ergibt sich ja auch heute noch etwas Nützliches.

So, jetzt muss mir aber noch mal irgendwas einfallen, sonst fange ich an, sinnlos Wörter vor mich hinzuschreiben. Aber auch das kann ja vielleicht hilfreich sein. Vielleicht ein kleines Assoziationsspiel oder so? Jedes neue Wort muss mit dem Endbuchstaben des letzten anfangen. Ok, abgemacht. Soll ja kreativitätsfördernd sein, so ein Spielkram. Also beginnen wir mal mit:

Apfel – Lagerhaus – Seebestattung – Günstling – Genom – Medizin – normal – Leuchtturm – Metro – Oktober – Ronaldo – Opernhaus – Seife – Einhorn – Nebelbank – Kundendienst – Türstopper – Rücklicht – Teetasse – Elefantenhaus – siebzehn – Nordlicht – Truffaut – Tupperdose – Eissegeln – Nordpol – Lockruf – Fontanelle – Erzgebirge – Eisenzeit – Tauwetter – Regenwetter – Rüssel – längsseits – Südpol – Lametta – Angelhaken – Niveaulosigkeit – Trampolin – Nadel – Licht – Trottel – … mir gehen die Assoziationen aus 😦

Und nun? Was solls, ein Satz pro Wort:

Der rote Apfel duftete verführerisch unter der schweren Vanillecreme.

Jenseits das Lagerhauses rissen die Reflexionen heranrasender Blaulichter den Himmel in Stücke.

Ein Schiff, von dem aus eine Seebestattung stattfindet, hatte Nils sich irgendwie … seetüchtiger vorgestellt.

Francois war gemeinhin bekannt als Günstling seiner Tante Veronique.

»Haben Sie denn nicht die Analyse seines Genoms gesehen?«

»Wenn du diesen kleinen Schluck Medizin nicht freiwillig einnimmst, wirst du dich den Konsequenzen stellen müssen, die daraus erwachsen!«

›Normal ist, was man daraus macht‹, dachte Enrique sich, bevor er zu dem Skalpell griff und den Einschnitt über dem linken Schlüsselbein begann.

Dieser Leuchtturm würde für die nächsten drei Monate seine Aufgabe, seine Heimat und seine Geliebte sein.

Es war das übliche Gedränge in der Metro an diesem Donnerstag, an dem Ekaterina mehr als nur ihrer Handtasche verlustig ging.

Fortsetzung folgt (bestimmt) …

Zum Stand der Schreibdinge XIII

Läuft.

Seitdem ich vor rund einer Woche mit dem Warmschreiben angefangen habe, läuft es wirklich rund. Täglich mehr als 3.000 Zeichen. Das ist zwar nicht die Welt und anderen Autoren nur ein müdes Lächeln wert, aber die Konstanz macht den Unterschied. Und inzwischen habe ich mein Soll daher auch auf 3.500 Zeichen gesteigert.

Rund 20.000 der Zeichen sind in eine Geschichte geflossen, die vor ungefähr einem Jahr halbfertig in einer digitalen Dropbox-Ecke gelandet ist. Die steht damit bei insgesamt 60.000 Zeichen. Bis sie fertig ist, wird sie voraussichtlich noch auf über 100.000 Zeichen anwachsen und damit das Umfangreichste sein, was ich bisher geschrieben habe. Und darüber hinaus auch noch seit langer Zeit der erste Text, den ich ohne konkrete Ausschreibung verfasse. Mal sehen, was ich dann damit anfangen werde.

Ansonsten möchte ich noch kurz die Gelegenheit nutzen, meiner Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass ihr schöne Weihnachten hattet und euch einen guten Rutsch in ein hoffentlich erfolgreiches und zufriedenstellendes Jahr 2014 zu wünschen.

Warmschreiben 3

21.12.2013

»Schon wieder so spät! Wo soll das nur hinführen mit dir?« Tadelnd wippte der Zeigefinger des Digitalteufelchens über den Bildschirm.

»Tut mir leid, Kleiner, aus uns beiden wird heute nichts.«

»Ach komm schon, du willst deinen Vorsatz wirklich schon sausen lassen?«

»Nein, nein«, der Autor schüttelte seinen Kopf, »ganz im Gegenteil. Er trägt schon erste Früchte. Ich habe heute schon an einer Geschichte geschrieben.«

»Du hast geschrieben? Ohne mich?« Das Wesen spuckte einige Bits neben einen Unterordner. »Das wird kein gutes Ende nehmen mit uns beiden, das sage ich dir!« Damit verschwand der Teufel in einer Partikelwolke.

Die Stirn des Autors legte sich in Furchen. Nach einiger Zeit glitt seine Hand zur Maus, der Zeiger schwebte unschlüssig über des Teufelchens Ordner. Dann stand der Autor auf, schaltete den Monitor ab und verließ den Schreibtisch.

Warmschreiben 2

20.12.2013

»Du bist spät, der Tag ist fast vorbei!«

Bei der Begrüßung bereute der Autor fast, das Teufelchen aus seinem Ordner geweckt zu haben. »Was geht es dich an?«

»Na, wir haben einen Deal, oder?«

»Schon, aber du bekommst doch deine Bilder und MP3s so oder so.«

»Hm«, der Teufel lehnte sich gegen einen Rand des Ordners und strich sich seinen Schwanz, den er über die linke Schulter drapiert hatte, »im Moment schon. Aber wenn du irgendwann der Meinung sein solltest, dass unser Arrangement keinen Wert mehr für dich hat, könntest du auf die Idee kommen, mich zu löschen.«

Der Mann vor der Tastatur zuckte mit den Schultern.

»Und es wäre doch schade«, fuhr das rote Wesen fort, »wenn du meiner schon am zweiten Tag überdrüssig werden würdest, oder? Ich glaube, wir können zusammen Großes erreichen.«

»Meinst du?«

»Sicher. Ich hatte schon einige Deals. Aber dieser … dieser ist etwas Besonderes. Weil du etwas Besonderes bist.«

»Du klingst wie eine billige Nutte.«

»Woher weißt du denn, wie eine billige Nutte klingt?«

»Fernsehen.«

»Ach, zum Fernsehen hast du Zeit, aber mich lässt du hier bis kurz vor Zwölf schmoren?« Das Teufelchen stemmte die Fäuste in die Hüften und zuckte wütend mit dem Schwanz. Dampf trat aus seiner Nase und seinen Ohren aus. Er wirkte fast süß, wie er so eingeschnappt aus dem Bildschirm herausstarrte.

»Schon gut, schon gut, jetzt bin ich ja da. Lass uns anfangen.«

»Anfangen.« Der Computerteufel taperte durch seinen Ordner, hin und wieder zurück, wie ein nervöser Hobbit. »Na gut, womit wollen wir denn anfangen?«

»Mit deiner ersten Geschichte natürlich.« Der Autor griff nach der Maus. Erschrocken hüpfte der Teufel auf und zog sich in die vom Mauszeiger entfernte Ecke zurück.

»Hey, ich erzähle ja, das ist doch kein Grund, gleich handgreiflich zu werden!«

»Was?« Irritiert blickte der Autor seinen Gast an. Der deutete mit einer Kopfbewegung auf die weiße Spitze, die über dem Desktop kreiste. Der Mensch folgte dem Blick.

»Ach so. Keine Angst.« Der Autor griff das geöffnete Ordnerfenster und warf es gegen den linken Bildschirmrand, so dass es sich dort verankerte. Dann öffnete er das Schreibprogramm, dass er zur Zeit bevorzugte, und warf ein Fenster gegen den rechten Bildschirmrand. »Ich will mir doch nur ein paar Notizen machen.«

»Ach so.« Der Teufel entspannte sich und ließ sich auf dem Symbol des Unterordners mit Musik von Cher nieder. »Ich dachte schon, du wärst einer von den Perversen, die auf Pieken und Doppelklicken stehen.«

»Ach, hör auf.« Irgendetwas irritierte den Autor, aber er konnte es nicht ganz greifen. Er warf einen zweiten Blick auf den rittlings sitzenden Teufel. Cher? Ich habe doch gar keine Musik von Cher? »Sag mal, wo kommt denn der Ordner her?«

Der Teufel blickte sich um. »Ordner? Welcher Ordner?«

»Der auf dem du sitzt. Der mit Cher. So was habe ich doch gar nicht.«

Der Rote beugte sich zwischen seinen Beinen hinunter und inspizierte seine Sitzgelegenheit. »Ach so, der. Gefällt dir meine neue Einrichtung?«

»Das war aber nicht der Deal! Und wo hast du den her? Du hast den doch nicht etwa runtergeladen? Ich habe keinen Bock auf eine Abmahnung deinetwegen!«

»Ach wo«, der Teufel winkte ab, »alles legal. Du hast doch dein Amazon-Passwort im Browser gespeichert.«

»Was? Du hast das gekauft?«

»Klar. Mit deiner Depri-Mucke kann doch keiner glücklich werden.«

»So nicht, mein Freund. Du wirst kein Geld mehr ausgeben, verstanden. Und auch nichts illegal herunterladen!«

»Aber …« Das Teufelchen verstummte als die Speerspitze des Mauszeigers auf ihn zuflog. Er warf sich zu Boden, verschränkte die Arme über dem Kopf und winselte. »Schon gut, schon gut, ich bin artig.«

Der Autor nickte. »Na gut. Wehe nicht. Also, erzähl mir eine Geschichte.«

Der Teufel beugte sich aus seinem Fenster in das des Schreibprogramms hinein und beäugte die Statuszeile. »Nein, ich denke nicht. Du hast ja deine 3k schon. Gute Nacht.« Damit verschwand das Höllenwesen blitzschnell in einem Unterordner und ließ einen ratlosen, aber nichtsdestotrotz mit dem Pensum zufriedenen Schreiber zurück.