Oh, Captain, mein Captain – Geek Quest #01: Der Brief 

Roland alias Nerdlicht, Eskapismus-Linker, Schlumpffreund, Legominifigurensammler und Ex-Caster bei Ausgespielt, hat mir bereits zweimal Blogstöckchen zugworfen, die ich jeweils freudig aufgefangen, zu einem Blogeintrag geschnitzt und dann … zum Feuerholz hinterm Haus gelegt habe, weil ich zu schüchtern war, sie weiter zu werfen. Vielleicht hatte ich Angst, jemanden am Kopf zu treffen, wer weiß.

Vor einiger Zeit machte er über seinen Twitter-Account aber mich (und vermutlich auch andere) auf eine Aktion aufmerksam, die (zumindest in der ersten Runde) das Blog beleben kann, ohne dass ich dabei anderen Bloggern zu Nahe treten müsste:

Gemeint war die Geek Quest von Fried Phoenix, eine über ein Jahr laufende Herausforderung an Blogger mit zweiwöchentlichen Aufgaben. Die erste lautet: Schreibe einen Brief an das Stückchen Popkultur, dass dich 2016 am meisten bewegt hat. (Wie das aussehen kann, kann man zum Beispiel bei Fried Phoenix selbst zum Thema DSA, natürlich bei Nerdlicht (Perry Rhodan) oder auch in sehr (diskussions-)anregender Form bei Fragment Ansichten (Age of Wonders) lesen.)

Ich dachte, so ein Brief müsste sich doch schreiben lassen. Doch dann kam der schwierige Teil: Worüber denn schreiben? Was hat mich im Jahr 2016 am meisten bewegt? Die Zeit bis zum Ende der ersten Aufgaben rückte näher und schließlich kam mir doch noch eine Idee und daher kommt hier jetzt der Brief (nachdem ich eigentlich schon einen ganzen Blog-Eintrag auf diese Einleitung verwendet habe.)

Lieber Captain,

endlich sind Sie zurück, wir haben Sie vermisst. Ich habe Sie vermisst. In welchen Untiefen ungeklärter Rechte und unprofitabler Vermarktung mussten Sie sich bloß rumtreiben?

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Aber Beständigkeit war ja noch nie Ihre große Stärke, Captain. Ich habe noch eine düstere Ahnung davon, wie wir uns kennen lernten. Das Internet sagt, es muss wohl 1983 gewesen sein, im Ferienprogramm des ZDF. Ich war Ihnen, Ihrem Schiff und Ihrer Mannschaft sofort verfallen. Ganz bestimmt haben Sie mich und mein Interesse für die Science-Fiction geprägt, keine Frage.

Im nächsten Jahr wartete ich auf die Rückkehr Ihrer Comet, so wie andere auf die Rückkehr des Halleyschen Kometen warten, wenn Sie wissen, was ich meine, aber was war das? Nur für einen kurzen Augenblick ließen sie sich auf dem damals noch winzigen Bildschirm blicken und verschwanden gleich wieder? Wie konnte das sein? Gefühlt wartete ich jedes Jahr wieder und wieder. Aber Sie blieben verschwunden, waren weiter gezogen wie der besagte Komet.

Apropos Komet: Glücklicherweise gab es damals in meiner Verwandtschaft sogar schon einen Videorekorder, auf dem einige Ihrer Abenteuer festgehalten worden waren. Und hin und wieder durfte ich da ein bisschen gucken. Meistens dann den Anfang der Cassette. Ja, damals benutzte man für audiovisuelle Aufzeichnungen Magnetbänder ohne wahlfreien Zugriff. Somit sah ich also wieder und wieder, wie Sie Joan an die Elektromenschen, die im Schutz jenes Kometen lebten, verloren. Und ich sah niemals, wie Sie sie retteten, denn diese Aufzeichnung fehlte leider.

Ehrlich gesagt fand ich die Elektromenschen schon recht gruselig damals. Und Sie haben es ja sogar bis in eines meiner Schulbücher geschafft zu der Zeit. Dort wurde behauptet, Sie wären kein gutes Vorbild für Kinder, wären zu gewalttätig, zu brutal. Die Meinung konnte ich natürlich überhaupt nicht teilen. Und beim Vergleich mit dem heutigen Kinderprogramm entlockt so ein Artikel vermutlich nur noch ein mitleidiges Schmunzeln.

Ansonsten blieb mir nur ein Handvoll Comic-Hefte, die zum einen schnell völlig zerlesen waren und zum anderen inhaltlich doch eher schwache Kost boten. Dennoch wollte ich Ihrem Vorbild nacheifern, baute mir aus Lego Laserpistolen nach und bildete mir ein, gemeinsam mit einem Roboter und einem Androiden durch das Sonnensystem zu reisen.

Während ich den imaginären Freunden entwuchs fanden Sie den Weg zurück auf die Bildschirme nicht oder nur auf obskuren Sendern zu obskuren Zeiten, die in dieser wenig internetisierten Epoche an mir vorbeigingen. So blieben wir einander fern, manchmal auch in Gedanken. Doch ein kleiner Funken der Erinnerung glomm beharrlich und wurde schließlich wieder angefacht, erst durch den Soundtrack, der immer wieder in meinen Playlisten auftaucht und später durch das erscheinen der ersten DVDs, kurz nach der Jahrtausendwende. Die Freude war groß, die Ersparnisse gering, so dass die digitalisierten Abenteuer erst einmal im Geschäft statt in meinem Regal verblieben. Schließlich war es auch damals schon hinlänglich bekannt, dass DVD-Preise recht schnell fallen und ich hatte die Geduld, auf einen Schnäppchenpreis zu warten. Ich hatte immerhin 15 Jahre gewartet, was sollten da ein, zwei mehr schon ausmachen?

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Doch wieder wurden meine Erwartungen enttäuscht. Die Auflage der DVDs schien nicht allzu hoch gewesen zu sein und war eines Tages ausverkauft. Anscheinend war es auch anderen gegangen wie mir, denn die Gebrauchtpreise stiegen und stiegen und erreichten ein Niveau, das ich selbst für Sie, meinen alten Freund, nicht bereit war, mitzugehen, auch wenn ich es mir inzwischen leisten konnte. Ich hatte schon einmal gewartet, ich konnte wieder warten. Jahr für Jahr schwand jedoch meine Hoffnung auf eine Neuauflage dahin, wurde die Versuchung, doch noch ein gutes Exemplar der alten DVDs aufzustöbern größer.

Bis dann, es muss wohl im Juli oder August der erlösende Newsletter in den Posteingang trudelte. Captain Future wurde angekündigt, nicht nur auf DVD, sondern auch auf Blu-Ray, mit ungekürztem japanischen Original. Fast ohne mein Zutun zuckte der Finger zur Maus und der Mauszeiger auf den Bestellknopf. Fast. Wenn nicht, ja wenn nicht der Preis wäre. Nun ja, es war ja nur eine Vorbestellung, redete ich mir ein. Ich kann sie ja rechtzeitig vor der Lieferung noch wieder stornieren, redete ich mir ein. Aber wie könnte man das tatsächlich einem Freund antun, auf den man über 30 Jahre gewartet hat? Natürlich stornierte ich nicht. Und so sind Sie jetzt also endlich wieder bei mir, Captain, mein Captain. Und ich hoffe, dass ich in der Zwischenzeit nicht zu sehr gealtert bin, um mich bei den Elektromenschen zu gruseln, um um die Rückverwandlung der Tiermenschen zu bangen oder um über Ihre Darstellung eines tölpischen Schauspielers zu lachen.

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Also, Captain, auf die nächsten 30 Jahre, diesmal Seite an Seite!

Ihr Freund

Merlin

 

Wenn die Figuren nicht zum Plot passen – Lehren aus dem Finale von »How I Met Your Mother«

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, das umstrittene How-I-Met-Your-Mother-Finale zu schauen, und um es gleich vorweg zu nehmen, ich gehöre zu den Enttäuschten. Mit der Zeit steigerte sich die Enttäuschung gar zu richtigem Ärger. Das nahm ich zum Anlass, mal einen Schritt zurückzutreten und zu überlegen, was mich denn so sehr stört. Ich habe dabei drei Aspekte erkannt, die ich für Fehler der Produzenten halte und aus denen ich hoffentlich etwas für mein eigenes Schreiben lernen kann.

1) Respektiere die Genrekonventionen

Das vielleicht schwächste Vergehen, das – wie die anderen auch – natürlich im Auge des Betrachters liegt. Was mich hier stört, mag anderen gefallen haben. Aber ich möchte am Ende von neun Jahren, die ich mit einer Reihe von Figuren verbracht habe, nicht eine Stunde lang zusehen, wie der Zusammenhalt der Gruppe auseinanderbricht, nicht in einer Sitcom. Ich will ein Ende, bei dem alle zusammen die Wohnung verlassen und für Joey das Zimmer über der Garage eingerichtet haben. Ich will, dass die Illusion der heilen Welt zumindest in meiner Phantasie weiterbestehen kann. Wenn ich eine Gruppe von Freunden auseinanderbrechen sehen will, gucke ich mir The Shield an.

Natürlich hat How I Met Your Mother viele Konventionen gebrochen und war damit oft erfolgreich, alleine schon bei der für Sitcoms untypischen verschachtelten Erzählstruktur, die sonst wegen der Aufnahme vor Studiopublikum nicht zu erreichen ist. Aber hier, finde ich, war es keine gute Idee.

2) Erfülle geweckte Erwartungen

Hier hat das Finale gleich doppelt versagt und zwei Erwartungen enttäuscht: zum einen die über die ganze Serie, insbesondere aber in der letzten Staffel aufgebaute Spannung darauf, dass Ted und die Mutter sich endlich treffen und dies die Erfüllung aller romantischen Träume Teds werden würde. Alles war darauf ausgelegt, und als es dann endlich so weit ist, wird die Mutter zur Nebenfigur und muss sogar bei ihrer eigenen Hochzeit die Fotos machen. Vielleicht waren die Produzenten der Meinung, hier so große Erwartungen geweckt zu haben, dass sie ihnen nicht gerecht werden könnten und haben sich deshalb dazu entschieden, anstatt es zu versuchen lieber eine 180-Grad-Wendung einzubauen. (Dabei war das, was von der Mutter und Ted zu sehen war, absolut hinreißend in meinen Augen.) Doch nochmals: nach neun Jahren Investition will ich auch die Rendite haben. Ein Film oder Buch können mit einem gekonnten Twist am Ende alles auf den Kopf stellen, aber das führt nur dazu, dass ich die letzten zwei Stunden oder zwei Wochen noch mal in neuem Licht reflektieren muss. Doch nach neun Staffeln einer Fernsehserie gesagt zu bekommen »Hey, es ging gar nicht um das, wovon wir 200 Folgen lang behauptet haben, dass es darum ginge«, das grenzt doch an Verarschung. (Wobei den Produzenten zu Gute zu halten ist, dass sie dieses Faktum ironisch brechen, indem sie die Kinder genau darauf hinweisen lassen, dass es in der Serie ja gar nicht um die Mutter ging.)

Und dann gibt es noch das zweite Versprechen, dass die ganze neunte Staffel über gemacht wurde, und das gebrochen wurde: das Happy-End für Robin und Barney. Besonders unplausibel fand ich dabei, wie Barney mit einer ungesehenen Frau und einem ungeplanten Kind abgespeist wurde. Das fühlte sich wie ein Trostpreis an, der gewährt wurde, da der Plot verlangte, dass Robin für Ted frei ist. Und damit wäre ich auch schon beim letzten und wichtigsten Punkt.

3) Sorge dafür, dass Plot und Figuren zusammenpassen

Wenn man sich den Plot der gesamten Serie anschaut, dann ist der durchaus geschickt konstruiert, Anfang und Ende bilden lehrbuchartig eine Klammer um die gesamte Serie und es gibt durchaus Zeitpunkte, an denen das Ende für die Serie gut funktioniert hätte, nämlich zu einem Zeitpunkt als das Verhältnis von Ted und Robin (noch) im Vordergrund gestanden hat. Aber in den acht, neun Jahren, die vergangen sind, seitdem sich die Produzenten das Ende ausgedacht hatten – und dass es schon so lange geplant war, zeigt ja die Szene mit den Kindern, die offensichtlich schon am Anfang der Serie gedreht wurde (vermutlich mit weiteren alternativen Enden) – ist etwas passiert, das am Ende ignoriert wurde: die Figuren haben sich weiterentwickelt. Ted war schon lange nicht mehr die Hauptfigur und das Verhältnis von Ted und Robin schon lange nicht mehr das Hauptthema. Und deswegen passte das Ende nicht mehr zu den Figuren. Durch das punktuelle Durchwandern der nächsten Jahre der Charakterentwicklung wurde anscheinend noch versucht, die Figuren wieder so zu positionieren, dass das Ende doch noch passen würde. Aber das wirkte bemüht und unglaubwürdig. Zehn Jahre in dreißig Minuten Schnelldurchlauf können einfach nicht die gleiche Verbundenheit zu einer Figurenkonstellation herstellen wie die neun Jahre zuvor, denen man mehr oder weniger in Echtzeit folgen konnte, in denen uns tatsächlich gezeigt wurde, was passierte und welche Konsequenzen es hatte. Demgegenüber wirkte das Ende wie ein rein erzählender Epilog, der nicht die gleiche emotionale Resonanz erzeugen konnte.

Es mag ein mutiger Versuch gewesen sein, How I Met Your Mother ein Ende zu verpassen, dass den Erwartungen zuwiderlauft. Aber in meinen Augen ist er grandios gescheitert und lässt damit die gesamte Serie mit einem bitteren Beigeschmack zurück. Ich hoffe auf das alternative Ende, das gerüchteweise für die DVD-Veröffentlichung geplant ist.

Gesehen: »Justified« – Season 3

Amazon Prime Instant Video sei dank ist der coolste Deputy US Marshal der Fernsehgeschichte zurück auf meinem Bildschirm: Raylan Givins (Timothy Olyphant, »Stirb Langsam 4.0«, »Deadwood«). Nur echt mit Cowboyhut und locker sitzendem Colt Verzeihung, Glock.

Nachdem das Problem mit der Gangsterfamilie Bennett in Staffel 2 (fast komplett) gelöst wurde, buhlen in Staffel 3 nicht nur die alten Bekannten wie Boyd Crowder (Walton Goggins, »The Shield«) und seine Bande (der jetzt auch Raylans Vater Arlo angehört) oder der zwielichtige Wynn Duffy um Aufmerksamkeit, sondern es betreten auch neue Herausforderer das Spielfeld, darunter Robert Quarles (Neal McDonough, »Star Trek: First Contact«) ein unliebsamer Vertreter eines Detroiter Verbrechersyndikats, der sich mit dem Aufbau des organisierten Verbrechens im ländlichen Kentucky bei seinem Ziehvater rehabilitieren möchte sowie der undurchschaubare Limehouse (Mykelti Williamson, »Forrest Gump«), der nicht nur gerne schlachtet und über alles Bescheid weiß, was in Harlan County und Umgebung so passiert, sondern auch seinen Reichtum und Einfluss gerne steigert. Ach ja, ein Mitglied der Familie Bannett hatte auch noch überlebt und verfolgt eigene Interessen: Dickie.

Die Autoren brauchte nicht viele der 13 Folgen der Staffel, um die verschiedenen Gruppierungen auf dem verschwitzten, südstaatlichen Spielfeld so miteinander zu verstricken, dass schnell klar wird, dass es kein gutes Ende nehmen kann. Und dass Raylan sicherlich wieder Gelegenheit bekommen wird, schneller zu ziehen als sein Gegenüber. Während er hauptsächlich auf Quarles Jagd macht, wobei ihm aber auch seine persönliche Beziehung zu seinem alten Kumpel Boyd Crowder in die Quere kommt und dafür sorgt, dass er zeitweise ins Visier des FBI gerät, muss er gleichzeitig auch die Beziehung zu seiner Ex-Frau, die ein Kind von ihm erwartet, in den Griff bekommen. Und zwischendurch ist auch noch der ein oder andere Auftrag im Dienste des Marshall Service zu erfüllen, zum Beispiel, wenn Häftlinge aus dem Gefängnis fliehen (oder besser gesagt geflohen werden) oder Mitglieder des Zeugenschutzprogrammes in Gefahr geraten.

Wer eine realistische Darstellung von Polizeiarbeit erwartet, der sollte sich woanders umsehen. »Justified« ist im Endeffekt ein moderner Western, in dem der schweigsame, einzelgängerische Marshall in die Stadt kommt, um aufzuräumen. Dieses Grundkonzept wurde aufbauend auf Erzählungen von Elmore Leonard mit den besten Kunstgriffen moderner Seriendramaturgie aufgewertet: plastische Figuren, atmosphärische Dichte und übergreifende Storylines.

Gerade letzteres ist übrigens der Grund dafür, dass Neueinsteiger mit Staffel 1 beginnen sollten, falls jetzt ihr Interesse geweckt ist, ansonsten bleibt vermutlich das ein oder andere Detail unverständlich. Ich kann die Serie nur empfehlen und freue mich, dass auch Staffel 4 bei Prime verfügbar ist.

Filmempfehlung I: »Krieg der Eispiraten«

Es gibt verschiedene Arten von Filmen, die ich zu meinen Lieblingsfilmen zähle. Zum einen gibt es die Filme, die einen – sagen wir mal – »gewichtigen« Eindruck hinterlassen, die anregen, über ein Thema nachzudenken, sich im weitesten Sinne dadurch definieren, dass sie die menschliche Natur beleuchten. Spontan fallen mir in dem Bereich zum Beispiel »Es war einmal in Amerika«, »Blade Runner« oder auch »American History X« ein. Das sind aber Filme, die ich nur alle paar Jahre einmal gucken kann.

Dann gibt es die perfekt gemachten Unterhaltungsfilme wie »Avengers« oder »Zurück in die Zukunft«. Keine Frage, die gucke ich auch mal gerne.

Und schließlich gibt es noch die dritte Sorte, die schwerer zu greifen ist. Eher kleinere Filme, nicht unbedingt unbekannt oder independent aber auch nicht die großen Kassenschlager. Oft schon älteren Datums. Und wenn man sie objektiv betrachtet sicherlich auch mit Schwächen behaftet. Vielleicht ist das entscheidende einfach nur, dass ich diese Filme als Kind das erste Mal gesehen und daher eine stärkere emotionale Bindung zu ihnen habe. Aber das sind Filme, die ich immer wieder gucken kann. Und wenn man das als Definition nimmt, sind es meine tatsächlichen Lieblingsfilme. In loser Folge möchte ich euch aus dieser Kategorie ausgewählte Filme vorstellen. Den Anfang macht:

»Krieg der Eispiraten« (neu: »Die Eispiraten«, engl.: »The Ice Pirates«)

Wasser ist das wertvollste Gut im bekannten Universum. Die bösen Templer vom Planeten Mithras kontrollieren die letzten Reserven der Galaxis. Tapfere Piraten, wie die Crew von Captain Jason, überfallen deren Schiffe, in denen das Wasser in Form von Eis transportiert wird.

Bei einer der Kaperaktionen fällt ihnen die Prinzessin Karina in die Hände und als waschechter Pirat kann Jason nicht widerstehen, sie zu entführen. Auf der Flucht werden er und seine Crew jedoch geschnappt. Doch Karina hat ein Interesse an Jason entwickelt, denn sie hat eigene Pläne, die sie verfolgt, und rettet ihn daher vor dem Schicksal als Eunuchensklave.

Rebellen, pardon, Piraten die gegen ein böses Imperium kämpfen; eine Prinzessin mit einem Roboter (namens Percy), ein böser Oberkommandierender und nicht zuletzt der alte deutsche Titel zeigen schon, auf welcher Welle dieser Film aus den frühen 80er Jahren reitet: Krieg der Sterne ist angesagt, abgeschmeckt mit einer Dosis Mad Max und einer Prise Aliens.

Dass das trotzdem Spaß macht, liegt daran, dass der Film sich selbst nicht zu ernst nimmt, ohne dabei aber in die Albernheiten einer reinen Parodie wie etwa Spaceballs abzurutschen. Stattdessen schmeißen die Macher alles in die Waagschale, was ihnen an absurden Einfällen gekommen ist: Kung-Fu-kämpfende Roboter, Weltraumherpes, säbelschwingende Amazonen, sprechende körperlose Köpfe. Das ist nicht zwingend logisch, aber immer unterhaltsam. Insbesondere für den Endkonflikt wurde eine überraschende Lösung durch kreative Interpretation der Zeitdilatation gefunden.

Die Special Effects sind natürlich nicht auf Weltklasse-Niveu, aber selbst da haben die Macher aus der (Geld-)Not eine Tugend gemacht und die Bedienung der Geschütze im Weltraumkampf beispielsweise mit Hilfe eines Space-Invaders-Spielautomaten umgesetzt.

Auf der Besetzungseite erleben wir einen frühen Auftritt der späteren Genregröße Ron Perlman (»Hellboy«), was ja immer lohnend ist. In der Hauptrolle schlägt sich Fernsehstar Robert Urich (»Spenser« – die Serie hätte ich übrigens gerne mal auf DVD!) in einem seiner wenigen Filmauftritte wacker. Ihm gegenüber sehen wir Mary Crosby, die einige Jahre zuvor die Ehre hatte, J.R. Ewing niederschießen zu dürfen. Außerdem ist auch noch John Carradine in einer seiner letzten Rollen dabei. Abgerundet wird das Ensemble schließlich von Anjelica Huston (»Die Addams Family«) als Raumpiratin. Alles in allem also eine recht sehenswerte Besetzung für einen Genre-B-Movie.

Hinter den Kulissen arbeitete hauptsächlich Stewart Raffill als Regisseur und Drehbuchautor, der ansonsten wohl vor allem für die Regie von »Das Philadelphia-Experiment«, ein Zeitreise-Abenteuer mit Michael Paré und Nancy Allen, bekannt sein sollte. Das bekannteste Werk seines Co-Autors Stanford Sherman dürfte wohl der Fantasy-Film »Krull« sein.

Der Film ist heutzutage problemlos auf DVD zu bekommen, ich hatte mir vor einigen Jahren noch die niederländische DVD besorgt, um meine VHS-Cassette mit der ARD-Nachtaufzeichnung aus den 90ern endlich (und trotzdem schweren Herzens) entsorgen zu können.

Insgesamt ist »Krieg der Eispiraten« einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Das ist bei weitem keine anspruchsvolle Kunst, das ist auch beileibe keine Hard-SF, das ist das, was der Titel verspricht: ein Piratenabenteuerfilm im Weltall. Mit ordentlich Action, viel Humor, etwas Romantik – und jeder Menge Spaß.

Gesehen: Elementary – Season 1

(Oder zumindest so weit, wie es im Free-TV schon gelaufen ist.)

Worum geht es?

Die Tagline sagt es schon: New Holmes. New Watson. New York.
Ähnlich wie die BBC-Produktion »Sherlock« verlegt auch »Elementary« die klassische Geschichte in die Neuzeit. Als US-Produktion geht die aber noch zwei Schritte weiter: der Schauplatz ist New York und Watson ist eine Frau.
Joan Watson ist eine ehemalige Chirurgin, die als Suchtbetreuerin Abhängigen in den ersten Wochen und Monaten nach dem Entzug zur Seite steht.
Ihr neuester Fall ist der beratende Detective Sherlock Holmes, Der nach der Ermordung seiner Geliebten Irene Adler den Drogen verfiel und schließlich aus London in die neue Welt flüchtete.
Von Sherlocks Vater engagiert (wovon ich übrigens noch nicht überzeugt bin!), zieht die bei dem ebenso exzentrischen wie brillanten und sozial inkompetenten Detektiv ein und begleitet ihn auch bei seinen unentgeltlichen Beratungen für das NYPD. Und schneller als die sich eingestehen möchte, findet sie Gefallen an der Tätigkeit als Ermittlerin.

Was gefällt?

Natürlich gibt es jede Woche ein Verbrechen zu lösen, das meist einem Sherlock Holmes angemessen skurril ist und auch weitestgehend ohne die Unterhaltung störende Logiklöcher auskommt. Allein das ist schon eine Leistung für eine Fernsehserie.
Was » Elementary« aber herausragend macht, ist die Figurenentwicklung. Wie Holmes und Watson im Laufe ihre Beziehung definieren und entwickeln, zunächst Partner und dann sogar so etwas wie Freunde werden, ist großartiges Charakterdrama.
Dabei steht für mich Watsons Entwicklung zur gleichberechtigten Ermittlerin und die Entdeckung ihrer diesbezüglichen Kompetenzen sogar noch ein wenig mehr im Vordergrund.
Aber auch Holmes Öffnung gegnüber Watson trotz seiner prinzipiellen Ablehnung von Menschen wird subtil und glaubwürdig dargeboten.
Sehr schön zu erkennen in einer Szene gegen Ende der Staffel, in der die Detektive einem Verdächtigen am Mord an Irene eine Falle stellen. Holmes hatte bereits einige Folgen zuvor einen Verdächtigen entführt und gefoltert. Watson möchte wissen, warum sie ihm glauben soll, dass er das nicht wieder tut.
Holmes: »Das, was sich empirisch gesehen an mir seitdem geändert hat, sind Sie!«
Watson: »Das ist das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe.«

Was gefällt nicht?

Da gibt es nicht so viel. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob mir die Entwicklungen, die sich zum Ende der Staffel hin andeuten, so besonders zusagen werden bzw. welchen Trick sich die Macher ausgedacht haben, um das glaubwürdig in die Geschichte einzubauen. Im Moment tendiere ich noch dazu, mir zu wünschen, die Produzenten wären konsequenter gewesen. Aber abwarten.
Was mir im Umfeld der Serie absolut nicht gefällt, ist die Veröffentlichungspolitik: keine Blu-Ray, dafür DVD-Halbstaffeln zu je über 30 EUR. Das ist indiskutabel.

Fazit

Absolut empfehlenswerte Renovierung des Mythos Holmes & Watson, die hier endlich gleichberechtigte Partner sind, die sich keinesfalls im Schatten des britischen Cousins zu verstecken braucht, ganz im Gegenteil, gelingt doch Miller im Vergleich zu Cumberbatch ein – bei aller nötigen Überheblichkeit – deutlich sympathischerer Meisterdetektiv

Was kann man als Autor lernen?

Mit einem Twist lässt sich auch aus scheinbar verbrauchten Konzepten noch Aufregendes schaffen. Hauptsache, man nimmt kompetente, aber nicht übermächtige Figuren und bietet ihnen ein Umfeld, in dem sie ihre Stärken ausspielen können und ihre Schwächen überwinden müssen.
Und die eigentliche Geschichte spielt sich immer zwischen Menschen ab.