Leseliste 2016

Wie schon in einigen Jahren zuvor (außer dem letzten), beginne ich das Blogjahr mit einem Rückblick auf das, was ich im Jahr zuvor gelesen habe. Hier die Liste und im Anschluss noch einige Kommentare.

  • Finderlohn
  • Das TEK-Kartell (TEK 2)
  • Tentakelsturm (Tentakel #3, in: Tentakel – Der erste Krieg)
  • Bruderkampf (Bolitho #8)
  • Gentleman Jole and the Red Queen
  • Der Piratenfürst (Bolitho #9)
  • Maddrax 400: Transfer
  • Maddrax 401: Neuland
  • Die Reise mit dem Zauberballon
  • Kinderbücher in einfachem Spanisch 2: Juanito y las Habichuelas Mágicas
  • Maddrax 402: Kaverne der vergessenen Bücher
  • Maddrax 403: Xaanas Weg
  • Proven Guilty (Dresden Files #8)
  • White Night (The Dresden Files #9)
  • Maddrax 404: Fette Tage in Toxx
  • Maddrax 405: Gefrorene Zeit
  • Ein Abend beim Chinesen
  • Drachenfutter (Myth Adventures #2, in: Dämonenhatz)
  • Maddrax 406: Der dunkle Fluss
  • Die TEK-Dealer (TEK 3)
  • Fieber an Bord (Bolitho #10)
  • Rettungskreuzer Ikarus 16: Ansarek
  • Small Favor (Dresden Files #10)
  • Des Königs Konterbande (Bolitho #11)
  • Un Lon Dun
  • Nahkampf der Giganten (Bolitho #12)
  • Ein Dämon auf Abwegen (Myth Adventures #3, in: Dämonenhatz)
  • Turn Coat (Dresden Files #11)
  • Macht’s gut und danke für den Fisch (Anhalter #4, in: „Per Anhalter durch die Galaxis“)
  • Liminale Personae
  • Die TEK-Rache (TekWars #4)
  • Die Landkarte der Zeit

Es ist wohl offensichtlich, dass ich sehr auf Serien konzentriert bin.

Bei den Dresden Files möchte ich gerne auf dem aktuellen Stand sein, wenn demnächst The Dresden Files Cooperative Card Game erscheint, dem ich im letzten Jahr kurzentschlossen meine Unterstützung auf Kickstarter gewährt hatte ohne eine Vorstellung davon zu haben, wann ich mal die Gelegenheit haben werde, das auch tatsächlich zu spielen.

William Shatners (*hüstl*) TEK-Reihe ist eine aufgewärmte Jugendsünde. Aber ich stehe zu meinen Jugendsünden. Außer zu denen, zu denen ich nicht stehe, aber über die berichte ich hier nicht.

Die historischen Seekriegsromane der Bolitho-Reihe sind eine Alternative zu den Hornblower-Romanen mit denen ich nie warm geworden bin. Ebenfalls eine Zweitlesung (und Komplettierung) aus Jugendzeiten, aber viel weniger sündhaft.

Von den Myth Adventures kannte ich bislang nur zwei und da der Komplettist in mir stark ist, versuche ich, diese Lücken jetzt zu schließen.

Neben den Serien und Reihen versuche ich seit dem letzen Jahr auch verstärkt, Werke von einheimischen (Phantastik-)Autoren und Autorinnen zu lesen. Ich werde versuchen, das auch im nächsten Jahr fortzuführen.

Wenn alles so läuft, wie ich es mir derzeit vorstelle, werde ich mich zu einigen der Titeln auch noch mal ein wenig ausführlicher äußern. Aber diese Aussage mache ich natürlich ohne Gewähr.

Auf einen Wurmlochsprung ins Vorkosiverse

(Anmerkung: dieser Artikel erschien zuerst im Juni 2014 in der Abschiedsausgabe 300 des im letzten Jahres eingestellten Fanzines »Fandom Observer«.)

Noch wenige Seiten und eine 25-jährige Geschichte ist vorüber. Damit die Leser nach dem regelmäßigen monatlichen Genuss von 300 Ausgaben Fandom Observer (okay, bei mir waren es nur etwa 30) nicht in eine Sinnkrise stürzen, muss Ersatz her. Etwas, das die Stunde pro Monat mit Lesespaß füllen kann. Hier kommt in letzter Sekunde meine Empfehlung dafür, die ich den Fandom-Observer-Lesern schon lange ausgesprochen haben wollte.

Ich lernte Miles vor rund zwanzig Jahren kennen. Er war gerade dabei, sich seinen Lebenstraum zu erfüllen, indem er die Aufnahmeprüfung für die kaiserlich-barrayanische Militärakadamie ablegte. Die theoretischen Prüfungen hatte er bereits hinter sich und wie es seine Natur war, ging er davon aus, diese mit Bravour bestanden zu haben. Und vermutlich hatte er recht. Doch jetzt lag die physische Prüfung vor ihm, ein Hindernislauf. Noch vor der ersten Wand hatten die anderen Kandidaten ihn abgehängt, aber damit hatte er gerechnet. Womit er nicht gerechnet hatte, war der Übermut, der ihn erfüllte, als er die Wand erklommen hatte. Er fühlte sich unbesiegbar und entschied sich hinunterzuspringen, anstatt hinabzuklettern. Er brach sich beide Beine, seine Prüfung war gelaufen und sein Großvater starb noch in derselben Nacht an der Enttäuschung darüber.

Miles ist natürlich Miles Naismith Vorkosigan, Hauptfigur der (meisten Bände der) Vorkosigan-Saga (auch Barrayar-Zyklus genannt) von Lois McMaster Bujold. Seit den ersten Seiten, die ich gelesen habe, bin ich den Büchern verfallen und halte sie noch immer für die beste SF-Serie, die ich kenne. Deswegen möchte ich sie euch jetzt schmackhaft machen.

Und natürlich kenne ich Miles nicht persönlich, aber durch die hervorragende Charakterisierung in den Büchern, habe ich das Gefühl, ihn gut zu kennen. Denn die Konzentration auf die Figuren ist das herausragende Kennzeichen der Barrayar-Romane. Aus den Figuren und ihren Beziehungen untereinander entsteht viel der Faszination, die diese Bücher auf mich ausstrahlen. Darum soll ihnen der erste Blick gewidmet werden.

Miles Vorkosigan ist die Hauptfigur, doch die Geschichte beginnt mit dem Kennenlernen seiner Eltern in »Scherben der Ehre«. Cordelia Naismith ist Kommandantin eines Forschungsschiffes von Kolonie Beta, einer sehr fortschrittlichen Welt. Sie und ihre Mannschaft erkunden eine neuentdeckte, potentiell besiedelbare Welt. Doch zum gleichen Zeitpunkt hat auch eine militärische Expedition vom rückständigeren Planeten Barrayar unter dem Kommando von Lord Aral Vorkosigan Interesse an dem Planeten, um einen Brückenkopf für eine Invasion auf dem Planeten Escobar zu errichten.

Vorkosigan nimmt Naismith gefangen, wird aber gleichzeitig von Meuterern in seiner eigenen Mannschaft auf dem Planeten ausgesetzt und er muss mit seiner Gefangenen zusammenarbeiten, um sich durch die menschenfeindliche Wildnis zu einem Versorgungsdepot durchzuschlagen.

Hier sieht man schon, dass Bujold ihr Handwerk versteht. Sie bringt reihenweise Konflikte ein und sorgt dafür, dass ihre Figuren es nicht zu leicht haben, indem sie ihnen alles an Hindernissen vorwirft, was ihr einfällt. Und sie erschafft die Figuren, die mit diesen Hindernissen nicht nur umgehen können, sondern an ihnen wachsen. Das trifft sicherlich auf Cordelia und Aral zu, die sich im zweiten Band der Reihe, »Barrayar«, in den Wirren eines Bürgerkrieges wiederfinden. Noch viel mehr aber auf ihren Sohn. Miles kommt mit schweren körperlichen Schädigungen auf die Welt, die ein Giftgasanschlag auf seine Eltern während der Schwangerschaft hervorgerufen hat. Auf Barrayar gilt er dadurch als auszumerzender Mutant. (Und sein Großvater ist der erste, der in der Schlange ansteht, um seinen Enkel in einer Regentonne zu ersäufen.)

Miles Vorkosigan ernährt sich geradezu von Konflikten und Hindernissen, er stürzt sich auf sie und ringt sie nieder, nur um dabei schon Ausschau nach der nächsten, größeren Herausforderung zu suchen. Damit versucht er, sich und seiner Umwelt seinen Wert in der kriegerisch-körperlich geprägten barrayanischen Gesellschaft zu beweisen; daraus stärkt er sein durch die körperliche Behinderung angreifbares Selbstvertrauen. Wenn es ihm allerdings nicht gelingt, eine Herausforderung zu bestehen, wie die eingangs erwähnte Aufnahmeprüfung an der Akademie (»Der Kadett«), dann bricht das fragile Konstrukt in sich zusammen und Miles verfällt in eine depressive Phase. Lediglich neue, herausfordernde Probleme, auf deren Lösung er seinen strategisch brillanten Verstand konzentrieren kann, können ihm neuen Antrieb verschaffen. Wenn er an einer Herausforderung Interesse gefunden hat, dann ist Miles eine Naturgewalt, die sich durch nichts und niemanden stoppen lässt – und das ein oder andere Mal auch deutlich über das gesetzte Ziel hinausschießt. Nicht ohne Grund ist das Rollenspiel zur Vorkosigan-Saga mit dem Motto »Forward Momentum!« überschrieben.

Ein gutes Beispiel ist die Aufgabe, derer er sich annimmt, nachdem ihm die Aufnahme an der Akademie verwehrt wurde. Der Versuch, die Mutter seiner Jugendfreundin und heimlichen Liebe Elena ausfindig zu machen, die in den Wirren der Invasion auf Escobar (siehe oben) verschwunden ist (und Elena damit für sich einzunehmen), führt dazu, dass Miles wenige Wochen später völlig unabsichtlich Admiral einer eigenen Söldnerflotte ist, die ein ganzes Sonnensystem beherrscht. Und damit beginnen seine Schwierigkeiten erst.

Das mag nach einer abstrusen Handlung klingen, doch es ist Bujolds Talent zu verdanken, dass das beim Lesen als ganz zwangsläufige Entwicklung erscheint, die die Autorin nicht vorgibt, sondern die sich ganz organisch aus den Figuren und deren allzeit nachvollziehbaren (Re-)Aktion heraus ergibt.

Miles als Flottenkommandant ist dann auch die Ausgangslage für die nächsten Bände des Zyklus. Dennoch erwartet den Leser nicht (nur) Military-Space-Opera, wie vielleicht anzunehmen wäre. Die Handlungen und Themen sind vielfältig: Gefangenenbefreiung, diplomatische Missionen, Kriminalfälle, Spionage, Attentate, Adelsintrigen – und als mein persönlicher Höhepunkt der Reihe eine herausragende Romanze. Meiner Meinung nach sind die Vorkosigan-Romane immer dann am besten, wenn Miles sein strategisches Geschick anzuwenden versucht, um eine Frau zu erobern – und natürlich grandios scheitert.

Bei aller Leichtigkeit der Erzählweise, so werden in den Romanen immer auch ernsthafte Themen behandelt: Terrorismus, Krieg, genetische Verbesserungen, Homophobie und immer wieder die Frage nach der (eigenen) Identität und dem Menschsein an sich und der daraus hervorgehenden Verantwortung für die eigenen Taten, aber auch die anderer.

Dass diese Mischung ankommt, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass Bujold für die Erzählungen und Romane aus dem Barrayar-Universum insgesamt vier Hugos sowie je zwei Locus und Nebula Awards erhalten hat. (Für einen Band aus einer ihrer zwei Fantasy-Reihen hat sie darüber hinaus auch noch mal alle drei Preise erhalten.) Unter diesem Aspekt gehört sie damit zu den erfolgreichsten Science-Fiction-Autoren überhaupt.

Dennoch ist die Aufmerksamkeit, die sie und ihre Vorkosigan-Saga in Deutschland erfahren, recht gering. Nachdem in den 90er einige Einzelbände erschienen waren, die nach einiger Zeit zu horrenden Preisen auf eBay und Co. gehandelt wurden, erschienen zwischen 2004 und 2006 noch einmal alle Bände der Reihe in Sammelbänden im Heyne-Verlag. Doch seitdem ist es ruhig. Die letzten beiden Bände – »CryoBurn« und »Captain Vorpatril‘s Adventure« – sind auf Deutsch gar nicht mehr erschienen. (Kleiner Wink an mitlesende Verleger.)

Und auch über die deutschsprachigen Gebiete hinaus ist die Fan-Aktivität eher gering. Es gibt eine fan-betriebene, offizielle Website (hauptsächlich) zum Barrayar-Zyklus, die aber seit zwei Jahren nicht mehr aktualisiert wurde erfährt und eine darüber erreichbare Mailingliste (über die ich aber nichts weiter sagen kann). Allerdings betreibt Bujold einen Blog unter dem Goodreads-Dach.

Außerhalb des Internets gibt es an begleitenden Werken den »Vorkosigan Companion«, ein Taschenbuch, das einige Artikel, Interviews und eine ausführliche Lexikographie zum Thema versammelt, ein auf Gurps basierendes Vorkosigan-Rollenspiel, einen Sammelband mit Reden und Essays von Bujold sowie eine Sammlung mit Essays über sie und ihr Werk.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und die durch den Verlust des Fandom Observers freiwerdenden Stunden mit einem Blick in das Vorkosiverse füllen möchte, der kann das am einfachsten mit den englischsprachigen E-Books tun. Auch die englischen Taschenbücher sollten über entsprechende Händler einfach zu bekommen sein. Doch für die deutschen Ausgaben hilft nur die Suche auf den einschlägigen Gebrauchtseiten. Die Preise sind derzeit durchaus akzeptabel.

Ich würde empfehlen, die Bücher in der Reihenfolge ihrer Handlungschronologie (siehe unten) zu lesen. Die Figuren über einen längeren Zeitraum zu begleiten, führt gerade bei dieser Serie zu einer tieferen Verbundenheit und fördert den Genuss einiger späterer Entwicklungen. Denn bei den Barrayar-Büchern wird mitnichten am Ende der große Reset-Knopf gedrückt, so dass alles wieder ist wie vorher. Ganz im Gegenteil, es gibt teilweise einschneidende Veränderungen und Figurenentwicklungen.

Ein Wort der Warnung noch an Technikfetischisten: für euch ist diese Serie eher nicht geeignet. Natürlich gibt es Technologien wie Wurmlochsprünge, Bodengleiter, Nervendisruptoren und Klonen, aber sie sind halt einfach da und werden nicht großartig erklärt. Das führt aber dazu, dass die Bücher trotz eines Zeitraumes von rund 30 Jahren, in denen sie entstanden sind, ein konsistentes Bild zeigen und auch heute noch in dieser Hinsicht gut zu lesen sind, ohne veraltet zu wirken.

Oder, um den ganzen Zyklus noch mal mit den Worten seiner Schöpferin zusammenzufassen:

»I don’t see SF as „about“ science, but rather as about human response to science-driven change.« Lois McMaster Bujold, »Dreamweaver’s Dilemma«

So sehe ich das auch. Und jetzt: lest! Der Barrayar-Zyklus (handlungschronologisch, basierend auf den Sammelbänden von Heyne):

  • Cordelias Ehre
    • Scherben der Ehre
    • Barrayar
  • Der junge Miles
    • Der Kadett
    • Die Berge der Trauer (Erzählung)
    • Der Prinz und der Söldner
  • Gefährliche Missionen
    • Cetaganda
    • Ethan von Athos
    • Labyrinth (Erzählung)
  • Der Doppelgänger
    • Die Grenzen der Unendlichkeit (Erzählung)
    • Waffenbrüder
    • Spiegeltanz
  • Die Revolte
    • Viren des Vergessens
    • Komarr
  • Der Botschafter
    • Botschafter des Imperiums
    • Geschenke zum Winterfest (Erzählung)
    • Diplomatische Verwicklungen
  • Captain Vorpatril’s Alliance (nicht auf Deutsch erschienen)
  • CryoBurn (nicht auf Deutsch erschienen)

Weiterführende Links:

Leseliste 2014

Wie schon in den vergangenen Jahren, so stelle ich auch dieses Mal völlig kommentarlos die Liste meiner Lektüren im vergangenen Jahr ein. Mit 81 Einträgen ist die etwas kürzer geraten, dafür ist die Rezensionsquote um eine Winzigkeit gestiegen. Für beides gibt es aber noch Luft nach oben. Titel, zu denen ich mich schon ausführlicher geäußert habe, sind verlinkt.

  1. Nautilus 101
  2. Nautilus 102
  3. Fandom Observer 295
  4. Aventurischer Bote 148
  5. Effective Programming: More than Writing Code
  6. Nautilus 103
  7. Fandom Observer 296
  8. Im Sog der Zeit (Void 3)
  9. Das Haus der blauen Aschen (D9E #2)
  10. Aventurischer Bote 163
  11. Rettungskreuzer Ikarus 11: Die Erleuchteten
  12. Schluss mit Schreibblockaden
  13. Drei Seiten für ein Exposé
  14. Die Geburt einer Stahlratte
  15. iX 01/2011: Programmieren heute
  16. Digitale Fotopraxis
  17. Harry Potter und der Stein der Weisen
  18. Maddrax 360: Statthalter des Bösen
  19. Maddrax 361: Unter dem Eis
  20. Maddrax 362: Das Weiße Grab
  21. Maddrax 363: Der Kurier der Kristianer
  22. Ein Kristall in fremden Himmeln (D9E #3)
  23. Federwelt 105
  24. Andromeda Nachrichten 244
  25. Fandom Observer 298
  26. Maddrax 364: Hinter der Maske
  27. Tentakelschatten (Tentakel 1. In: Tentakel – Der erste Krieg)
  28. Fandom Observer 299
  29. Phantastisch 54
  30. Maddrax 365: Ein Käfig aus Zeit
  31. Die TEK-Verschwörung (TEK 1)
  32. Maddrax 366: 1000 Jahre wie ein Tag
  33. Andromeda Nachrichten 245
  34. Fandom Observer 297
  35. Aventurischer Bote 164
  36. Death Masks: Dresden Files 5
  37. Federwelt 106
  38. Maddrax 367: Techno-Amazonen
  39. Perry Rhodan – Stardust 1
  40. Rettungskreuzer Ikarus 12: Verschollen im Nexoversum
  41. Aventurischer Bote 165
  42. Fandom Observer 300
  43. Ein Leben für Leeluu (D9E #5)
  44. Maddrax 368: Die Gott-Maschine
  45. Phantastisch 53
  46. Der Schwarm der Trilobiten (D9E #4)
  47. Das elegante Universum
  48. phantastisch! 55
  49. Das Restaurant am Ende des Universums (Hitchhiker’s 2. In: Sammelband)
  50. Maddrax 369: Die Kunst des Überlebens
  51. Maddrax 370: Feindkontakt
  52. Maddrax 371: Der Duft der Erkenntnis
  53. Maddrax 372: Die Vulkantaucher
  54. Maddrax 373: Der Herr der Seelen
  55. Maddrax 374: Heimkehr eines Toten
  56. Maddrax 375: Memorial Day
  57. Aventurischer Bote 166
  58. Nautilus 104
  59. Maddrax 376: Matthew Drax – vermisst
  60. Die Feuertaufe (Bolitho #1)
  61. Strandwölfe (Bolitho #2)
  62. Aventurischer Bote 149
  63. Bruderschaft der See (Bolitho #3)
  64. Kanonenfutter (Bolitho #4)
  65. Maddrax 377: Auf dem Dach der Welt
  66. Federwelt 108
  67. Clean Code
  68. Rettungskreuzer Ikarus 13: Das Leid der Schluttnicks
  69. Corona-Magazin 1/2014
  70. Peter Pan (Children’s Books in Easy Spanish)
  71. phantastisch 56
  72. Rettungskreuzer Ikarus 14: Phönix
  73. Corona-Magazin 2/2014
  74. Federwelt 104
  75. Black Ice
  76. Spanisch Hacker
  77. Machine of Death
  78. Control
  79. Corona-Magazin 3/2014
  80. Zerfetzte Flaggen (Bolitho #5)
  81. Federwelt 109

Gelesen: Nadine Boos – Der Schwarm der Trilobiten (Die neunte Expansion – Band 4)

Vorbemerkung

»Der Schwarm der Trilobiten« ist der vierte Band der Shared-Universe-Reihe »Die neunte Expansion« (D9E), die vierteljährlich als Taschenbuch und E-Book im Wurdack-Verlag erscheint. Die Reihe ist hervorgegangen aus einer Diskussion im SF-Netzwerk mit dem Thema »Was müsste eine neue Romanserie drauf haben«.

Der gemeinsame Hintergrund der Romane ist die Tatsache, dass die mysteriösen Hondh in einer ihrer regelmäßigen Expansionsphasen die Erde überrannt und unter ihre Kontrolle gebracht haben. Dann haben sie ihren Eroberungszug eingestellt und die ehemaligen Kolonien der Menschheit sich selbst überlassen. Jetzt, 500 Jahre später, sind die Hondh für viele nur noch ein Mythos – aber für einige sind sie eine sehr reelle Gefahr, denn sie befürchten, dass die nächste Expansion der Hondh unmittelbar bevorsteht und über die unvorbereiteten Planeten hinwegfegen könnte wie ein Herbststurm über einen Laubhaufen. Was diese vereinzelten Mahner unternehmen, um sich gegen die Hondh zu wappnen, haben bislang Dirk van den Boom (»Eine Reise alter Helden«), Niklas Peinecke (»Das Haus der blauen Aschen«) und Matthias Falke (»Ein Kristall in fernen Himmeln«) in ihren D9E-Romanen beschrieben. Als vierte im Bunde folgt ihnen Nadine Boos jetzt mit »Der Schwarm der Trilobiten«.

(Eine Anmerkung noch: ich bin auf die ein oder andere Art lose mit dem Projekt verbunden, aber was ich hier schreibe, ist nur meine ganz persönliche Meinung.)

Worum geht es?

Trixi Darjeeling ist die Erbin eines der mächtigsten Häuser auf dem Planeten Andesit, der sich gemeinsam mit einigen anderen vor Jahrhunderten von der Erde losgesagt und jeden Kontakt abgebrochen hatte. Doch die Vorstellung, den Plänen ihrer Großmutter zu folgen, die unter anderem eine arrangierte Ehe mit dem Diplomaten Karolus, einem Spross der anderen mächtigen Familie des Planeten gehört, provoziert den Widerspruchsgeist der jungen Frau. Um der Hochzeit und einem bevorstehenden Flugverbot aufgrund einer allgemeinen Mobilmachung aufgrund von Gerüchten über eine Invasion der Hondh zu entgehen, setzt Trixi einen schon lange gehegten Fluchtplan vorzeitig in die Tat um und startet mit ihrer selbstgebauten Skolopendra in ein Nachbarsystem. Doch es läuft nicht ganz so wie geplant. Nicht nur hat ihre Großmutter dafür gesorgt, dass Trixis Verlobter ebenfalls an Bord ist, darüber hinaus kommt es auch noch zu einem ungeplanten Erstkontakt mit einer fremden Spezies.

Auf Andesit muss Trixis Großmutter Bronja gleichzeitig um den Erhalt ihrer Macht im Verhältnis zu den anderen Familien, aber auch um ihr Leben kämpfen, das in Gefahr gerät, als es zu einem Aufstand der Arbeiterklasse gegen den herrschenden Adel kommt.

Und dann ist da noch Kalmi, die als Kundschafterin der aquatischen Asmini auf der Suche nach einem Planeten ist, auf den ihr Volk vor den herannahenden Hondh fliehen kann.

Was gefällt?

Alles. »Der Schwarm der Trilobiten« ist ein hervorragendes Buch und das beste der D9E-Reihe bisher. Es gelingt der Autorin scheinbar mühelos – in Wirklichkeit vermutlich aber mit enorm viel Recherche- und Konzeptionsaufwand, würde ich vermuten – eine faszinierende Welt zu schaffen, in der nicht nur die typischen Männer- und Frauenrollen vertauscht sind, sondern die gleichzeitig auch vor einem sozialen Umbruch steht, der an den auf unserer eigenen Welt am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts erinnert. (Manchmal hatte ich das Gefühl, ich lese einen Downton-Abbey-in-Space-Roman.)

Das, was wir über die Welt erfahren, ist sehr geschickt in die Perspektive der Figuren eingearbeitet, so dass niemals der Eindruck aufkommt, dass das Worldbuilding zum Selbstzweck verkommt und jetzt noch mal dringend auf zehn Seiten etwas darüber beschrieben werden müsste, weil es halt da ist. Nein, alles was in diesem Buch steht, muss auch darin stehen, weil es die Figuren charakterisiert, die auf dieser Welt aufgewachsen sind, angefangen bei der sozialen Schichtung bis hin zu Hobbys wie Ponyzucht und Pickelhaubensammeln.

Dass die Figuren sehr gut ausgearbeitet sind, ist damit schon angedeutet, sei hier aber noch mal explizit hervorgehoben. Alle haben ihre Stärken und Schwächen, ihre sympathischen und unsympathischen Moment und vor allem ihre eigenen Ziele, die sie in Konflikt mit anderen Figuren bringen und dafür sorgen, dass sich die Figuren weiterentwickeln (müssen).

Die Handlung auf mehreren miteinander verflochtenen Ebenen ist eher ruhig, aber dennoch spannend und jederzeit nachvollziehbar und schlüssig.

Was gefällt nicht?

Ein dem Konzept der Reihe geschuldetes Problem ist, dass es leider recht lange dauern wird, bis wir Leser erfahren, wie es in diesem Handlungsstrang weitergeht. Aber zum Trost können wir ja bald wieder was von den anderen Autoren lesen und hoffentlich erfahren, wie es deren Figuren in der Zwischenzeit so ergangen ist.

Wenn ich an diesem Buch selbst noch etwas kritisieren will, dann, dass die Autorin sich ein wenig vor dem Höhepunkt drückt. Die sehr schön vorbereitete Konfrontation findet hauptsächlich im Off statt und deren Ergebnisse werden nur kursorisch im Epilog präsentiert. Dies führt leider auch dazu, dass ein dabei deutlich werdender Entwicklungssprung einer Hauptfigur nicht völlig plausibel ist, da wir die Erfahrungen, die dazu führen, nur bedingt miterleben. Das mag dem begrenzten Raum geschuldet sein, der der Geschichte zur Verfügung stand. Aber statt deswegen am Höhepunkt zu sparen, hätte eine Umbalancierung des Plots dem Buch vielleicht noch besser getan. (Im Nachhinein lässt sich so was ja bekanntlich leicht behaupten.)

Fazit

Nadine Boos hat mit »Der Schwarm der Trilobiten« meiner Meinung nach das bislang beste Buch der Reihe vorgelegt, das das Hondh-Universum um einen faszinierenden Schauplatz mit interessanten Figuren bereichert. Bestellen und lesen!

Gelesen: Jim Butcher – Death Masks (Book 5 of the Dresden Files) / Silberlinge

Worum geht es?

Harry Dresden nimmt an einer Fernsehtalkshow teil, um unauffällig von einem Informanten Informationen über seine verlorene Liebe Susan zu bekommen (die auf halben Weg zur Verwandlung in einen Vampir am Ende von Band 3 aus Chicago geflohen war). Einer der anderen Gäste entpuppt sich als mächtiger Vampir, der Harry zu einem Duell herausfordert, das – im Falle von Harrys Tod – den Krieg zwischen Vampiren und Magiern beenden würde. Ebenfalls vor Ort: ein Gesandter des Vatikan, der Harry damit beauftragt, das gestohlene Leichentuch von Turin wiederzubeschaffen. Als Harry mit seinem Auftraggeber zusammen das Fernsehstudio verlässt, werden sie von Handlangern des Gangsterbosses Marcone mit Gewehrfeuer erwartet. Schließlich ruft ihn sein Polizeikontakt Karen Murphy noch in eine Leichenhalle, in der ein Mann liegt, der an allen nur denkbaren Infektionskrankheiten gleichzeitig gestorben ist. Und auf dem Rückweg von dort, greift ein unvorstellbar mächtiger Dämon Harry in einer Gasse an.

Was gefällt?

Wie man sieht, geht es mal wieder rund im Leben von Harry Dresden. Auch diesmal wieder bekommt der Protagonist kaum eine Verschnaufpause und wird von allen Seiten vor unausweichbare Herausforderungen gestellt. Das unheimliche Tempo reißt einen als Leser mit.

Auch gibt es ein Wiedersehen mit verschiedenen interessanten Figuren aus den letzten Romanen, dazu aber auch wieder ein paar neue Bekanntschaften, die Lust auf mehr machen.

Schön ist auch, dass ein Handlungsfaden aus Band 3 hier endlich wieder aufgegriffen wird – wenn auch nicht unbedingt mit einem (mich) zufriedenstellenden Ergebnis.

Und schließlich schafft es Butcher wieder, ganz neue, in der Serie bislang ungenutzte mythologische Seiten aufzuschlagen, aus denen er sich hier bedient. Diesmal mit biblischem Hintergrund.

Was gefällt nicht?

Wie schon angedeutet, gefällt mir nicht sonderlich, wie einer der Handlungsfäden aufgelöst wird. Aber das ist persönliche Lesersicht. Plottechnisch kann das durchaus sinnvoll sein, mal sehen, was da noch nach kommt. (Obwohl ich wenig Hoffnung auf einen guten Ausgang habe, wenn ich einige Anmerkungen, über die ich im Internet bereits gestolpert bin, richtig deute. Bei einer so alten Serie ist es nicht immer leicht, alle Spoiler zu umgehen.)

Darüber hinaus ist das zwar ein rasantes Abenteuer, das schön an die vorhergehenden anschließt, aber mir fehlt da irgendwie etwas Neues, eine Weiterentwicklung. Das ist Mehr vom Gleichen, ja, und das Gleiche ist gut gemacht, aber beim fünften Mal nicht mehr so befriedigend wie die ersten Male.

Was kann man als Autor lernen?

Wie schon bei Band 3 beschrieben, sind die Dresden-Files-Romane meiner Meinung nach ein hervorragendes Beispiel dafür, dass man seinem Protagonisten immer das Schlimmste antun sollte, was man sich ausdenken kann. Wenn man eine Figur schafft, die das durchsteht, hat man fast sicher auch eine geschaffen, die es wert ist, dass man Bücher über sie schreibt.

Fazit

Ermüdungserscheinungen? Ich weiß nicht recht. Vielleicht ein wenig bei mir als Leser. Ich glaube nicht, dass man sie dem Autor anlasten kann. Bislang hatte ich nach dem Ende eines Bandes immer gleich den nächsten gekauft, um ihn auf dem Kindle griffbereit zu haben, wenn das Verlangen mich überkommt. Dieses Mal war ich lange der Meinung, dass ich es nicht tun würde. Aber nach dem rasanten Finale habe ich dann doch wieder den Kaufknopf gedrückt. (Zumal ich auch schon gehört habe, dass die Serie sich noch steigern soll. Das will ich dann ja doch nicht verpassen.)