Auf den Ohren: S wie Die Schreibdilettanten

Was wäre die Vorstellung von Podcasts in einem von einem Autor betriebenen Blog, ohne Erwähnung der Schreibdilettanten? Richtig, sträflich unvollständig.

Wer macht’s?

Zwei Berliner Autoren mit bewegter Vergangenheit, die sie unter anderem beruflich in Rollenspielläden geführt hat, Marcus Johanus und Axel Hollmann. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich sie auf Twitter kennengelernt und bin so auf ihren Podcast gestoßen. Neben Twitter und dem Podcast betreiben die beiden aber auch noch eigene Blogs, auf denen ihr mehr über sie erfahren könnt. Zum Beispiel dass Axel kürzlich zwei Romane um die Ermittlerin Julia Wagner bei Ullstein Midnight veröffentlicht hat.

Worum geht’s?

Ums Schreiben in allen Facetten, zu denen natürlich auch das Lesen gehört. Hauptsächlich geben Marcus und Axel die Tipps und Erfahrungen weiter, die sich in ihrer Schreibkarriere für sie als funktionierend erwiesen haben. Das fängt an bei der Recherche über den Entwurf und das Schreiben bis hin zu den vielen Überarbeitungen, die so ein Roman im Laufe seines Lebens so über sich ergehen lassen muss. Dabei sind die beiden bekennende Outliner und haben ihren Arbeitsfluss natürlich auch dementsprechend organisiert. Aber auch Autoren, die es weniger mit »erst denken, dann schreiben« halten, werden sicherlich eine Menge guter Tipps erhalten. (Das ist zumindest meine Erfahrung.)

Neben den konkret schreibmethodikzentrierten Episoden gibt es auch immer mal wieder andere dazwischen, zum Beispiel über Lieblingsfilme der beiden aus einem bestimmten Genre oder über einen Lieblingsschriftsteller wie Stephen King oder Sebastian Fitzek und deren Bücher. Dabei soll das kein reines Listenabarbeiten sein, sondern es steht auch immer die Frage im Fokus, was man als Autor aus anderen Filmen und Büchern konkret lernen kann.

Zusätzlich gibt es in der Mitte jeder Sendung noch einen Tipp der Woche. Das ist meist irgendetwas Mediales, also ein Film, eine Serie, ein Buch, ein Comic, eine Webseite oder was auch immer, was einem der beiden gerade besonders gut gefällt.

Wann kommt’s?

Wöchentlich am Freitag. Üblicherweise dauern die Sendungen so 20 bis 25 Minuten, in Ausnahmefällen aber auch mal deutlich länger. Insgesamt haben die beiden schon über 130 Sendungen auf dem Buckel, die seit einiger Zeit auch als Vlog auf youtube zu sehen sind.

Was gefällt?

Wer sich schon ein wenig mit dem Schreiben beschäftigt hat, darf hier keine grundlegend neuen Erkenntnisse erwarten. Aber es ist erstens schön, bekannte Themen wie Stufendiagramm, Prämisse oder Erzählperspektive noch mal in einem anderen Medium als dem üblichen Schreibratgeber oder dem herkömmlichen Blogartikel serviert zu bekommen. Und zweitens (und vermutlich noch entscheidender) wird deutlich, dass Axel und Marcus hier nicht rein theoretisch über ein Thema plaudern, sondern schon ihre eigenen Erfahrung damit gemacht haben, an denen sie die Hörer teilnehmen lassen. Das ist auf jeden Fall ein eindeutiger Mehrwert gegenüber der manchmal doch recht abstrakten Darlegung in Büchern.

Was nicht so?

Eine Zeitlang war die Audioqualität recht wechselhaft, aber das ist jetzt schon seit längerem erfreulich konstant im Griff. Und dann gab es da noch diese gewisse Phase, in der der Versuch lief, den sympathischen Wasserglasanschlagton, der den Tipp der Woche einleitet, durch einen High-Tech-Audio-Effekt zu ersetzen. Breiten wir den metaphorischen Mantel des Schreibens darüber.

Und manchmal stellt sich bei mir tatsächlich ein wenig das Gefühl ein, dass da nur noch selten etwas Neues kommt. Das ist aber nach über 130 Episoden über ein doch recht klar umrissenes Thema verständlich, und wird, wie ich versucht habe darzustellen, durch die persönliche Reflexion auf jeden Fall wett gemacht. Auf der anderen Seite ist der Podcast dadurch aber auch gut geeignet für Neueinsteiger, ohne dass die sich erst durch die gesamte Backlist hören müssten.

Highlight-Episoden

Die Highlights sind für mich auf jeden Fall die Episoden, in denen Marcus und Axel vor laufenden Mikrofonen Romane brainstormen und plotten, sei es ein Western, eine Romanze oder eine Horror-Geschichte. Es macht Spaß, den kreativen Prozess so hautnah mitzuerleben, und so manches Mal möchte ich dann »Ach, wieso macht ihr das nicht so und so!« in mein Telefon brüllen.

Auf jeden Fall zeigen diese Beispiele deutlich, dass auch die vermeintlich einsame Tätigkeit eines Autors gewinnen kann, wenn man zumindest bestimmte Teile davon auch in der (Klein-)Gruppe durchführt.

Woher krieg ich’s?

Unter www.dieschreibdilettanten.de gibt es den Podcast und weitere Informationen und auf Youtube gibt es das Vlog. Und auch die Schreibedilettanten haben einen gemeinsamen Twitteraccount.

Ein Gruß an die Macher

Viel Spaß und Erfolg beim Schreiben und vergesst uns nicht, wenn ihr die Bestsellerlisten erklimmt!

Und jetzt: surfet hin und ladet euch einen Podcast!

Auf den Ohren: M wie Methodisch inkorrekt

Im zweiten Beitrag zu »Auf den Ohren« möchte ich heute meinen derzeitigen Lieblingspodcast vorstellen: »Methodisch inkorrekt«. Diesen Podcast habe ich durch eine Sendung in einem anderen Podcast, nämlich »Omega Tau – Wissenschaft und Technik im Kopfhörer« entdeckt, in dem die beiden Macher dieses Podcasts interviewt wurden.

Wer macht’s?

Zwei Physiker von der Universität Duisburg-Essen, die im Bereich der Kohlenstoffschichten forschen (darum ging es übrigens in besagter Omega-Tau-Sendung), Nicolas Wöhrl und Reinhard Remfort. Neben Lehre, Forschung und Podcasten betreiben die beiden auch noch Nachwuchswerbung durch die Veranstaltung von Vorlesungen für Kinder, bei denen wohl auch schon mal ein Hörsaaldach in Mitleidenschaft gezogen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Kind nach so einer Veranstaltung nicht Physiker werden will.

Worum geht’s?

Um Wissenschaft, aber nicht nur, oder sogar vor allem nicht um Phyisk. Jeder der beiden nimmt sich in jeder Sendung zwei wissenschaftliche Paper vor, die in letzter Zeit veröffentlicht wurde, und stellt sie dem anderen vor. Dann reden die beiden darüber und versuchen mit ihren wissenschaftlichen Sachverstand die Hintergründe sich selbst und den Zuhörern zu vermitteln. Die Vielfalt der Themen ist dabei querbeet gemischt und ist abhängig davon, was den beiden so an interessanten Papern über den Weg gelaufen ist und führt zu Titeln wie: »Jamba gegen Schmerzen«, »Du isst, was du bisst« oder »Like a Rolling Stone«, hinter denen sich im Endeffekt Beiträge aus den Bereichen »Verhaltenstherapie«, »Mikrobiologie« oder »Geologie« verbergen. Wie man diesen Titeln schon entnehmen kann, geht es dabei nicht bierernst zu, sondern immer unterhaltsam. Die einzelnen Podcast-Folgen heißen dann zum Beispiel »Darmzombies« oder »Spülzimmer«.

Bei den Themen sind natürlich auch immer wieder welche dabei, die für Autoren, deren Bücher ein Maß an moderner Wissenschaft vertragen (sei es also beispielsweise Science-Fiction oder Thriller) sehr inspiriertend sein können.

Neben diesem Rückgrat der Sendungen gibt es noch regelmäßig ein (alltags-)physikalisches Experiment, ein China-Gadget, merkwürdige Musik, wie zum Beispiel das Bonnie-Tyler-Cover »I integrate by parts« und jede Menge Bier. Und natürlich werden auch noch Zuschauerfragen beantwortet.

Wann kommt’s?

Alle vierzehn Tage mehr oder weniger Dienstags. Die Länge der drei oder vier der insgesamt 35 Sendungen, die ich bisher gehört habe, lag jeweils bei deutlich über zwei kurzweiligen Stunden.

Was gefällt?

Auch hier nichts zu meckern. Lehrreich, unterhaltsam, authentisch, mit haufenweise nerdigen Anspielungen und jeder Menge Humor. Auch technisch ist die Sendung makellos.

Was nicht so?

Da fällt mir jetzt tatsächlich nichts zu ein.

Highlight-Episoden

Von den Episoden, die ich bislang gehört habe, kann ich keine besonders hervorheben. Ich fand alle hervorragend. Überzeugt hatte mich der Podcast beim Probehören der ersten Sendung übrigens mit dem Satz: »Ja, geiler Film! Den habe ich neulich mit meiner Tätowiererin und ihrem Freund zusammen gesehen.« Das ist nicht unbedingt das, was man typischerweise in einem Wissenschafts-Podcast erwartet, aber zeigt schön, worauf ihr euch beim Hören einlasst.

Woher krieg ich’s?

http://www.methodisch-inkorrekt.de, natürlich mit ausführlichen Shownotes, Kapitelsprungmarken im Podcastplayer und Links auf die behandelten Paper. Und natürlich hat MInkorrekt, wie der Podcast in Kurzform heißt, auch einen Twitteraccount.

Ein Gruß an die Macher

Vielen Dank für die unterhaltsamste Form der Wissensvermittlung, die mir seit langem untergekommen ist. Ich höre euch mit großem Vergnügen.

Und jetzt: surfet hin und ladet euch einen Podcast!

Auf den Ohren: A wie Ausgespielt – Der (nicht nur) Rollenspiel-Podcast

»Auf den Ohren« ist eine neue Rubrik in meinem Blog, in der ich euch die Podcasts vorstellen möchte, die ich so in der Zeit zwischen Abschließen des Fahrrads und Ankunft des Zuges zu mir nehme. Und den Anfang macht einer der Podcasts, die ich schon am längsten höre, nämlich »Ausgespielt – Der (nicht nur) Rollenspiel-Podcast«

Wer macht’s?

Sandra, Jens, Ron und Roland. Vier sympathische Stimmen aus dem Hamburger Umland mit den üblichen Interessen: Rollen-, Brett- und Computerspiele, Filme, Bücher, Comics und Serien vornehmlich aus den phantastischen Genres, dazu noch ein bisschen Wissenschaft und Technik und was sonst noch so los ist. Vulgo: Nerds wie du und ich. Wer mehr wissen will, sollte sich mal die Twitterprofile der vier ansehen – wenn er sich traut. Oder gesammelt unter @ausgespieltteam

Worum geht’s?

Eigentlich um das übliche: Rollen-, Brett- und Computerspiele, Filme, Bücher, Comics und Serien vornehmlich aus den phantastischen Genres, dazu noch ein bisschen Wissenschaft und Technik und was sonst noch so los ist.

Das Grundgerüst des Sendungsrasters bilden die (seit der Umstellung auf vierzehntägige Erscheinungsweise vor einiger Zeit) etwa sechswöchentlich erscheinenden Nachrichtensendungen, in der aktuelle Meldungen aus den relevanten Bereichen vorgestellt und besprochen werden, etwa zu Rollenspielneuerscheinungen, neu anlaufenden oder abgesetzten Serien oder kuriosen (populär-)wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dazu gesellt sich die Rubirk »angeliebt«, in der die vier vorstellen, was sie in letzter Zeit so gesehen, gespielt oder gelesen haben und wie es ihnen gefallen hat. Da sollte man allerdings lieber nicht zu genau hinhören, wenn die eigenen Stapel unabgearbeiteter Medien sowieso schon eine gewisse Größe haben.

Zwischen den Nachrichtensendungen erscheinen dann entweder Einzelsendungen zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel üblicherweise zur Spielemesse in Essen, oder zu speziellen Franchises wie Star Wars oder Star Trek oder auch mal eine Diskussionsrunde über Transhumanismus oder das Römische Reich. Oder es werden Sendungen veröffentlicht, die einer eigenen Unterreihe angehören. Das war lange Zeit die Reihe zu den »Spielen des Jahres«, in der Sandra und Jens ein familieninternes Brettspielduell ausgefochten haben.

Als Quasi-Nachfolger steht im Moment die Reihe »Zwei Helden, viele Welten« auf dem Programm, in der die beiden die Charaktererschaffung (und ein wenig darüber hinaus) vieler verschiedener Rollenspiele vorstellen (wollen). Außerdem gibt es auch noch eine Reihe zu »Doctor Who«, bei der in jeder Folge eine der Inkarnationen des Zeitlords betrachtet wird. Sehr informativ.

Wann kommt’s?

Alle vierzehn Tage Freitag. Je nach Reihe sind die Sendungen mal länger, mal kürzer, aber gefühlt würde ich eine Sendezeit etwa um eine Stunde als das Übliche annehmen.

Was gefällt?

Jede Menge. Angefangen natürlich bei den Themen über die Stimmung der Sendung bis hin zur Tonqualität. Da gibt es nicht viel zu meckern.

Was nicht so?

Abgesehen davon, dass ein ganzer Sendeplatz für eine Babylon-5-Episode verbraucht wurde – die ich aber einfach konsequent ignoriere – ist das einzige kleine Manko vielleicht, dass die vier manchmal zu sehr versuchen, sich zu strukturieren und zu disziplinieren. Dabei ist es fast wie beim Rollenspiel: das was neben der eigentlichen Handlung passiert ist das, was am meisten Spaß macht und am besten im Gedächtnis bleibt.

Highlight-Episoden

Gar nicht so einfach zu sagen, da das Unterhaltungs- und Informationsniveau durchgehend hoch ist. Aber am besten im Gedächtnis geblieben sind mir die Episoden, in denen Rollenspiel gespielt (oder vorbereitet) wurde, sei es Fiasco mit Meerjungfrauen, Westeros ohne Navigationsgerät oder Dresden Files in Hamburg. (Und nicht zu vergessen, das in meinen Ohren äußerst interessante Microscope.)

Woher krieg ich’s?

www.ausgespielt-podcast.de. Dort finden sich alle weitere Informationen zu den über hundertfünfzig Episoden, die sich in den letzten sechseinhalb Jahren angesammelt haben.

Ein Gruß an die Macher

Flaggenbotschaft

Und jetzt surfet hin und ladet euch einen Podcast!