Star Trek Discovery – Was ich entdeckte (Teil 2)

Achtung, dieser Artikel kann Spoiler zur ersten Staffel von „Star Trek – Discovery“ bis einschließlich Episode 12 („Vaulting Ambition“ / „Blindes Verlangen“)

Im ersten Teil dieses Artikels bin ich ein wenig auf das Setting eingegangen, in dem Discovery spielt. Das vorläufige Fazit könnte als „wenig startrekig“ zusammengefasst werden. Inzwischen sind drei weitere Folgen durch die Leitung geströmt und haben zumindest die Spekulationen hinsichtlich des Spiegel-Universums imposant bestätigt. Zur Verdeutlichung des eigentlichen Settings trägt der Aufenthalt im Spiegel-Universum natürlich nur wenig bei. Umso mehr jedoch zur Charakterisierung der Figuren, die heute sowieso Gegenstand des Artikels sein sollten. Also, schauen wir mal auf die Crew:

  • Saru: Ich mag Saru, auch wenn ich finde, dass man noch recht wenig von ihm und seiner Spezies weiß. Interessant finde ich auf jeden Fall den Aspekt, dass sich eine intelligente Spezies mal aus Beutetieren anstatt aus Jägern entwickelt hat. Das eröffnet neue Erzählperspektiven. Bleibt zu hoffen, dass Sarus threat ganglia nicht immer nur anschlagen, wenn es der Plot gerade benötigt, sondern dass diese Facette – sowie natürlich Sarus Persönlichkeit insgesamt – konsistent und sinnvoll eingebunden wird. (Troi, ick hör dir trapsen.)
  • Stamets: Auf den ersten Blick der verrückte – oder zumindest bessessene – Wissenschaftler. Aber auch dieser bekommt durch die unaufdringlich eingestreute Partnerschaft mit Culber eine zusätzliche Facette, die eine umfassendere Figur aus ihm macht. Ich frage mich allerdings, welche Rolle Stamets übernehmen wird, wenn der Sporenantrieb erst einmal aus dem Setting gestrichen ist, da er anscheinend ja schon sehr auf diese Technologie fokussiert ist.
  • Tilly: So weit ich mitbekommen habe, gibt es einige Kontroversen um diese Figur. Viele finden sie wohl nervig. Ich finde sie erfrischend. Die (manchmal naive) Neugier und Freude, die sie auszeichnen, sind noch am ehesten das, was die typischen Werte der Sternenflotte (und auch diejenigen von Star Trek) in dieser Serie vertritt. Für sie ist es keine Frage, dass es notwendig ist, einen Weg zu finden, um Stamets zu helfen. Für sie ist es keine Frage, dass Burnham die Chance verdient hat, auch außerhalb des Dienstes als Mensch behandelt zu werden. Gerade, weil Tilly am Anfang auch ihre Vorurteile gegenüber Burnham hatte, macht sie die Tatsache, dass sie diese überwunden und eine Freundschaft mit Burnham begonnen hat, doch zum Inbegriff von Star Trek.
  • Tyler: Inzwischen ist ja bestätigt, was die Tribbles von den Schreibtischen gekreischt haben: Tyler ist Voq. Das gefälschte IMDb-Profil hat also nicht geholfen, davon abzulenken, hat aber immerhin für einen amüsanten Twitter-Account gesorgt. Ein bisschen ist ja schon auf die Umwandlung eingegangen worden. Und natürlich hat sie mit Arne Darvin in der TOS-Episode „The Trouble With Tribbles“ / „Kennen Sie Tribbles?“ ein Vorbild im Universum. Trotzdem finde ich es schon extrem weit hergeholt, dass solche eine Umwandlung den medizinischen Scannern entgehen kann. Und selbst die Tiefenuntersuchung von Culber hat nur einen Verdacht, aber keine Gewissheit ergeben. Ich hoffe, dass da noch eine plausiblere Erklärung nachgelegt wird.
    Interessant finde ich aber auch die Frage, ob Lorca eventuell sogar einen Verdacht hatte, dass Tyler nicht ganz sauber ist, es ihm aber egal war, da er eventuell einen Vorteil darin erkannte, der ihm helfen könnte, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Oder ob Lorca aufgrund seiner Herkunft eine nicht-menschliche Spezies einfach unterschätzte und ihr so einen Schachzug weder technologisch noch intellektuell zutraute?
  • Lorca: Auch hier gab es ja von Anfang an Gerüchte, dass er aus dem Spiegeluniversum stammen könnte. Im Gegensatz zu Tyler wurden die bei Lorca aber offener gehalten, finde ich. Es war keineswegs so deutlich, dass er wirklich aus dem Imperium stammt. Er hätte auch einfach nur ein rücksichtsloses Arschloch sein können. Wobei das natürlich die Frage aufgeworfen hätte, wie so eine Person in der Sternenflotte, die wir kennen, ein so einflussreiches Kommando hätte erhalten können.
    Viele seiner Handlungen ergeben natürlich vor dem Spiegeluniversumshintergrund jetzt viel mehr Sinn. Dennoch bleibt es für mich spannend, wie es einem Gast aus dem Universum in der Sternenflotte gelungen ist, so viele Leute hinter das Licht zu führen. Vielleicht erfahren wir dazu ja noch ein wenig mehr. Tendenziell scheint es mir im Spiegeluniversum, in dem sowieso viel mit Einschüchterung und Manipulation gearbeitet wird, leichter zu sein, die eigene Machtposition zu nutzen, um Schwächen in der Darstellung zu übertünchen als in unserem, in dem selbständiges Denken und kritisches Hinterfragen eher Anforderungen an einen Sternenflottenoffizier sind.
    Aber vielleicht war Lorca bei seiner Ankunft hier ja auch tatsächlich aufgeflogen und die Zerstörung der Buran war nicht Auslöser sondern Folge seines Wechsels in unser Universum? Dass er skrupellos genug ist, um die Besatzung eines ganzen Schiffes für seine eigenen Interessen zu opfern, hat Lorca zweifellos bewiesen. Und was ist eigentlich aus dem echten Lorca geworden? Hat er den Untergang der Buran nicht überlebt? Eine spannende Figur, wenn auch sicherlich kein Sympathieträger.
  • Burnham: Mit der Sympathie hat es Burnham, die Hauptfigur der Serie, leider auch nicht so ganz. Und hier ist das schon problematischer. Natürlich verstehe ich die Absicht der Autoren, mit Burnham eine Figur einzuführen, die man auf ihrer Reise zur Menschlichkeit begleitet, welche ihr aufgrund ihrer vulkanischen Erziehung mangelt. Nur schaut man sich die Pilotfolge an, so war Burnham schon ein ganzes Stück weiter gekommen. Der Verlust der Shenzhou und insbesondere ihrer Mentorin Georgiou haben ihr da mächtig zugesetzt und sie ein ganzes Stück zurückgeworfen. Nur leider wirkt sie dadurch so distanziert, dass es mir als Zuschauer schwer fällt, Interesse und Mitgefühl für sie aufzubringen. Erst in den letzten Folgen ist sie wieder zu einer aktiveren Figur geworden, die ein eigenes Interesse daran hat, die Geschichte voranzubringen. Ich hätte mir hier von der Serie eine leichter zugängliche Identifikationsfigur gewünscht. Immerhin reden wir hier noch über eine Mainstream-Science-Fiction-Serie und nicht über ein Independent-Psychogramm. Aber ich habe zutrauen, dass sich das verbessert, wenn das Spiegeluniversum und der klingonische Krieg erst einmal hinter uns liegen.
    Und vielleicht noch ein paar Worte zu dieser ganzen Meutereigeschichte: Ja, technisch gesehen war es eine Meuterei. Und dass Burnham gleich zum Nervengriff gegen Georgiou griff, war sicherlich übertrieben und passte meiner Meinung nach nicht zu der Figur, wie sie bis dahin eingeführt worden war. Aber in keiner der vergangenen Serien hätte ein erster Offizier, der so etwas getan hat, so eine Strafe kassiert. (Auch wenn das unter dem Aspekt des Realismus durchaus angemessen gewesen wäre.) Und dass darüber hinaus Burnham sich selbst die Schuld an dem Krieg gibt – so wie es auch alle anderen tun – kann ich nicht nachvollziehen. Aber das ist vielleicht ein Thema für einen anderen Artikel.

Soweit zu den neuen Figuren. Bevor ich mich jetzt in Episode 13 versenke, möchte ich noch kurz eine Spekulation hinterlassen, wie es mit Discovery weiter gehen könnte. Ich denke (derzeit zumindest), dass die Discovery beim Verlassen des Spiegeluniversums – auf welchem Weg auch immer – einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen wird. Ähnlich ist es ja schon der Discovery ergangen, als sie den interphasischen Raum durchquerte. Und zwar einen Zeitsprung in die Zeit vor dem klingonischen Krieg. Und dann kann Burnham all das verhindern, was passiert ist: der Konflikt mit den Klingonen, die Zerstörung der Shenzhou und der Buran, das Finden des Tardigrade, was gleichzeitig den Sporenantrieb hinfällig macht und so weiter und so fort. Vielleicht entkommt auch nur Burnham dem Spiegeluniversum und benutzt dann Mudds Zeitschleifenkristall, um die Situation zu ihrem Vorteil bzw. natürlich dem der Föderation zu formen. Und dann stehen wir plötzlich in der Situation, die uns der Prolog der Serie, die beiden Pilotepisoden, schon angekündigt hat: Burnham bekommt ihr eigenes Kommando, die Discovery (mit konventionellem Antrieb) und kann sich schön trekkig der Erforschung des Universums widmen. Ich würde mich freuen.

Freuen würde ich mich auch, wenn wir uns demnächst zum dritten Teil dieses Artikels wiedersehen, in dem es dann vermutlich um ein Gesamtfazit der ersten Staffel gehen wird.

Ein Gedanke zu „Star Trek Discovery – Was ich entdeckte (Teil 2)

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