Wenn die Figuren nicht zum Plot passen – Lehren aus dem Finale von »How I Met Your Mother«

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, das umstrittene How-I-Met-Your-Mother-Finale zu schauen, und um es gleich vorweg zu nehmen, ich gehöre zu den Enttäuschten. Mit der Zeit steigerte sich die Enttäuschung gar zu richtigem Ärger. Das nahm ich zum Anlass, mal einen Schritt zurückzutreten und zu überlegen, was mich denn so sehr stört. Ich habe dabei drei Aspekte erkannt, die ich für Fehler der Produzenten halte und aus denen ich hoffentlich etwas für mein eigenes Schreiben lernen kann.

1) Respektiere die Genrekonventionen

Das vielleicht schwächste Vergehen, das – wie die anderen auch – natürlich im Auge des Betrachters liegt. Was mich hier stört, mag anderen gefallen haben. Aber ich möchte am Ende von neun Jahren, die ich mit einer Reihe von Figuren verbracht habe, nicht eine Stunde lang zusehen, wie der Zusammenhalt der Gruppe auseinanderbricht, nicht in einer Sitcom. Ich will ein Ende, bei dem alle zusammen die Wohnung verlassen und für Joey das Zimmer über der Garage eingerichtet haben. Ich will, dass die Illusion der heilen Welt zumindest in meiner Phantasie weiterbestehen kann. Wenn ich eine Gruppe von Freunden auseinanderbrechen sehen will, gucke ich mir The Shield an.

Natürlich hat How I Met Your Mother viele Konventionen gebrochen und war damit oft erfolgreich, alleine schon bei der für Sitcoms untypischen verschachtelten Erzählstruktur, die sonst wegen der Aufnahme vor Studiopublikum nicht zu erreichen ist. Aber hier, finde ich, war es keine gute Idee.

2) Erfülle geweckte Erwartungen

Hier hat das Finale gleich doppelt versagt und zwei Erwartungen enttäuscht: zum einen die über die ganze Serie, insbesondere aber in der letzten Staffel aufgebaute Spannung darauf, dass Ted und die Mutter sich endlich treffen und dies die Erfüllung aller romantischen Träume Teds werden würde. Alles war darauf ausgelegt, und als es dann endlich so weit ist, wird die Mutter zur Nebenfigur und muss sogar bei ihrer eigenen Hochzeit die Fotos machen. Vielleicht waren die Produzenten der Meinung, hier so große Erwartungen geweckt zu haben, dass sie ihnen nicht gerecht werden könnten und haben sich deshalb dazu entschieden, anstatt es zu versuchen lieber eine 180-Grad-Wendung einzubauen. (Dabei war das, was von der Mutter und Ted zu sehen war, absolut hinreißend in meinen Augen.) Doch nochmals: nach neun Jahren Investition will ich auch die Rendite haben. Ein Film oder Buch können mit einem gekonnten Twist am Ende alles auf den Kopf stellen, aber das führt nur dazu, dass ich die letzten zwei Stunden oder zwei Wochen noch mal in neuem Licht reflektieren muss. Doch nach neun Staffeln einer Fernsehserie gesagt zu bekommen »Hey, es ging gar nicht um das, wovon wir 200 Folgen lang behauptet haben, dass es darum ginge«, das grenzt doch an Verarschung. (Wobei den Produzenten zu Gute zu halten ist, dass sie dieses Faktum ironisch brechen, indem sie die Kinder genau darauf hinweisen lassen, dass es in der Serie ja gar nicht um die Mutter ging.)

Und dann gibt es noch das zweite Versprechen, dass die ganze neunte Staffel über gemacht wurde, und das gebrochen wurde: das Happy-End für Robin und Barney. Besonders unplausibel fand ich dabei, wie Barney mit einer ungesehenen Frau und einem ungeplanten Kind abgespeist wurde. Das fühlte sich wie ein Trostpreis an, der gewährt wurde, da der Plot verlangte, dass Robin für Ted frei ist. Und damit wäre ich auch schon beim letzten und wichtigsten Punkt.

3) Sorge dafür, dass Plot und Figuren zusammenpassen

Wenn man sich den Plot der gesamten Serie anschaut, dann ist der durchaus geschickt konstruiert, Anfang und Ende bilden lehrbuchartig eine Klammer um die gesamte Serie und es gibt durchaus Zeitpunkte, an denen das Ende für die Serie gut funktioniert hätte, nämlich zu einem Zeitpunkt als das Verhältnis von Ted und Robin (noch) im Vordergrund gestanden hat. Aber in den acht, neun Jahren, die vergangen sind, seitdem sich die Produzenten das Ende ausgedacht hatten – und dass es schon so lange geplant war, zeigt ja die Szene mit den Kindern, die offensichtlich schon am Anfang der Serie gedreht wurde (vermutlich mit weiteren alternativen Enden) – ist etwas passiert, das am Ende ignoriert wurde: die Figuren haben sich weiterentwickelt. Ted war schon lange nicht mehr die Hauptfigur und das Verhältnis von Ted und Robin schon lange nicht mehr das Hauptthema. Und deswegen passte das Ende nicht mehr zu den Figuren. Durch das punktuelle Durchwandern der nächsten Jahre der Charakterentwicklung wurde anscheinend noch versucht, die Figuren wieder so zu positionieren, dass das Ende doch noch passen würde. Aber das wirkte bemüht und unglaubwürdig. Zehn Jahre in dreißig Minuten Schnelldurchlauf können einfach nicht die gleiche Verbundenheit zu einer Figurenkonstellation herstellen wie die neun Jahre zuvor, denen man mehr oder weniger in Echtzeit folgen konnte, in denen uns tatsächlich gezeigt wurde, was passierte und welche Konsequenzen es hatte. Demgegenüber wirkte das Ende wie ein rein erzählender Epilog, der nicht die gleiche emotionale Resonanz erzeugen konnte.

Es mag ein mutiger Versuch gewesen sein, How I Met Your Mother ein Ende zu verpassen, dass den Erwartungen zuwiderlauft. Aber in meinen Augen ist er grandios gescheitert und lässt damit die gesamte Serie mit einem bitteren Beigeschmack zurück. Ich hoffe auf das alternative Ende, das gerüchteweise für die DVD-Veröffentlichung geplant ist.

2 Gedanken zu „Wenn die Figuren nicht zum Plot passen – Lehren aus dem Finale von »How I Met Your Mother«

    • Das war garantiert kein Fehler. Mehrere Staffeln lang kannst du dich hervorragend amüsieren und einige Staffeln lang noch anständig. Nur ich persönlich konnte halt mit dem Ende vom Ende nichts anfangen.

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