Zum Stand der Schreibdinge XVI

Lange habe ich nicht mehr über den Stand der Schreibdinge berichtet, denn lange habe ich nicht geschrieben. Aber aus gutem Grund, denn ich habe überarbeitet. Allerdings nicht einen eigenen Text, sondern einen fremden Roman, für den ich das Lektorat übernommen habe.

Es mag für einen Autor merkwürdig klingen, an einem fremden Text zu arbeiten, anstatt einen eigenen zu verfassen, aber ich halte es für eine großartige Erfahrung und Lernmöglichkeit. Das wirklich Schöne ist, dass ich mir all die notwendigen Fragen stellen kann, ohne dass meine Antwort durch meine persönliche Beziehung zu dem Geschriebenen gefärbt wird: Ist diese Szene wirklich notwendig? Welche Bedeutung hat sie für dieses Buch? Würde sich diese Figur wirklich so verhalten? Weiß ich als Leser genug über die Hintergründe? Wie könnte diese Situation noch mit einem zusätzlichen Konflikt angeheizt werden? Welche Steine könnten dem Protagonisten hier noch in den Weg geworfen werden?

(Noch besser ist vielleicht, dass ich diese Fragen nicht beantworten muss, sondern der Autor des Romans. 🙂 )

Wenn es mir gelingt, diese Erfahrungen einigermaßen neutral auch auf meine eigenen Texte anzuwenden, dann dürfte das sehr wertvoll sein und ihre Qualität steigern.

Der andere große Gewinn für mich ist die Schaffung einer Gewohnheit. Da im Falle des Lektorats jemand anders von meiner Arbeit abhängig ist, nämlich Autor und Verlag, war der Druck viel größer, konsequent daran zu arbeiten. Und das hat dazu geführt, dass ich in den drei Wochen, die ich an dem ersten Lektoratsdurchlauf gearbeitet habe, eine (arbeits-)tägliche Gewohnheit entwickelt habe: in den Zug steigen, hinsetzen, Laptop aufklappen, Textarbeit.

Und diese Gewohnheit hoffe ich für mich selbst mitnehmen zu können. Bislang klappt es jedenfalls und ich bin beim Zugfahren ganz automatisch aufs Schreiben eingestellt, ohne dass ich überhaupt darüber nachdenken muss. Auch dieser und die letzten Blogeinträge entstanden auf der Fahrt.

Mal sehen, welchen Text ich als nächstes schreibe, während das Dampfross mich durch die Prärie zieht. Ah, ne, falsches Genre. Oder?

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