Gedanken zum Abschied

Gestern Abend, beim Zwischenstopp im Internet auf dem Weg ins Bett, las ich die Nachricht, dass Andreas Kuschke alias Jaktusch, mit dem ich die letzten drei Jahre im Moderationsteam des SF-Netzwerks zusammengearbeitet hatte, vor wenigen Tagen gestorben ist.

Ich habe Andreas nie kennengelernt. Ich wusste nicht, wie er aussah. Ich wusste nicht, wie sein Lachen klang. Ich wusste nicht, wie fest sein Handschlag war.

Unser Versuch, uns persönlich zu treffen, scheiterte zunächst daran, dass ich meine Angst vor unbekannten sozialen Situationen nicht zu überwinden vermochte, dann daran, dass er von persönlichen Angelegenheiten eingespannt war und schließlich verloren wir das Vorhaben ein wenig aus den Augen. Es gab viel anderes zu tun und es eilte ja nicht.

Aber ich kannte Andreas. Ich kannte sein nordisches Naturell und seinen leisen Humor, seine Zuverlässigkeit und sein Verantwortungsbewusstsein. Wenn ihm eine Sache am Herzen lag, dann übernahm er auch die Aufgaben, die ihm vielleicht weniger zusagten und war bereit, sich neue Welten zu erschließen.

Ich weiß, dass er das Meer mochte, dem HSV die Daumen drückte, Bob Dylan hörte und Perry Rhodan über alle Höhen und Tiefen hinweg die Treue hielt.

Viel wichtiger aber: ich weiß, dass er an das Gute im Menschen glaubte, dass er jedem die Freiheiten zubilligte, die derjenige benötigte und dass jeder von ihm die notwendigen Chancen erhielt, aus seinen Fehlern zu lernen.

Wann immer wir hinter den Moderationskulissen über Vorkommnisse im Forum diskutierten, dann lagen er und ich ganz natürlich auf einer Wellenlänge. Ein fast unheimliches Verständnis herrschte zwischen uns, bei dem wir blind davon ausgehen konnten, dass wir die Meinung teilen würden.

Nur ein einziges Mal herrschte ein wenig Missstimmung zwischen uns, die meinem Starrsinn zu verdanken war, aber für die Andreas die Schuld bei sich suchte. Ein Konflikt in drei Jahren. Was kann der schon für eine Bedeutung haben?

Eine unermessliche, weil jetzt niemals die Gelegenheit bestehen wird, ihn aufzulösen, obwohl das mit wenigen Worten hätte geschehen können. Es gab viel anderes zu tun und es eilte ja nicht.

»Man erwirbt keine Freunde, man erkennt sie«, stand als Signatur unter jedem von Andreas‘ Forenbeiträgen.

Ich fühlte mich bei Andreas stets erkannt. Er fehlt mir schon jetzt.

3 Gedanken zu „Gedanken zum Abschied

  1. Eine traurige Nachricht. Und du hast die besten Worte gefunden.
    Erst jetzt und nur hier hab ich davon erfahren. Es tut mir leid.
    Und wie meist ist einer, den wir mochten, viel zu früh gegangen.

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