Gelesen: Harry Harrison – Die Geburt einer Stahlratte

Vor etwa 20 bis 25 Jahren habe ich dieses Buch gelesen und hatte es in guter Erinnerung, so dass das Wiederlesen (und eventuelle Vervollständigen der Serie) schon immer auf meiner gedanklichen Leseliste stand. Nun bot es sich sozusagen zu Recherchezwecken an und ich habe den Band endlich aus dem Regal gezogen. (Ja, tatsächlich als echtes Buch. War schon ein merkwürdiges Gefühl in der Bahn. Ich fühlte mich ein wenig wie ein Neanderthaler 😉 ).

Worum geht es?

Jim di Griz marschiert an seinem siebzehnten Geburtstag mit einer Pistolenattrappe in eine Bank und gibt sich alle Mühe, bei diesem Überfall erwischt zu werden – was gar nicht so einfach ist, da in der galaktischen Liga, der seinHeimatplanet Bißchen-Himmel angehört, das Verbrechen so gut wie ausgerottet und Bankangestellte sowie Polizei dementsprechend unvorbereitet sind.

Doch Jim hat sich fest vorgenommen, ein Superverbrecher zu werden, da er der Meinung ist, dass er einzig in diesem Metier alle seine Fähigkeiten zu seinen Gunsten ausspielen kann.

Daher hat er diesen Plan gefasst, um im Gefängnis mit echten Verbrechern in Kontakt zu kommen. Doch leider hatte er nicht berücksichtigt, dass die wirklich guten Verbrecher nicht diejenigen sind, die im Gefängnis sitzen. Aber immerhin bringt ihn einer der einsitzenden Schlagetots auf die Spur des Meisterdiebs »Der Läufer«.

Jim bricht aus und zieht einen Coup in einem großen Vergnügungspark durch, bei dem er die Visitenkarte des Läufers zurücklässt, in der Hoffnung, dass dieser mit ihm Kontakt aufnimmt. Und sein Wunsch geht in Erfüllung.

Was gefällt?

Die Idee eines galaktischen Gauners gefällt mir. Und ansonsten? Das Buch ist angenehm zu lesen und (für heutige Verhältnisse) mit rund 280 Seiten nicht zu dick.

Was gefällt nicht?

Wo soll ich anfangen?

  • Jim ist ein Superheld, dem alles gelingt, was er anpackt. Er ist nicht nur intellektuell allen Mitmenschen überlegen, sondern hat auch in kürzester Zeit Judo gelernt, womit er jeden Gegner entwaffnen kann. Kein Schloss oder anderes mechanisches Gerät ist vor seiner Fingerfertigkeit sicher. Und ein Meister der Verkleidung ist er auch noch, so dass er sogar seine Mutter täuschen kann. Er leistet sich keine einzige Schwäche, und das ist langweilig.
  • Das Technologielevel der Welt wirkt unrealistisch. Zum Beispiel haben fast sämtliche Türen mechanische Schlösser, die Jim mit seinem Dietrich, den er im Schuh versteckt hat, öffnen kann. Dieser Schuh wird ihm übrigens nicht einmal im Gefängnis weggenommen, so dass Jim dort einfach hinausspazieren kann. Selbst in den 80ern hätte da etwas mehr Weitsicht von Seiten des Autors stattfinden können. (Es mag höchstens noch der Tatsache geschuldet sein, dass dieser Band ein Prequel zu einer Serie ist, die bereits in den 60ern gestartet ist.)
  • Der Humor ist schlecht gealtert. Eine Fast-Food-Kette namens McSchweins ist heutzutage irgendwie nicht mehr richtig lustig. Stellenweise liest sich das wie eine 80er-Jahre-Komödie (einschließlich des zugehörigen Machismo).
  • Die Handlung hat keine klare Linie. Am Anfang hat Jim ein klares Ziel und verfolgt es. Schön und gut. Aber ab ungefähr der Hälfte wird er nur noch von einem zufälligen Ereignis in das nächste gerissen und schlägt sich so durch. Zu keinem Moment aber nimmt er das Steuer in die Hand, so dass eine Entwicklung bei der Figur zu erkennen wäre.

Was kann man als Autor lernen?

Sei vorsichtig mit Humor. Der kann nicht nur schnell daneben gehen, sondern auch schnell altern.

Gönne deiner Figur auch die eine oder andere relevante Schwäche, um sie realistisch und sympathisch zu machen.

Halte deine Handlung im Zaum. Am Ende sollte der Held die Handlung bestimmen und nicht andersrum.

Fazit

Dieses Wiederlesen war eine große Enttäuschung. So schnell werde ich wohl nicht zu den nächsten Bänden der Serie greifen.

4 Gedanken zu „Gelesen: Harry Harrison – Die Geburt einer Stahlratte

  1. Ein Buch nach viele Jahren wiederzulesen, das einem früher mal gut gefallen hat, hat immer etwas von einer Wundertüte an sich. 😀
    Hab ich jedenfalls schon desöfteren festgestellt. Trotzdem hole ich immer wieder mal alte Schmöker aus dem Regal, und oft bestätigt sich der Eindruck vom ersten Lesen auch. Ging mir kürzlich z.B. bei „Watership Down“ so.

    • Die interessante Frage ist ja: sagt die Tatsache, dass ein Buch jetzt nicht mehr gefällt, mehr über das Buch oder über mich aus 😉
      Wie auch immer: ich werde mir auch von einer negativen Erfahrung nicht den Spaß am Wiederlesen verderben lassen. Auf der anderen Seite gibt es ja auch Bücher, denen man jedesmal mehr abgewinnen kann.
      Aber leider komme ich bei den ganzen neuen interessanten Sachen relativ selten dazu, auch mal wieder was Älteres zu lesen.

      • Ging mir auch so, dass immer ein Stapel neuer, interessanter Bücher verhindert hat, alte mal wiederzulesen – bis ich mir einfach ein altes gegriffen und angefangen habe. Ab und zu gönn ich mir das. Vor allem auch dann, wenn mir mal ein, zwei neue nicht so gefallen haben.

  2. Pingback: Leseliste 2014 | Wortwerken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s