Gesehen: Elementary – Season 1

(Oder zumindest so weit, wie es im Free-TV schon gelaufen ist.)

Worum geht es?

Die Tagline sagt es schon: New Holmes. New Watson. New York.
Ähnlich wie die BBC-Produktion »Sherlock« verlegt auch »Elementary« die klassische Geschichte in die Neuzeit. Als US-Produktion geht die aber noch zwei Schritte weiter: der Schauplatz ist New York und Watson ist eine Frau.
Joan Watson ist eine ehemalige Chirurgin, die als Suchtbetreuerin Abhängigen in den ersten Wochen und Monaten nach dem Entzug zur Seite steht.
Ihr neuester Fall ist der beratende Detective Sherlock Holmes, Der nach der Ermordung seiner Geliebten Irene Adler den Drogen verfiel und schließlich aus London in die neue Welt flüchtete.
Von Sherlocks Vater engagiert (wovon ich übrigens noch nicht überzeugt bin!), zieht die bei dem ebenso exzentrischen wie brillanten und sozial inkompetenten Detektiv ein und begleitet ihn auch bei seinen unentgeltlichen Beratungen für das NYPD. Und schneller als die sich eingestehen möchte, findet sie Gefallen an der Tätigkeit als Ermittlerin.

Was gefällt?

Natürlich gibt es jede Woche ein Verbrechen zu lösen, das meist einem Sherlock Holmes angemessen skurril ist und auch weitestgehend ohne die Unterhaltung störende Logiklöcher auskommt. Allein das ist schon eine Leistung für eine Fernsehserie.
Was » Elementary« aber herausragend macht, ist die Figurenentwicklung. Wie Holmes und Watson im Laufe ihre Beziehung definieren und entwickeln, zunächst Partner und dann sogar so etwas wie Freunde werden, ist großartiges Charakterdrama.
Dabei steht für mich Watsons Entwicklung zur gleichberechtigten Ermittlerin und die Entdeckung ihrer diesbezüglichen Kompetenzen sogar noch ein wenig mehr im Vordergrund.
Aber auch Holmes Öffnung gegnüber Watson trotz seiner prinzipiellen Ablehnung von Menschen wird subtil und glaubwürdig dargeboten.
Sehr schön zu erkennen in einer Szene gegen Ende der Staffel, in der die Detektive einem Verdächtigen am Mord an Irene eine Falle stellen. Holmes hatte bereits einige Folgen zuvor einen Verdächtigen entführt und gefoltert. Watson möchte wissen, warum sie ihm glauben soll, dass er das nicht wieder tut.
Holmes: »Das, was sich empirisch gesehen an mir seitdem geändert hat, sind Sie!«
Watson: »Das ist das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe.«

Was gefällt nicht?

Da gibt es nicht so viel. Ich bin noch nicht ganz sicher, ob mir die Entwicklungen, die sich zum Ende der Staffel hin andeuten, so besonders zusagen werden bzw. welchen Trick sich die Macher ausgedacht haben, um das glaubwürdig in die Geschichte einzubauen. Im Moment tendiere ich noch dazu, mir zu wünschen, die Produzenten wären konsequenter gewesen. Aber abwarten.
Was mir im Umfeld der Serie absolut nicht gefällt, ist die Veröffentlichungspolitik: keine Blu-Ray, dafür DVD-Halbstaffeln zu je über 30 EUR. Das ist indiskutabel.

Fazit

Absolut empfehlenswerte Renovierung des Mythos Holmes & Watson, die hier endlich gleichberechtigte Partner sind, die sich keinesfalls im Schatten des britischen Cousins zu verstecken braucht, ganz im Gegenteil, gelingt doch Miller im Vergleich zu Cumberbatch ein – bei aller nötigen Überheblichkeit – deutlich sympathischerer Meisterdetektiv

Was kann man als Autor lernen?

Mit einem Twist lässt sich auch aus scheinbar verbrauchten Konzepten noch Aufregendes schaffen. Hauptsache, man nimmt kompetente, aber nicht übermächtige Figuren und bietet ihnen ein Umfeld, in dem sie ihre Stärken ausspielen können und ihre Schwächen überwinden müssen.
Und die eigentliche Geschichte spielt sich immer zwischen Menschen ab.

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