Maddrax-Leserbrief

Ein gefallener Engel hat mir gesteckt, dass in der kürzlich erschienenen Ausgabe 360 von Maddrax mein Leserbrief, den ich vor einiger Zeit eingereicht hatte, erschienen ist. Ich selbst bekomme diesen Band aufgrund meines monatlich verschickten Abos erst in ca. zwei Wochen und kann daher nicht viel dazu sagen.

Aber ich hatte im Leserbrief – da ich aufgrund seiner Länge von Kürzungen ausging – angekündigt, ihn auch hier im Blog zu veröffentlicht.

Hier daher nun in seiner ganzen Länge mein Leserbrief. Und wenn das, worüber ich schreibe, interessant klingt, dann lest doch einfach mal ein paar Bände Maddrax zur Probe.

Mehr Informationen darüber erhaltet ihr bei Bastei, auf der (leider inaktiven) Maddrax-Seite oder im Maddraxikon.

Sei gegrüßt, Matter Mike, glänzender Stern unter den Heftromantikern!

Nach zehn Jahren passiven Maddrax-Konsums kommt es, wie es kommen musste – ich äußere meine Meinung (was ich seit mindestens fünf der zehn Jahre schon beabsichtige). Aber keine Angst, die ist überwiegend positiv.

Mein Erstkontakt mit Maddrax fand statt, als ich in den frühen 2000ern in diesem neuländischen Internet nach freien Rollenspielen suchte und dabei auch über das Maddrax RPG auf der alten Homepage stolperte. Irgendwie fand ich die darin beschriebene Welt mit sprechenden Riesenratten und ähnlichem Getier dann aber zu albern und das PDF landete im virtuellen Äquivalent einer Zimmerecke.

Irgendetwas muss aber doch hängen geblieben sein, denn als ich einige Zeit später im Bahnhofsbuchhandel über einen Maddrax-Heftroman stolperte, sprang meine Neugier an, und ich kaufte Band 86 „Die Bunkerliga“. Vermutlich ein Glückstreffer, da er mit den Bunkermenschen, dem Serum und dem Enzephalowitsch (hieß der so?) eher die sf-ige Seite von Maddrax repräsentierte und so meinen Vorlieben entgegenkam.

Aber ganz unabhängig davon war ich schnell in der Welt des 26. Jahrhunderts gefangen und fieberte mit den (mal mehr, mal weniger) Verbündeten im Kampf gegen die Daa’muren. (Natürlich besorgte ich mir auf den üblichen Wegen auch die fehlenden ersten 85 Bände, von denen – ich muss es gestehen – noch rund 40 der Lektüre harren. Aber somit habe ich noch eine stille Reserve für schlechte Zeiten.)

Mir gefielen die komplexen Zusammenhänge, die sich gegenseitig beeinflussenden Aktivitäten in verschiedenen Teilen der postapokalyptischen Erde und der sich konsistent verschärfende Konflikt mit den Außerirdischen. Da ist es dir und deinem Autorenteam (und allen weiteren Beteiligten) wirklich gelungen, eine lebendige, dynamische, plausible Welt zu erschaffen, in die ich sehr gerne alle zwei Wochen eingetaucht bin. Bis – ja, bis zur Schlacht am Kratersee. Bereits im Vorfeld hattet ihr ja schon begonnen, die Dramatis personae auszudünnen und mit dem EMP reduziertet ihr dann ja auch noch die Komplexität auf Erden gewaltig. Nichts mehr mit Hin- und Herdüsen zwischen Waashton, Landán und Kratersee, keine Technos und Bunkercommunitys mehr – das war schon ein kleiner bis mittlerer Schlag. Ich kann aber nachvollziehen, dass eine so hohe Komplexität für ein verteiltes, teilweise wechselndes Team nur schwer aufrecht zu erhalten ist und auch eine deutliche Hürde für Neu- und Gelegenheitsleser darstellt. (Die Kehrseite einer zu hohen Komplexität begegnete mir leider während des Versuches, bei einer großen, deutschen Weltraumserie einzusteigen. Dabei kam es mir vor, als müssten die ersten zwei Drittel jedes Heftes dafür verwendet werden, dem Leser zu erklären, was die jeweilige Hauptfigur getan hatte, seitdem sie das letzte Mal im Mittelpunkt der Handlung gestanden hatte. Daher kann ich den Wunsch, das Figurenensemble klein und die Handlung überschaubar und bodenständig zu halten, letzten Endes nachvollziehen und sogar gutheißen.)

Als Entschädigung bekam ich dann ja auch noch den sf-lastigen Mars-Zyklus (inklusive Spin-off) geboten, der mir natürlich sehr lag und eine zweite eigene Welt einführte. Sehr schön. Doch hat auch der Mars eine Schattenseite und die heißt in diesem Fall Ausala. Es wurde vermutlich genug über diesen Zyklus geschrieben, deswegen will ich nur kurz sagen: ab ungefähr der Hälfte war das überhaupt nichts mehr für mich, zumal Telepathie für mich das ungeliebteste Topos der fantastischen Literatur darstellt. Das Lesen gestaltete sich immer zäher bis ich es irgendwann ganz bleiben ließ. Maddrax war mir aus dem Sinn. Glücklicherweise hatte ich während begeisternderen Zeiten ein Abo abgeschlossen, so dass die Heft weitherin monatlich in meinem Briefkasten landeten und das Abo zu kündigen brachte ich nicht übers Herz. So konnte ich alleine anhand der Hefttitel und -Cover nachverfolgen, dass die Serie anscheinend wieder in Fahrwasser geriet, die mir mehr zusagten. Und als mit Band 250 die „Rückkehr nach Euree“ anstand, entschied ich mich, Maddrax mal wieder genauer in Augenschein zu nehmen. Ich kämpfte mich also durch den Rest der 190er und übersprang dann die nächsten 50 Bände. (Somit habe ich also noch eine zweite Reserve für schlechte Tage – plus Spin-off.) Ich bereute die Entscheidung nicht und las mich relativ zügig und zeitnah durch die gefälligen Schatten- und Ursprungszyklen. Auch den umstrittenen Tod von Ann, die Trennung von Matt und Aruula und den neuen Fokus auf Xij fand ich dramaturgisch sinnvoll und mit Spaß zu lesen. (Wobei ich gestehen muss, dass ich tief in meinem Herzen überzeugt bin, dass Matt und Aruula eines Tages wieder zusammen finden. Nichts gegen Xij – außer der Tatsache, dass sie eine Zeit lang dazu tendierte, mit ihren plötzlich zurückkehrenden Erinnerungen als Deus ex machina zu fungieren –, aber Aruula gehört zu Matt wie … wie … nun ja, wie Aruula zu Matt eben. Und so lange sie noch die Rota-Seite ziert, bin ich optimistisch gestimmt. A propos Rota-Seite: die neuen QR-Codes dort finde ich klasse. Ich schaue mir zumindest jeden Autor, der mir noch nicht unter den Scanner gekommen ist, dort an. Und das Titelbild-Gadget bei der 344 – die ich übrigens heute gerade beendet habe, ich hänge mal wieder rund sechs Bände zurück – war erste Sahne. Schade, dass die QR-Codes wohl ansonsten weitgehend der Ignoranz anheim gefallen sind. Ich finde, es sind gerade diese Kleinigkeiten wie der Comic jede zweite Woche, dein locker-flockiger Stil bei den Leserbriefen und die gelegentlichen Specials, die Maddrax auch über den reinen Inhalt hinaus zu einem positiven Gesamterlebnis erweitern. Lass dich nicht entmutigen. Es erfreuen sich bestimmt mehr Leser an deinen Bemühungen als du nach dem dich erreichenden Feedback vermutest.)

Doch dann kam der Tag, den ich seit dem Ruf des Finders furchtvoll erwartet hatte: der Streiter näherte sich. Zuerst einmal mein großes Lob dafür, dass ihr euch wirklich 100 Bände Zeit gelassen habt, bevor ihr auf das Thema zurück gekommen seid, und nicht der Versuchung erlegen seid, den Streiter gleich als noch gewaltigere Bedrohung hinterherzuwerfen. (Das finde ich übrigens herausragend an Maddrax: die Gegener werden nicht immer nur nach der Maxime „größer, gewaltiger, gefährlicher“ entworfen, sondern da ist viel Variation drinnen. Mal etwas eher auf der persönlichen Ebene für Matt und Co. und nur selten etwas Universums- oder zumindest Erdbedrohendes. Das finde ich gut. Die Tendenz, immer gefährlichere Invasoren auftreten zu lassen, hat mir zum Beispiel irgendwann die Abenteuer der Sternenfaust verleidet.)

Aber jetzt trat er doch auf, der ultimative Gegner, der im Vorbeiflug ganze Planeten vernaschte und ich war gespannt, wie Matt damit fertig werden würde. Und ich bin erfreut, dass es ihm nicht zu leicht gemacht wurde. Die Lösung ist konsequent und schlüssig aus vorhandenen Elementen aufgebaut. Die Zerstörungsorgie auf der Erde fand ich jedoch zu breit ausgewalzt, zumindest, da mir (aufgrund der Kenntnis zukünftiger Titelbilder durch meinen üblichen Leserückstand) klar war, dass es dabei nicht bleiben würde und irgendein Trick mit Zeitreisen oder Ähnlichem die Situation retten würde. Ebenso fand ich die prinzipiell abwechslungsreichen Parallelweltabenteuer etwas ermüdend, insbesondere nachdem die Helden im zeitlosen Raum das Magtron bekommen hatten. Da wollte ich dann eigentlich nur noch, dass sie zurückkehren und den Streiter ausschalten. Hat dann halt ein paar Hefte länger gedauert – egal. (Außer, dass ich durch einen deutlichen Motivationsabfall in Band 322 ungefähr 15 weitere Hefte in Rückstand geraten bin. Aber der ist voraussichtlich noch in dieser Woche aufgeholt und ab 351 kann ich endlich wieder live mitlesen. Zumindest so live, wie es ein Abo ermöglicht. Ich bin schon am Überlegen, deswegen auf E-Books zu wechseln, aber mag mich eigentlich – bei Maddrax zumindest – noch nicht von gedruckten Werk verabschieden. Trotzdem die Frage: sind die E-Books eigentlich Feature-complete, was die ganzen oben genannten Specials etc. angeht?)

Und somit bin ich in meinem kleinen Streifzug durch meine persönliche Maddrax-Historie endlich in der Gegenwart, dem Archivar-Zyklus, angekommen. Hier stimmt für mich wieder so gut wie alles. Insbesondere ist der Archivar von der Sache her eigentlich kein mächtigerer Gegner als der Streiter, aber trotzdem eine Gefahr für Matt und Co, wenn auch auf einer ganz anderen Ebene. Einige Entwicklungen finde ich sogar sehr mutig von euch: Miki tot (ok, habe gerade die Rota von 345 gelesen, war also doch noch ein Hintertürchen vorhanden), Matt bei den Hydriten in Ungnade, Aruula, die als Junkie in Waashton wütet. Da werden die Karten für den nächsten Zyklus mal wieder ganz neu gemischt. Zumal ja auch andere interessante Aspekte der möglichen Weiterführung harren: die geflügelten Schlangen, Crow, Ira, um nur einige zu nennen. Ich bin gespannt, was ihr daraus macht und hoffe, dass ihr noch lange die Gelegenheit haben werdet, neue Sachen zu machen. Ich bleibe auf jeden Fall dabei, so lange ihr weitermacht, denn die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass die Zukunft der Erde zwar dunkel sein mag, die von Maddrax es aber immer wieder versteht, zu glänzen.

So, dass war jetzt wirklich lang. Na ja, für die Aufarbeitung von zehn Jahren Lesevergnügen eigentlich nicht. Und wahrscheinlich fallen mir im Nachhinein auch noch Dutzende von Aspekten ein, die ich vergessen habe, zu erwähnen. Aber angesichts der Tatsache, dass du schon mehrmals um Nachschub für die Leserbriefseite gebeten hast, halte ich es für wichtiger, einen Leserbrief zu schreiben als den perfekten Leserbrief zu schreiben.

Da die Länge des Briefes bei einer etwaigen Veröffentlichung Kürzungen naheliegend erscheinen lässt, werde ich – dein Einverständnis vorausgesetzt – den ungekürzten Brief in meinem Blog veröffentlichen, nachdem du ihn für deine Zwecke verarbeitet hast.

Macht weiter wie bisher,

viele Grüße

Merlin

 

P.S.: Für den Fall, dass du – wie ich – ein Freund eigentlich völlig unnützer statistischer Informationen sein solltest, hänge ich dir noch eine kleine Grafik mit an.

 

Maddrax-Lesestatistik

 

Größer unter: https://docs.google.com/spreadsheet/ccc?key=0Aqn02PeB15IvdFkzMzZQU3NLUkUxcHlmcjRTalJhTlE&usp=sharing

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