Zum Stand der Schreibdinge IX

In den letzten Monaten haben mich anderweitige Verpflichtungen – und, ich gestehe es, auch anderweitige Interessen – ein wenig vom Schreiben abgehalten.

Nichtsdestotrotz gibt es zwei Neuigkeiten zu vermelden. Zum einen habe ich jetzt von Michael Haitels Verlag p. machinery die Zusage für die Geschichte „Operation Heal“, die ich bereits vor anderthalb Jahren zu einer interessanten Ausschreibung eingereicht hatte. Manche Mühlen malen halt langsam, aber so lange das Ergebnis stimmt, soll es mir recht sein.

Als zweites hatte ich recht kurzfristig an einem Call-for-Stories der Phantastischen Bibliothek Wetzler teilgenommen. Die Bibliothek gibt regelmäßig sogenannte phantastische Miniaturen heraus, in denen Geschichten versammelt sind, die sich alle um ein gemeinsames Thema drehen und eine Länge von jeweils nur rund 500 Wörtern haben. Gar nicht so einfach, in der Kürze eine komplette Geschichte zu entfalten, aber in den Augen des Herausgebers scheine ich erfolgreich gewesen zu sein: der nächste Band zum Thema „Nanowelten“ wird meine Geschichte „Auf der Spitze der Nadel“ enthalten.

So, und jetzt mach ich mir weiterhin Gedanken übers Frühstück. Mir ist da vorhin eine Idee gekommen.

Gelesen: Jim Butcher – Grave Peril / Grabesruhe (The Dresden Files 3)

Nachdem Band 1 und 2 quasi im Doppelschlag verschlungen wurden, hatte ich mir ein wenig Zeit gelassen, bevor ich mich wieder ins magische Chicago der Jetztzeit gestürzt habe.

Worum geht es?

Der Durchgang in das Nevernever, die magische Welt jenseits der unseren, ist brüchig geworden, was dazu führt, dass es vermehrt zu Geistererscheinungen kommt, denen Harry sich – diesmal in Begleitung des Kreuzritters Michael – natürlich entgegenstellt. Doch die Sache wird schnell persönlich, als ein besonders bösartiger Geist beginnt, Freunde und Bekannte von Harry anzugreifen. Liegt die Ursache dafür in einem gemeinsamen Fall in der Vergangenheit?

Doch die Geister sind nicht Harrys einziges Problem: seine (feeische) Patentante besteht darauf, dass Harry endlich seinen Teil einer Abmachung einhält und sich ihr anschließt. Und auch der lokalen Vampirgröße Bianca ist Harry in der Vergangenheit einmal zu oft auf die Füße getreten. Dafür revanchiert sie sich jetzt – mit einer Einladung zur Feier ihrer Beförderung in der Hierarchie der Vampire.

Was gefällt?

Neben dem, was ich bereits zu Band 1 zur Festplatte gebracht hatte (ja, Band 2 steht noch aus, mea culpa), gefällt mir hier gut, dass Butcher beginnt, die Kontinuität der Serie weiter auszubauen, auf alte Elemente zurückzugreifen (Bianca) und neue einzuführen, die sicherlich noch Bedeutung haben werden (Harrys Patentante). Auch hinsichtlich Harrys Mutter werden einige neue Puzzleteile ins Spiel gebracht. Da dürfte noch einiges lauern.

Darüber hinaus werden einige interessante neue Nebenfiguren eingeführt (Michael, Thomas, Justine), von denen ich hoffentlich in Zukunft ebenfalls mehr lesen werde. Das im Gegenzug dazu Murphy recht schnell ruhig gestellt wurde und keine größere Rolle spielte, störte mich überhaupt nicht, eher im Gegenteil. Das verhinderte das erneute Aufwärmen des Ich-muss-es-ihr-sagen-aber-ich-tue-es-nicht-und-handele-mir-damit-neue-Probleme-ein-Konflikts.

Dafür durfte Susan, wie schon in Band 2, wieder eine größere Rolle spielen. Ich mag Susan.

Jenseits der Figuren gefällt mir, dass Butcher diesmal darauf verzichtet hat, zunächst zwei scheinbar unabhängige Fälle zu präsentieren, die dann doch – ganz „unerwartet“ – zusammenlaufen.

Und alle Lösungen und Vorgehensweisen, die präsentiert werden, ergeben sich schlüssig aus den Möglichkeiten der Figuren und der Welt. Das wirkt schön konsistent und aus einem Guss.

Was gefällt nicht?

Das Buch beginnt in einer Actionszene und präsentiert dann erst in einer kleinen Rückblende, wie es dazu gekommen ist. Das halte ich prinzipiell für Effekthascherei, wird aber leider – auch in Fernsehserien zum Beispiel – in letzter Zeit viel zu häufig benutzt. Liebe Autoren, beginnt die Geschichte dort, wo sie beginnt.

Ferner gibt sich Harry in diesem Band extrem begriffsstutzig. Hätte er ein bisschen besser aufgepasst, wäre ihm viel früher klar geworden, was hinter all diesen Vorfällen steckt. Die Hinweise waren alle da und für den Leser vielleicht zu ersichtlich.

Und schließlich: Susan. Obwohl das natürlich ein super Aufhänger für den nächsten Band ist. (Der deswegen auch schon auf meinem Kindle wartet, aber erst sind noch ein paar andere Sachen dran.) Mehr schreibe ich wegen der Spoilergefahr nicht.

Was kann man als Autor lernen?

Gönne deinen Protagonisten keine Atempause, in der sie Pläne schmieden können. Lasse die Bösen immer einen Schritt voraus sein, so dass sie das Geschehen bestimmen. Dadurch entsteht automatisch in jeder Szene Konflikt. Das wird hier effektiv vorgeführt.

Gib deinem Helden Prinzipien, gegen die er nicht verstoßen kann. Und dann stecke ihn in eine Situation, in der das es das Dümmste ist, was er tun kann, wenn er getreu seiner Prinzipien handelt. Schau zu, was dann passiert.

Fazit

Der Mythos beginnt, sich zu entfalten; die Welt gewinnt an Komplexität; die Figuren sind super. Ich hoffe, Jim Butcher gelingt es, das Niveau weiterhin zu halten.