Tastatur-Erleuchter gegen papierweißen Erleuchter

Mein geliebter Kindle Keyboard hat den Geist aufgegeben – oder ist von einem übernommen worden, da bin ich mir nicht so sicher, seht selbst:

Mein Geisterkindle

Mein Geisterkindle

Aber ob nun ein Geist zu viel oder einer zu wenig, ich konnte damit nicht weiterlesen. (Und das kurz vor dem Finale des zweiten Bandes der Dresden Files – äußerst ungünstiger Zeitpunkt, muss ich sagen, denn das Buch steht seinem Vorgänger im Hinblick auf das Lesevergnügen nicht nach.) Inzwischen bin ich jedoch so an das elektronische Lesen gewöhnt (und habe auch schon entsprechend viele E-Books), dass eindeutig ein Ersatz her musste. (Ich hatte auch mit dem Gedanken gespielt, ein Ersatzdisplay zu besorgen und das einzubauen, aber eine Recherche förderte Preise von mindestens 50 Euro und ein hohes Gefahr der Beschädigung des Displays beim Einbau zu Tage, so dass ich davon dann doch absah.) Am liebsten hätte ich ja einen neuen Kindle Keyboard genommen, doch für mich völlig unbemerkt hat der sich aus Amazons Lieferprogramm geschlichen. Somit blieb die Wahl zwischen dem normalen Kindle und dem Kindle Paperwhite. Da fiel es dann nicht schwer, auf den Paperwhite umzusteigen. Jetzt habe ich schon einiges darauf gelesen und unternehme daher den Versuch, einer Gegenüberstellung von Kindle Keyboard (KK) und Kindle Paperwhite (KPw). Ohne Garantie auf Vollständigkeit, dafür aber mit Garantie auf Subjektivität. Und in beliebiger Reihenfolge.

Was gefällt besser?

  • Die grafische Darstellung der Bücher. Schön, dass jetzt auf Wunsch die Cover in der Übersicht angezeigt werden und nicht nur Listen von Titeln.
  • Die Restzeitanzeige. Das Feature, das mir anzeigt, wie lange ich noch im Kapitel und/oder Buch zu lesen habe, gefällt mir sehr gut. Ich habe noch nicht nachgemessen, wie akkurat die Anzeige ist, aber als Anhaltspunkt, ob ich das Kapitel vorm Einschlafen noch zu Ende lesen kann, reicht es mir aus. Allerdings funktioniert dieses Feature natürlich nur sinnvoll, wenn es in den Büchern auch Kapitelmarken gibt, liebe (Selbst-)Verleger!
  • Das Goto-Menü. Durch ein Drop-Down-Menü am oberen Bildschirmrand lassen sich Kapitel sehr schnell anspringen. (Wenn es Kapitelmarken gibt, liebe (Selbst-)Verleger!)
  • Die Datenübernahme vom KK. Freudig überrascht hat mich, dass der KPw nach der Synchronisation meiner Bücher aus der Cloud diese automatisch in die korrekten Sammlungen einordnete, die ich schon auf dem KK hatte.
  • X-Ray. Ein sehr zukunftsträchtiges Feature, dass gerade durch Einbindung der Community (Shelfari, in Zukunft vermutlich auch Goodreads) viel Potential besitzt. Macht Spaß, damit einfach mal rumzuspielen. Wenn die Bücher es unterstützen, liebe (Selbst-)Verleger!

Was gefällt immer noch?

  • Die Lesequalität. E-Book lesen auf einem Kindle macht einfach Spaß. Ein E-Ink-Display ist einfach nicht zu vergleichen mit einem Computerbildschirm. Und ich behaupte, viele Leser, die der Meinung sind, niemals E-Books lesen zu wollen, hatten noch nie einen vernünftigen Reader in der Hand.
  • Die Einfachheit des Systems. Click-’n‘-Read. So einfach. Ja, ja, Vendor-Lock-In, böses Amazon etc. Ist mir egal, solange alles so einfach und so gut funktioniert und niemand etwas Vergleichbares anbietet.

Was gefällt nicht mehr?

  • Die Bedienung. Der Touchscreen ist in Ordnung, zum Markieren von Text sogar deutlich besser. Und insbesondere die Bildschirmtastatur funktioniert deutlich besser als ich erwartet habe. Das Keyboard des KK vermisse ich wider Erwarten nicht. Aber die Blättertasten, sowie die direkten Tasten für „Home“ und „Menu“ um so mehr. Insbesondere aber das Umblättern ist nervig. Beim KK konnte der Daumen einfach immer auf der Taste liegen bleiben und der Druckpunkt war fest genug. Hier muss ich immer extra aufs Display touchen (was glücklicherweise im Gegensatz zu Smartphones/Tablets aber keine Fettschlieren hinterlässt) bzw. wischen, was trotz des zusätzlichen Aufwands dennoch leichter von der Hand geht als nur zu tippen. Aber so bequem wie beim KK ist es einfach nicht.
    Hinzu kommt, dass ich mich immer mal wieder verblättere, wenn ich in Gedanken versunken einen Fussel vom Display wischen will …
  • Die Nicht-Abschaltbarkeit des Wlans. Es lässt sich schon abschalten, aber die Einstellung dafür ist irgendwo tief in den Menüs vergraben. Beim KK war es direkt in der ersten Menüebene. Daher schalte ich jetzt aus Bequemlichkeit das WLAN nicht mehr ab. Die Akkulaufzeit ist dennoch in Ordnung und eigentlich ist es ja auch ganz angenehm, wenn die Neuerwerbungen und Leseproben beim Aufklappen gleich aufs Gerät kommen. Dennoch halte ich es prinzipiell für einen Rückschritt.
  • Das Format. Der KPw ist ein gutes Stück kürzer, dafür aber meinem Eindruck nach minimal dicker als der KK. Der KK lag mir persönlich (insbesondere beim einhändigen Lesen) besser in der Hand.
  • Der Ausschalter. Der Scheibeschalter des KK war einfacher mit einer Hand zu bedienen als der Druckschalter des KPw. (Dieser Nachteil wird aber durch die neue Hülle ausgeglichen, die ich mir zum Schutz vor weiteren Besetzungen des Kindles durch heimatlose Geister gegönnt habe. Diese hat einen Magnetverschluss, der den KPw automtisch ein- und ausschaltet, wenn man den Deckel der Hülle öffnet bzw. schließt. Ähnliches bietet wohl auch das iPad.)
  • Das Passwort. Es darf jetzt nur noch aus Ziffern bestehen. Beim KK konnte ich beliebige zeichen verwenden. Ist aber sicherlich nur ein gefühlter Nachteil und in der Praxis nicht relevant.
  • Die Beleuchtung. Ich habe sie beim KK nicht vermisst und auch bislang noch nicht gebraucht. Eigentlich wäre sie daher egal, aber schade ist, dass man sie tatsächlich nicht auf 0 runterregeln kann, eine kleine Restbeleuchtung bleibt und verbraucht natürlich Strom, auch wenn die Akkulaufzeit selbst in Ordnung ist.
    Außerdem ist die Ausleuchtung im unteren Bereich deutlich ungleichmäßig, was – wenn man sie doch mal brauchen sollte – etwas störend sein könnte.
  • Die Audio-Fähigkeit ist ersatzlos gestrichen, und damit logischerweise auch das Vorlesefeature. Auch etwas, was ich nicht benutzt habe beim KK aber das es einfach so entfällt, finde ich aus Prinzip unschön.

Was gefällt immer noch nicht?

  • Die einstufigen Sammlungen. Die Sammlungen haben nur eine Hierarchie-Ebene. Da hätte ich gerne ein paar mehr. So habe ich auf der ersten Ebene schon drei Seiten voll mit Ordner, ich hätte aber nur gerne eine, durch die ich mich durchklicke, z. B. Englisch –> Science Fiction –> Barrayar. Aber so kann ich mir nur aussuchen, ob ich sehr viele Sammlungen anlege, die jeweils eine überschaubare Menge von Büchern enthalten oder eine überschaubare Menge von Ordnern mit jeweils sehr vielen Büchern. Mehrere Ebenen können doch nicht so herausfordernd sein, oder?
  • Kein Sammlungseditor. Ich würde gerne am PC schön in Ruhe meine Bücher in die Sammlungen einsortieren und dann auf den Kindle synchronisieren. Denn am Kindle ist das doch recht umständlich. Ok, wenn man es gleich nach dem Kauf für jedes Buch macht, geht es, aber wenn man mal auf den Trichter kommt, umsortieren zu wollen, wird es schnell nervig, hunderte von Büchern einzeln anzutippen und Sammlungen hinzuzufügen oder aus ihnen zu entfernen. Drag-und-Drop am großen Bildschirm wäre da eine echte Erleichterung.
  • Die nicht konfigurierbaren Pausenbilder. Die Bildschirmschonerbilder hätte ich mir gerne selbst konfiguriert, im besten Fall mit Bildern, die ich selbst auf den Kindle geladen habe oder zumindest mit den Titelbildern meiner Bücher, z. B. immer dasjenige des Buches, das ich gerade lese. Denn wenn die Bilder passen, sehen die auf dem Kindle auch sehr attraktiv aus. (Auch dieser Wunsch hat etwas nachgelassen, dadurch dass ich mir das Klappcover gekauft habe. Seitdem bekomme ich den Bildschirmschoner kaum noch zu Gesicht.)
  • Keine Statistiken. Ich hätte gerne mehr Details zu dem, was ich da so lese. Wann habe ich welches Buch gelesen, wie lange hat es gedauert etc.
  • Einzeldownload. Eine Option, alle Daten aus der Cloud zu synchronisieren, wäre auch schön. So muss ich Dutzende von Büchern einzeln antippen. Manchmal sind es die Kleinigkeiten, die zählen.

Fazit

Der Kindle Paperwhite kann einiges besser als der Kindle Keyboard, aber es gibt keinen Grund, vom KK upzugraden, wenn man zufrieden ist. Allerdings tut der Umstieg auch nicht weh, wenn er nötig ist. Für die Weiterentwicklung der Kindle-Reader ist auf jeden Fall noch Luft vorhanden. Mein dringendster Wunsch wäre da die Wiedereinführung der Hardware-Blätter-Tasten.

Aber Spaß macht das Lesen trotzdem.

P.S.:

Deutlich mehr als einen Monat habe ich an diesem Blogartikel geschrieben. Das muss besser werden 😦

4 Gedanken zu „Tastatur-Erleuchter gegen papierweißen Erleuchter

  1. Als Motivation kriegst du jetzt mal ein ‚Gefällt mir‘. Dann geht der nächste Artikel viel besser von der Hand. 🙂
    Und ich stimme zu, es macht Spaß auf dem Kindle zu lesen. Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelesen. Außerdem nimmt es keinen Platz in den Regalen weg, den ich eh nicht mehr habe. 😉

    • Danke, Sabine, das ist sehr nett von dir. Ich werde gleich mal versuchen, den Motivationsschwung mitzunehmen.
      Was du zum Kindle sagst, trifft auf mich auch zu: seitdem ich ihn habe, lese ich mehr und freue mich über gesparten Platz in den Regalen, der damit den besonderen Büchern vorbehalten bleiben kann.

  2. Rest-Anzeige klingt gut. Die vermisse ich auf meinem Einfach-Kindle, und das ärgert mich, weil ich oft nur wenig Zeit zum Lesen habe und nicht gern mitten in einer Story oder im Kapitel abbreche.
    Generell möchte ich aber so wenig wie möglich einstellen müssen, viele technische Möglichkeiten eines Readers würde ich wohl selbst dann nicht nutzen, wenn ich ein anderes Gerät hätte.

    • Ja, die Restzeitanzeige ist ein schönes Feature. Und einstellen muss man da nichts. Man kann sich nur per Touch auf die linke untere Ecke entscheiden, ob man die verbleibende Zeit im Kapitel, die verbleibende Zeit im Buch oder die Position (wie beim Einfach-Kindle vermutlich auch, der KK hatte es auf jeden Fall, z. B. 2083 von 4038) angezeigt bekommen möchte.

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