Lese-Challenge 2018: Reise durch die Genres

Hervorgehoben

Anfang des Jahres bin ich über eine Blog-Challenge gestolpert, der ich mich dieses Jahre stellen möchte: Eine Reise durch die Genres. Wer mehr dazu wissen will, findet das bei den Ausrichtern von Gerngelesen oder in meinem ersten Artikel zum Thema.

Es geht darum, jeden Monat ein Buch aus einem vorgegebenen Genre zu lesen und zu besprechen. Auf dieser Seite werde ich eine Liste der gelesenen Bücher pflegen und die jeweiligen Artikel verlinken.

  • Genre des Monats Januar 2018: Fantasy. Gelesen: „Die Klingen des Lichts“ von Lois McMaster Bujold
  • Genre des Monats Februar 2018: Krimi. Gelesen: „Die Wälder am Fluss“  von Joe R. Lansdale

Gelesen: Lois McMaster Bujold – Die Klingen des Lichts

Wer diesem Blog oder meinem Twitter-Account schon länger folgt, wird eventuell mitbekommen haben, dass ich ein großer Fan des Barrayar-Zyklus von Lois McMaster Bujold bin. Neben diesen Science-Fiction-Büchern hat die Autorin aber auch noch einige Fantasy-Reihen und -Romane geschrieben, von denen zumindest die auf Deutsch erschienen Bände schon seit längerem ungelesen in meinem Regal stehen, seit es sie vor einiger Zeit mal günstig im Abverkauf gab.

Anfang des Jahres war es dann mal wieder Zeit, ein neues Buch aufzuschlagen. Dabei kam mir Reise-durch-die-Genres-Challenge vom Gerngelesen-Blog in den Sinn, über die ich zufällig – vermutlich auf Twitter – gestolpert war. Es geht darum, in jedem Monat des Jahres 2018 ein Buch aus einem anderen, vorgegebenen Genre zu lesen und darüber eine Rezension zu verfassen. Ich fand diese Herausforderung aus zwei Gründen attraktiv. Zum einen fördert sie den Blick über den Tellerrand des Lieblingsgenres hinaus, was sowieso nicht schadet und zum anderen könnte sie dazu beitragen, einen kontinuierlichen Fluss an Blogartikeln beizubehalten. Die Frequenz von einem Buch pro Monat erschien mir auch machbar, so dass ich mich – ohne mich auch nur mental schon zur Teilnahme an der Challenge zu verpflichten – dazu entschied, mich zumindest an dem Januar-Genre zu orientieren. Nun habe ich im Bereich der Fantasy durchaus noch einige ungelesene Bücher herumstehen, aber ich griff zum ersten Band des vierbändigen Sharing-Knife-Zyklus von Lois McMaster Bujold mit dem Titel „Die Klingen des Lichts“.

Als ich mich nach dem Lesen ein wenig mit den Rezensionen auf Goodreads und Amazon beschäftigte, stellte ich fest, dass diese sehr polarisiert ausfallen. Und ich kann durchaus verstehen, dass einige enttäuscht sind, dass sie nicht das bekommen haben, was sie anhand des Klappentexts und der allgemeinen genre-üblichen Konventionen erwartet haben. Es handelt sich hier keinesfalls um eine epische Fantasy-Saga, in der Gut gegen Böse kämpft, Schlachten geschlagen und Länder erobert werden. Vielmehr handelt es sich um eine recht gradlinige Liebesgeschichte vor dem Hintergrund einer Welt mit durchaus epischem Potenzial.

Die ungewollt schwangere Bauerntochter Fawn verlässt ihr Heimatdorf, um den anderweitig verlobten Kindsvater zu vergessen und sich in der Stadt einen Beruf zu suchen, mit dem sie ihr Kind durchbringen kann. Unterwegs wird sie von den Handlangern eines Landzehrer oder Übel genannten bösen Wesens gefangen genommen, dem sie das Ungeborene Opfern wollen, damit es mehr weltliche Gestalt in der Realität annehmen kann.

Doch der einhändige Striefenreiter Dag vom magisch begabten Volk der Seenläufer, der mit seiner Patrouille gegen die Übel kämpft, kann sie befreien und Fawn selbst gelingt es sogar, mit dem Dolch von Dag das Übel zu töten. Dabei wird der Knochendolch anscheinend geprägt, was eigentlich nur geschehen sollte, wenn ein Streifenreiter selbst sein Leben opfert, um seine Lebenskraft in den Dolch fließen zu lassen. Dieses Mysterium möchte Dag mit Fawns Hilfe bei seinem eigenen Volk aufklären.

Und damit ist der Action-Teil des Buches nach dem ersten Drittel auch abgeschlossen. Der Rest handelt nun davon, wie sich Dag und Fawn ihrer Liebe füreinander bewusst werden und wie sie zunächst die Hindernisse, die ihnen in Dags Patrouillen-Verband und später dann in Fawns Familie entgegenstehen, überwinden.

Das passt sicherlich nicht jedem Fantasy-Leser. Mir hingegen hat es sehr gut gefallen. Die ganz große Dramatik bleibt dabei aus und eigentlich gibt es auch während des Lesens keinen Zweifel daran, dass die beiden die eher kleinen Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen, auch meistern können. Die aus entsprechenden Liebesfilmen bekannte Krise zwischen den Liebenden bleibt – für mich positiverweise – auf der Strecke. Gleichzeitig kann das Buch dadurch aber auch auf der personalen Ebene ein wenig konfliktarm wirken, was gewöhnungsbedürftig ist und vermutlich auch eine Rolle dabei gespielt hat, dass Fawn sich in einigen Rezensionen dem Vorwurf stellen muss, eine Mary Sue zu sein. Das ist vermutlich ein Vorwurf, den jede einigermaßen starke Frauenfigur heutzutage über sich ergehen lassen muss. Natürlich ist Fawn eine liebenswerte Identifikationsfigur, die die Stärke besitzt, über die Personen in ihrem Umfeld – in angemessenem Maße, wohlgemerkt – hinauszuwachsen. Aber meine Güte, das ist die Definition eines Protagonisten und wer es nicht ertragen kann, dass auch Frauen zu so etwas in der Lage sind, der soll sich gefälligst einen anderen Planeten suchen.

Für mich war dieses Buch auf jeden Fall ein Glückstreffer. Auch ich habe nicht das bekommen, was ich anhand des Klappentextes erwartet habe, aber das bewerte ich in diesem Fall sehr positiv. Wer also Lust hat, eine Romanze in einem fantastischen Setting zu lesen, von deren drei Fortsetzungen jedoch nur noch eine auf Deutsch erschienen ist, der darf ruhig einmal einen Blick riskieren. Ich werde sicherlich in Zukunft mal schauen, wie die Geschichte weiter geht und was es mit dem mysteriösen Dolch auf sich hat.

Star Trek Discovery – Was ich entdeckte (Teil 2)

Achtung, dieser Artikel kann Spoiler zur ersten Staffel von „Star Trek – Discovery“ bis einschließlich Episode 12 („Vaulting Ambition“ / „Blindes Verlangen“)

Im ersten Teil dieses Artikels bin ich ein wenig auf das Setting eingegangen, in dem Discovery spielt. Das vorläufige Fazit könnte als „wenig startrekig“ zusammengefasst werden. Inzwischen sind drei weitere Folgen durch die Leitung geströmt und haben zumindest die Spekulationen hinsichtlich des Spiegel-Universums imposant bestätigt. Zur Verdeutlichung des eigentlichen Settings trägt der Aufenthalt im Spiegel-Universum natürlich nur wenig bei. Umso mehr jedoch zur Charakterisierung der Figuren, die heute sowieso Gegenstand des Artikels sein sollten. Also, schauen wir mal auf die Crew:

  • Saru: Ich mag Saru, auch wenn ich finde, dass man noch recht wenig von ihm und seiner Spezies weiß. Interessant finde ich auf jeden Fall den Aspekt, dass sich eine intelligente Spezies mal aus Beutetieren anstatt aus Jägern entwickelt hat. Das eröffnet neue Erzählperspektiven. Bleibt zu hoffen, dass Sarus threat ganglia nicht immer nur anschlagen, wenn es der Plot gerade benötigt, sondern dass diese Facette – sowie natürlich Sarus Persönlichkeit insgesamt – konsistent und sinnvoll eingebunden wird. (Troi, ick hör dir trapsen.)
  • Stamets: Auf den ersten Blick der verrückte – oder zumindest bessessene – Wissenschaftler. Aber auch dieser bekommt durch die unaufdringlich eingestreute Partnerschaft mit Culber eine zusätzliche Facette, die eine umfassendere Figur aus ihm macht. Ich frage mich allerdings, welche Rolle Stamets übernehmen wird, wenn der Sporenantrieb erst einmal aus dem Setting gestrichen ist, da er anscheinend ja schon sehr auf diese Technologie fokussiert ist.
  • Tilly: So weit ich mitbekommen habe, gibt es einige Kontroversen um diese Figur. Viele finden sie wohl nervig. Ich finde sie erfrischend. Die (manchmal naive) Neugier und Freude, die sie auszeichnen, sind noch am ehesten das, was die typischen Werte der Sternenflotte (und auch diejenigen von Star Trek) in dieser Serie vertritt. Für sie ist es keine Frage, dass es notwendig ist, einen Weg zu finden, um Stamets zu helfen. Für sie ist es keine Frage, dass Burnham die Chance verdient hat, auch außerhalb des Dienstes als Mensch behandelt zu werden. Gerade, weil Tilly am Anfang auch ihre Vorurteile gegenüber Burnham hatte, macht sie die Tatsache, dass sie diese überwunden und eine Freundschaft mit Burnham begonnen hat, doch zum Inbegriff von Star Trek.
  • Tyler: Inzwischen ist ja bestätigt, was die Tribbles von den Schreibtischen gekreischt haben: Tyler ist Voq. Das gefälschte IMDb-Profil hat also nicht geholfen, davon abzulenken, hat aber immerhin für einen amüsanten Twitter-Account gesorgt. Ein bisschen ist ja schon auf die Umwandlung eingegangen worden. Und natürlich hat sie mit Arne Darvin in der TOS-Episode „The Trouble With Tribbles“ / „Kennen Sie Tribbles?“ ein Vorbild im Universum. Trotzdem finde ich es schon extrem weit hergeholt, dass solche eine Umwandlung den medizinischen Scannern entgehen kann. Und selbst die Tiefenuntersuchung von Culber hat nur einen Verdacht, aber keine Gewissheit ergeben. Ich hoffe, dass da noch eine plausiblere Erklärung nachgelegt wird.
    Interessant finde ich aber auch die Frage, ob Lorca eventuell sogar einen Verdacht hatte, dass Tyler nicht ganz sauber ist, es ihm aber egal war, da er eventuell einen Vorteil darin erkannte, der ihm helfen könnte, sein eigentliches Ziel zu erreichen. Oder ob Lorca aufgrund seiner Herkunft eine nicht-menschliche Spezies einfach unterschätzte und ihr so einen Schachzug weder technologisch noch intellektuell zutraute?
  • Lorca: Auch hier gab es ja von Anfang an Gerüchte, dass er aus dem Spiegeluniversum stammen könnte. Im Gegensatz zu Tyler wurden die bei Lorca aber offener gehalten, finde ich. Es war keineswegs so deutlich, dass er wirklich aus dem Imperium stammt. Er hätte auch einfach nur ein rücksichtsloses Arschloch sein können. Wobei das natürlich die Frage aufgeworfen hätte, wie so eine Person in der Sternenflotte, die wir kennen, ein so einflussreiches Kommando hätte erhalten können.
    Viele seiner Handlungen ergeben natürlich vor dem Spiegeluniversumshintergrund jetzt viel mehr Sinn. Dennoch bleibt es für mich spannend, wie es einem Gast aus dem Universum in der Sternenflotte gelungen ist, so viele Leute hinter das Licht zu führen. Vielleicht erfahren wir dazu ja noch ein wenig mehr. Tendenziell scheint es mir im Spiegeluniversum, in dem sowieso viel mit Einschüchterung und Manipulation gearbeitet wird, leichter zu sein, die eigene Machtposition zu nutzen, um Schwächen in der Darstellung zu übertünchen als in unserem, in dem selbständiges Denken und kritisches Hinterfragen eher Anforderungen an einen Sternenflottenoffizier sind.
    Aber vielleicht war Lorca bei seiner Ankunft hier ja auch tatsächlich aufgeflogen und die Zerstörung der Buran war nicht Auslöser sondern Folge seines Wechsels in unser Universum? Dass er skrupellos genug ist, um die Besatzung eines ganzen Schiffes für seine eigenen Interessen zu opfern, hat Lorca zweifellos bewiesen. Und was ist eigentlich aus dem echten Lorca geworden? Hat er den Untergang der Buran nicht überlebt? Eine spannende Figur, wenn auch sicherlich kein Sympathieträger.
  • Burnham: Mit der Sympathie hat es Burnham, die Hauptfigur der Serie, leider auch nicht so ganz. Und hier ist das schon problematischer. Natürlich verstehe ich die Absicht der Autoren, mit Burnham eine Figur einzuführen, die man auf ihrer Reise zur Menschlichkeit begleitet, welche ihr aufgrund ihrer vulkanischen Erziehung mangelt. Nur schaut man sich die Pilotfolge an, so war Burnham schon ein ganzes Stück weiter gekommen. Der Verlust der Shenzhou und insbesondere ihrer Mentorin Georgiou haben ihr da mächtig zugesetzt und sie ein ganzes Stück zurückgeworfen. Nur leider wirkt sie dadurch so distanziert, dass es mir als Zuschauer schwer fällt, Interesse und Mitgefühl für sie aufzubringen. Erst in den letzten Folgen ist sie wieder zu einer aktiveren Figur geworden, die ein eigenes Interesse daran hat, die Geschichte voranzubringen. Ich hätte mir hier von der Serie eine leichter zugängliche Identifikationsfigur gewünscht. Immerhin reden wir hier noch über eine Mainstream-Science-Fiction-Serie und nicht über ein Independent-Psychogramm. Aber ich habe zutrauen, dass sich das verbessert, wenn das Spiegeluniversum und der klingonische Krieg erst einmal hinter uns liegen.
    Und vielleicht noch ein paar Worte zu dieser ganzen Meutereigeschichte: Ja, technisch gesehen war es eine Meuterei. Und dass Burnham gleich zum Nervengriff gegen Georgiou griff, war sicherlich übertrieben und passte meiner Meinung nach nicht zu der Figur, wie sie bis dahin eingeführt worden war. Aber in keiner der vergangenen Serien hätte ein erster Offizier, der so etwas getan hat, so eine Strafe kassiert. (Auch wenn das unter dem Aspekt des Realismus durchaus angemessen gewesen wäre.) Und dass darüber hinaus Burnham sich selbst die Schuld an dem Krieg gibt – so wie es auch alle anderen tun – kann ich nicht nachvollziehen. Aber das ist vielleicht ein Thema für einen anderen Artikel.

Soweit zu den neuen Figuren. Bevor ich mich jetzt in Episode 13 versenke, möchte ich noch kurz eine Spekulation hinterlassen, wie es mit Discovery weiter gehen könnte. Ich denke (derzeit zumindest), dass die Discovery beim Verlassen des Spiegeluniversums – auf welchem Weg auch immer – einen Zeitsprung in die Vergangenheit machen wird. Ähnlich ist es ja schon der Discovery ergangen, als sie den interphasischen Raum durchquerte. Und zwar einen Zeitsprung in die Zeit vor dem klingonischen Krieg. Und dann kann Burnham all das verhindern, was passiert ist: der Konflikt mit den Klingonen, die Zerstörung der Shenzhou und der Buran, das Finden des Tardigrade, was gleichzeitig den Sporenantrieb hinfällig macht und so weiter und so fort. Vielleicht entkommt auch nur Burnham dem Spiegeluniversum und benutzt dann Mudds Zeitschleifenkristall, um die Situation zu ihrem Vorteil bzw. natürlich dem der Föderation zu formen. Und dann stehen wir plötzlich in der Situation, die uns der Prolog der Serie, die beiden Pilotepisoden, schon angekündigt hat: Burnham bekommt ihr eigenes Kommando, die Discovery (mit konventionellem Antrieb) und kann sich schön trekkig der Erforschung des Universums widmen. Ich würde mich freuen.

Freuen würde ich mich auch, wenn wir uns demnächst zum dritten Teil dieses Artikels wiedersehen, in dem es dann vermutlich um ein Gesamtfazit der ersten Staffel gehen wird.

Star Trek Discovery – Was ich entdeckte (Teil 1)

In einem Kommentar im Rahmen seiner 10-Blogs-10-Kommentare-Aktion* hat Roland alias Nerdlicht gefragt, wie mir Star Trek Discovery denn jetzt gefallen hat.

Und das muss ich mit einem ganz entschiedenen „Keine Ahnung!“ beantworten.

Prinzipiell ist es mehr das, was ich befürchtet habe als das, was ich mir erhofft habe, als ich im Vorfeld der Serie meine Erwartungen niederschrieb.

Und trotzdem kann (oder will?) ich die Serie nicht schlecht finden. Dennoch bleibt eindeutig festzuhalten, dass sie nicht das Star Trek ist, das wir kennen. (Was für eine Prequel-Serie natürlich problematisch ist.) Aber es ist eine unterhaltsame, gut produzierte Science-Fiction-Serie, die bislang vielleicht lediglich behauptet, im Star-Trek-Universum zu spielen. Ich glaube (hoffe?) aber, dass die Produzenten noch einen Kniff in der Hinterhand haben, um Discovery wieder mehr „auf Linie“ zu bringen. Ich weiß noch nicht, wie der aussieht, das Spiegeluniversum steht natürlich dabei hoch in der Theoriegunst. Hoffentlich aber keine später ausgelöschte Zeitlinie. Mal abwarten.

Aber gehen wir doch mal ein wenig mehr ins Detail. (Im Folgenden könnten Lesern, die die ersten neun Folgen der ersten Staffel Discovery noch nicht gesehen haben, Spoiler über den Weg laufen.)

  • Klingonen. Wie erwartet durchaus viele und durchaus intrigante. Ich finde, die Klingonen sind in den letzten vier Serien schon so extrem durchexerziert worden, dass hier mein Interesse nur wenig geweckt wird. Spannend finde ich, dass die Klingonen hier differenzierter sind als in vorherigen bzw. zukünftig spielenden Serien. Sie sehen unterschiedlich aus, haben andere Todesrituale, verhalten sich anders. Viel Aber-der-Canon-Geschrei ist darüber wohl laut geworden. Die Andersartigkeit finde ich aber nicht so schlimm – wenn sie denn Absicht ist. Ich erwarte hier, dass wir eine große Einigung der klingonischen Häuser sehen, die dann schlussendlich zu dem eher monokulturellen Reich führt, das in TNG ff. ausgiebig charakterisiert wurde. Dennoch hätte ich mir einen originelleren Gegner als die Klingonen gewünscht. (Und ich erwarte eine Erklärung, warum uns hier ausschließlich nicht-augmentierte Klingonen begegnen, wenige Jahre später auf Kirks Enterprise aber nur die augementierten. Das hat gefälligst einen Grund zu haben, liebe Produzenten, außer dem, dass ihr mehr Produktionsbudget als TOS hattet.)
  • Sporenantrieb. Ui, der ist ja jetzt gar nichts für mich. Nicht wegen der kanonischen Implikationen. Irgendwie werden sie das Ding schon vom Tisch bekommen, keine Frage. (Obwohl ein so mächtiges Gerät wohl nicht immer vom Tisch bleiben würde in der Realität. Egal, wie gefährlich es sein sollte oder welche Konsequenzen die Nutzung hat, die Voyager hätte wohl alles darum gegeben, einen einzigen Sprung machen zu können. Aber es ist dort nicht mal erwähnt worden. Da muss schon ein richtig schwerer Reset-Hammer auf die Serie niedergehen.) Nein, mein Problem liegt hauptsächlich darin begründet, dass ich biologische Aspekte dieser Art in der Science-Fiction nicht so recht mag. Sachen wie lebendige Raumschiffe, galaxienweite Nervennetze oder Planeten mit eigenem Bewusstsein wirken auf mich einfach zu weit hergeholt. Außerdem finde ich, dass solche Biotechnologie nicht besonders in das etablierte Star-Trek-Universum passt. Das ist doch viel mehr auf physikalischer Technologie aufgebaut und das liegt mir auch viel näher.

Oh, ich schreibe jetzt doch viel mehr, als ich eigentlich erwartet hätte und Episode 10 von Discovery wartet schon. Daher beende ich an dieser Stelle erst einmal den Artikel und werde in den nächsten Tagen in einem weiteren Teil versuchen, mir eine Meinung von Star Trek Discovery zu bilden. Bleibt dran, wenn ihr mögt.

* Die anderen Kommentare werde ich auch noch beantworten, versprochen.

Star Trek Discovery – Was ich zu entdecken hoffe

In wenigen Tagen* startet eine neue Star-Trek-Serie: Discovery. Ich freue mich darauf, wie ein Ferengi auf die Börsenkurse. Ich fürchte mich aber auch davor, wie ein Ferengi vor den Börsenkursen.

Ein persönlicher Star-Trek-Rückblick

Star Trek, damals noch in Form von Raumschiff Enterprise, ist (neben Captain Future und Western von gestern) eine meiner ersten Fernseherinnerungen. Wenn ich mir die Ausstrahlungsgeschichte der Serie in Deutschland so anschaue, muss es wohl 1982 gewesen sein. (Oder gar schon 1979?)

Als mein Onkel dann einige Jahre später eine aus der Videothek kopierte VHS-Cassette von Star Trek II – Der Zorn des Khan sein eigen nannte, schaute ich diesen Film rauf und runter. (Den und Die Rückkehr der Jedi-Ritter, ich war da schon immer poly-franchirös.) Bei Star Trek IV saß ich dann schon im Kino und wartete, dass endlich mal jemand Alarmstufe rot befiehlt.***

Und als 1989 die ersten Gerüchte die Runde machten, dass man Sat 1 über Antenne empfangen könne, raste ich nach Hause, öffnete die Klappe am Fernseher, hinter der die Frequenzwahlräder verborgen waren, und drehte sie mithilfe des mitgelieferte Stäbchens Millimeter für Millimeter weiter, bis durch den Schnee der Empfangsstörungen die unbekannten Welten des Privatfernsehens auf dem Bildschirm materialisierten. Es war ein Mittwochabend und ich hatte Raumschiff Enterprise im Vorabendprogramm um eine knappe Stunde verpasst. Also hieß es eine Woche warten bis zur nächsten Folge, und ich erwischte einen echten Klassiker: Spocks Gehirn. Aber völlig egal, es waren das erste Mal seit Jahren Kirk und Co zu sehen.

Richtig zum Fan wurde ich allerdings durch die Romane, die zu der Zeit erschienen. Auf dem Weg in den Urlaub fiel mir am Hamburger Hauptbahnhof Uhuras Lied in die Hände. Und als ich im Bayrischen Wald ankam, war es durchgelesen.

Da es ja aber eigentlich um die neue Serie gehen soll und nicht um die verklärten Kindheitserinnerungen eines alternden Mannes, schalte ich mal auf schnellen Vorlauf: Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert im zweiten Anlauf (nach dem ersten mit der CIC-Video-Synchronisation) geliebt, Fan-Club-Mitgliedschaften und erste Con-Besuche****, Star Trek – Deep Space Nine immer noch der Höhepunkt des Universums, von Star Trek Voyager eher enttäuscht und von Enterprise wegen Arbeit im Ausland nicht viel mitbekommen.

Was (mir) bekannt ist

Und nun also in Kürze Discovery. Einige Aspekte sind ja schon bekannt, aber um die soll es hier gar nicht gehen, nicht sehr jedenfalls. Vielmehr soll es darum gehe, was ich mir von dieser Serie wünsche. Und was ich vermute, was wir tatsächlich zu sehen bekommen werden. Und warum das eventuell nicht übereinstimmt.

Ergänzend sei festgehalten, dass ich in den letzten Wochen versucht habe, einen Bogen um Discovery-Neuigkeiten zu machen. Nicht so extrem wie vor einem Game-of-Thrones-Staffelfinale, aber ich kenne höchstens die Artikel-Überschriften oder einzelne Tweets zu den aktuellen Informationen über die Serie.

Was also ist der Wissensstand, auf dem dieser Beitrag basiert?

  • Die Serie spielt zwischen Archer und Kirk. (Okay.)
  • Die Serie spielt im Prime Universe. (Yay!)
  • Hauptfigur ist Commander Michael Burnham. (Hm.)
  • Das ist eine Frau (Yay!)
  • Sie ist nicht Kommandantin eines Schiffes. (Interessant.)
  • Sie ist vermutlich bei Vulkaniern aufgewachsen. (Ah ja.)
  • Es geht um Klingonen, viele Klingonen, verschiedene Klingonen. (Oh.)

Wie gesagt, einiges davon mag überholt sein oder in der Zwischenzeit eine Präzisierung erfahren haben, aber dann weiß ich nichts davon.

Womit ich daher rechne

Wenn ich nun diese Bausteine kombiniere und gleichzeitig in Betracht ziehe, was die Charakteristika derzeit erfolgreicher Serien sind, an denen CBS sich sicherlich orientieren wird, dann zeichnet sich mir ein gewisses Bild. Insbesondere die Idee verschiedener klingonischer Stämme lädt vor dem allgemeinen kriegerischen Hintergrund dieser Spezies ja geradezu dazu ein, intra-imperiale Konflikte heraufzubeschwören, gegenüber denen Game of Thrones wie eine Meinungsverschiedenheit beim Familienfest aussehen könnte. (Wieso sehe ich jetzt eine weißblonde Klingonin auf einem Bird of Prey reiten, der Photonentorpedos auf gegnerische Infanterie spuckt?)

Dazu kommt noch, dass am Ende von Star Trek Enterprise ja eigentlich der Romulanische Krieg bevor stand. Und die Romulaner scheuen ja bekanntlich vor kaum einer Einmischung in fremde Angelegenheiten zurück (siehe den Aenar-Handlungsbogen von Enterprise) oder löschen auch mal ihre eigene Regierung aus, um ihre Interessen durchzusetzen (siehe Star Trek Nemesis – okay, das waren Remaner, aber irgendwoher werden die solche Ideen ja auch genommen haben).

Das Bild, das ich von dem Serienkosmos also derzeit habe, ist das eines komplexen politischen Universums mit lang geplanten Intrigen, mit wechselnden Loyalitäten, mit moralischen Grauzonen, in denen sich die Figuren austoben.

Und das muss ja per se nicht schlecht sein, schließlich schaue auch ich mit Vergnügen House of Cards, The Expanse oder das bereits mehrfach erwähnte Game of Thrones, um nur einige zu nennen. Aber passt das auch zu Star Trek?

Was ich mir erhoffe

Ich hoffe, dass es den Produzenten gelingen wird, modernes serielles Erzählen mit den Grundwerten zu verbinden, die Star Trek so attraktiv gemacht haben. Und auf den Kern zusammengedampft ist das für mich die Aussage, dass der Mensch****** im Grunde gut ist. Dass es ihm gelingt, Hass und Vorurteile zu überwinden. Dass er das tut, was richtig ist für die Allgemeinheit, nicht nur vorteilhaft für ihn selbst.

Star Trek ist in den Grundzügen eine Utopie, eine Hoffnung auf eine Zukunft in der die Menschheit sich weiterentwickelt hat zu einer besseren, vernünftigeren, gerechteren Variante ihrer selbst. Und diese Sichtweise hat mich beim Aufwachsen so sehr geprägt, dass diese Entwicklung für mich lange Zeit unausweichlich erschien. Doch derzeit scheinen sich verschiedene Teile der Menschheit zu bemühen, mich eines Besseren zu belehren.

Gerade in diesen Zeiten, in denen die Realität dystopisch genug ist; Zeiten, in denen Menschen überall auf der Welt wieder um ihre eigentlich für selbstverständlich gehaltenen Rechte kämpfen müssen (wie zu der Zeit, als das originale Star Trek entstand); Zeiten in denen der Zusammenhalt der Menschheit in immer mehr Ländern der Welt durch nationalistische Idioten gefährdet wird, hoffe ich, dass die Macher von Discovery sich auf den Kern von Star Trek besinnen und eine notwendige Utopie schaffen. Und sei es auch eine düstere.

Oder, um es in einem Tweet zusammenzufassen, den ich hier mit freundlicher Genehmigung des Autors hier zitieren darf:

 

 

Und bis ich das Gegenteil sehe, gehe ich davon aus, dass Discovery meine Hoffnungen erfüllen wird. Wie ich schon an anderer Stelle schrieb: Ich lasse mir die Serie nicht schlechtreden. Enttäuschen muss sie mich schon selbst.

 


* Und das in Deutschland nur einen Tag nach der Originalausstrahlung. Bei den vergangenen Serien war ja unter einem Jahr Wartezeit nichts zu machen. Und schon gar nicht im Originalton.**

** Die Idee mit den Fußnoten habe ich übrigens bei FragmentAnsichten plagiiert. Lest das Blog, es ist sehr gut.

*** Es geht hier um Ereignisse, die über 30 Jahre zurückliegen. Und wer ein wenig Kenntnis über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns hat, dem mag klar sein, dass hier möglicherweise ein oder zwei Prisen persönliche Legendenbildung in die Erinnerungen mit eingeflossen sind.

**** Auch meine erste (Fanfiction-)Veröffentlichung fällt in diese Zeit.

***** Und in der Erweiterung dann alle vernunftbegabten Wesen.******

****** Möglicherweise übertreibe ich dieses Gestaltungsmittel allerdings.